Theater
![]() | „Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es.” Bertrand Russell |
![]() | „Wenn man tot ist, ist das für einen selber nicht schlimm, weil man ja tot ist. Genauso ist es übrigens, wenn man doof ist …”
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![]() | „Benehmen ist ein Geschenk der Kinderstube.”
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Gestern – 31.10.2013 – war Wolfgang Schorlau im „Blauen Haus“ Böblingen und las aus seinem Buch „Rebellen“.
Nach der Vorstellung von Wolfgang Schorlau durch Hans-Jörg Zürn, dem Redaktionsleiter der „SZBZ – Sindelfinger Zeitung / Böblinger Zeitung“ musste Schorlau etwas über Stuttgart 21 (S21) von sich geben, doch dazu später mehr.
Das Buch „Rebellen“ handelt von drei Personen, die sich in den Wogen der „Zeit des Aufbruchs“ und sog. „Achtundsechziger-Bewegung“ kennenlernen und gemeinsam erwachsen werden und sozialisieren.
Paul ist Vollwaise und lebt in einem Waisenhaus, Alexander lebt in „geordneten familiären Verhältnissen“, sein Vater ist Geschäftsmann und besitzt ein Einzelhandelsgeschäft.
Toni, die Psychologiestudentin, trifft erst später auf die beiden Freunde.
Wolfgang Schorlau sagt, dass es in „Rebellen“ darum gehe, dass sich viele Personen in den „Jahren des Aufbruchs und der Veränderung“ Kleidung bzw. Roben übergeworfen hätten, in die sich nicht hineingepasst hätten und die ihnen nicht gestanden hätten.
Viele von denen, die das „Kostüm des proletarischen Revoluzzers“ angehabt hätten, habe dies nicht gepasst und sie hätten das falsche getragen oder nicht wirklich verstanden, was dieses „Kostüm“ darstellte.

Alexander beobachtet eines Abends vorm Ins-Bett-Gehen, wie Paul rauchend vor dem Waisenhaus steht und meint zu erkennen, dass Paul ein freier Mensch sei.
Mit zwölf Jahren schon rauchen, solange aufbleiben wie man will und nicht ins Bett gehen müssen und der „nur“ zwei Jahre ältere Bruder darf noch eine Stunde länger fernsehen.
Die beiden lernen sich irgendwann kennen und finden in dem jeweils anderen, dass, was sie vermissen.
Während Alexander die „Freiheit“ Pauls im Waisenhaus sehr gut findet, sehnt sich Paul nach Geborgenheit, wie er sie vom Waisenhaus aus bei Alexander sieht, die Familie isst zusammen, man unterhält sich.
Alexander erkennt allerdings nicht, dass Paul sich nicht die „Freiheit“ nimmt, ein Messer zu tragen, sondern dieses trägt, weil stellenweise sehr große Drangsalierungen und Schlägereien dort an der Tagesordnung sind.
Alexander, der auf das Gymnasium geht, und Paul, der irgendwann Feinmechaniker lernt, gehen gemeinsam den Weg des Erwachsenwerdens, immer mit Widersprüchen gepaart.
Paul z. B. besorgt – auf der „englischen Art“ – Schallplatten, die auf dem Plattenspieler der Familie Alexanders abgespielt werden könnten, was aber nicht geht, weil die Eltern keine „Neger-Musik“ in deren Haus akzeptieren.
Wenn beide mit dem Mofa zu „Musik-Klubs” fuhren und Mädchen kennenlernten, hatte sich die „Geschichte“ für Paul immer erledigt, wenn die Mädchen erfuhren, dass er im Waisenhaus lebte.
Allerdings kommt Pauls „Zeit“, als die „Achtundsechziger-Revolte“ in den Universitäten umjubelt wird und er als Proletarier – schließlich ist er Feinmechaniker und steht an der Drehbank – gefeiert wird. Als Avantgarde des Proletariats wird er von den Revoluzzern natürlich auch in Agitation und Propaganda geschult und bei jeder Rede, die er hält, sehr umjubelt.
Dieser rote Faden der Widersprüche zieht sich durch das ganze Buch.
Auch das Verhältnis der beiden Freunde Paul und Aleander zu Toni, der Psychologiestudentin, die sich auf der Universität zu ihnen gesellt, ist sehr widersprüchlich.
Die Freundschaft erst der Zwei und dann der Drei hält trotz Widersprüche.
Die Lesung fand in angenehmer Atmosphäre statt.
Wolfgang Schorlau schien nicht mehr so agil wie beim vorigen Mal, als wir ihn bei einer Lesung mit Veit Heinichen kennenlernten. Sein vorpreschender Esprit fehlte. Schorlau wirkte sehr oft so, als wisse er nicht wirklich, was er tat. Beim (Vor)lesen verstrickte er sich stellenweise und stotterte, konnte aber auch in der „Fragestunde“ nicht die Fragen der Zuschauer zur Genüge beantworten.
Er war auch nicht immer konzentriert bei der Sache.
Was uns gestört hatte und was wir auch mit lauten Buh-Rufen „honorierten“, waren seine Seitenhiebe auf Stuttgart 21.
So erzählte er von einem konfusen „Schwabenstreich“ auf dem Time-Square in New York, wo er und der stuttgarter Theaterintendant Lösch zur „Anti-S21-Kundgebung“ treffen wollten, sich aber auf dem nicht gerade großen Time-Square nicht trafen, weil beide falsch standen.
Das anschließende Beteuern „Medienvertreter waren dort.“ Konnte uns nicht überzeugen, zu dem wir buhten, was Schorlau nicht gefiel, er dies aber hinnahm.
Auch gefiel ihm nicht unser lauter Kommentar zu seinem Spruch: „In Stuttgart finden noch die Montagsdemos statt.“, den wir als „Leider … Leider … Leider“ artikulierten.
Hat Schorlau sich selbst gemeint, als er am Anfang der Lesung davon sprach, manche zögen sich „Kostüme“ an, die ihnen nicht passten?
Dafür spricht einiges!

Heute ist bekanntermaßen Wahl-Tag, an dem der 18. Bundestag der Bundesrepublik Deutschland gewählt wird.
62 Millionen Bundesbürger sind aufgerufen, dies zu tun.
Heute berichten wir von der Waldorfschule, die vor Ort ebenfalls am heutigen Sonntag als Wahllokal dient.
Als Journalisten bzw. Reporter dürfen wir berichten, wie hier gewählt wird.
Da es sich in Deutschland um freie und geheime Wahlen handelt, dürfen wir leider keine Bilder oder Videos veröffentlichen.
In der Waldorf-Schule hier vor Ort sehen die Begebenheiten etwas anders aus.
Anstatt Wahlkabinen mit Abgrenzungen gibt es hier hermetisch abgeriegelte Räume mit quadratischer Grundfläche von fünf mal fünf Metern.
Diese Räume sind mit 3D-Kameras ausgerüstet, die von vereidigten sog. „visuellen Wahlhelfern“ beobachtet werden, die ein Schweigegelübde abgelegt haben.
Nachdem sich die Waldorf-Schüler bzw. ehemaligen Waldorf-Schüler tanzend ausgewiesen haben, wer sie sind, bekommen sie ein der Jahreszeit harmonisch-passendes ätherisches Öl auf die Stirn, um so zu markieren, dass sie nicht zweimal wählen können, denn die Nasen der Waldorf-Wahlhelfer sind sehr gut trainiert und würden sofort einen Wahlbetrug riechen.
Nachdem wir mit Nacktscannern begutachtet wurden, damit wir auch nicht die kleinste Kamera dabei haben, durften wir uns zu den sog. „visuellen Wahlhelfern“ gesellen.
Draußen vor dem Wahlraum war Ruhe, niemand übte. Sie nahmen die geheime (Tanz-) Wahl sehr ernst.
Dann öffnete sich der Raum.
Der erste Waldorf-Wähler trat ein und schaute sich etwas scheu um.
„Setenn Sie den schwarzen Balken vor die Augen!“, sagte der sog. „visuelle Wahlhelfer“.
Der Angesprochene nahm ein schwarzes Brett mit Bügeln und Gummiband und setzte es sich wie eine Brille auf, damit man ihn nicht erkennen konnte.
Stichwort – „Geheime Wahl“ !
„Bitte!“, sagte der sog. „visuelle Wahlhelfer“, „Machen Sie Ihre Wahl!“
Der Waldorf-Wähler ging in die Knie, machte einen Knicks, beschrieb mehrere Kurven und sprang dabei ballet-ähnliche Figuren, ging wieder in die Knie und die Wahl war vollzogen.
Der sog. „visuelle Wahlhelfer“ sprach kurz mit seinen beiden Sitznachbarn und bestätigte: „CDU“.
Wir waren von diesen Zeremoniellen sehr irritiert, doch für die anderen Anwesenden schien es völlig normal.
Wir erhielten die Erlaubnis vor der Waldorf-Schule noch mit ein paar Waldorf-Wählern zu sprechen, um auch zu erfahren, was sie gewählt hatten.
Thomas – Name (eventuell) geändert – sagte, er habe die SPD gewählt und tanzte kurz vor, wie das aussah.
Martin – Name (vielleicht auch) geändert – ist Sohn eines Unternehmers und tanzte uns auch etwas vor, was wir als „SPD“ zu erkennen geglaubt hatten.
Martin sagte uns, es sei „FDP“ und klärte uns tanzend auf, dass das „F“ zwei vertikale Hiebe und ein horizontaler Hieb seien, wobei das „S“ eben eine dreigeteilte abgehackte Linie sei.
Wir hatten verstanden.
Wir erfuhren auch, dass es speziell für Frauen eine Schuhkontrolle seit diesem Jahr gab.
Beim Tanzen bzw. Wählen war es leiderr immer wieder passiert, dass Frauen beim Springen einer Figur bzw. eines Buchstabens nicht richtig aufgekommen waren und mit ihren High-Heels umgekickt waren.
Man wollte nicht wieder Verletzungen riskieren.
Ein zweites Manko war aber auch, wie man die Stimmenabgabe bzw. Tanzeinlage werten sollte, wenn sie unfallbedingt unterbrochen werden musste.
Kurz bevor wir gingen, kam jemand japsend und verschwitzt aus der Waldorf-Schule.
Er erzählte, er habe die „die Partei bibeltreuer Christen“ gewählt und da er nicht gerade eine „Sportskanone“ sei, habe er sich sehr quälen müssen, bis er die „lange Sequenz“ getanzt habe.
Wir bemerkten, er habe doch auch einfach „PBC“ tanzen können, worauf er sich vor die Stirn mit dem ätherischen Öl klatsche und meinte: „Mir fiel die Abkürzung nicht mehr ein. Ich war so nervös, denn es ist schließlich meine erste Wahl.“.
![]() | „Versuche nicht jedem alles recht zu machen. Sonst wirst du dir selbst nicht mehr gerecht.”
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Im „Theaterhaus Stuttgart” fand am 24.5.2013 die Premiere von „Cavewoman” statt.
Heike und Tom wollen heiraten, doch am Vortag streiten sie sich wegen einer lapidaren Sache und Heike wirft Tom aus der gemeinsamen Wohnung. Danach stellt die die Klingel ab.
Heike ist überrascht über die Leute, die plötzlich bei ihr in der Wohnung sind – die Zuschauer – und sinniert, während sich ihre Aggression wegen des Streits langsam legen, über die Beziehung zwischen Mann und Frau, deren Gegensätze und Gemeinsamkeiten.
Die Protagonistin Heike führt einen Monolog, bei dem sie ab und zu Zuschauer aus der ersten Reihe miteinbezieht.
Warum gerade wir miteinbezogen wurden, wissen wir nicht, aber es lag bestimmt nicht nur an Herzbebens bzw. Syntronicas Brille, die Heike sehr gefallen hat.
„Cavewoman” ist sehr gelungen.
Heike schießt verbale Salven gegen Tom und die Männer im Allgemeinen und verarbeitet bei ihrer Darstellung (fast) jedes Klischee, das es gibt.
Sie erklärt u.a. auch, warum Frauen immer kalte Hände und kalte Füße haben …
Sie ergründet die Kontrollzwänge der Frauen gegenüber den Männern, insbesondere wenn der Mann alleine einkaufen geht und stichelt auch sonst gegen die „andere Rasse”, allerdings ironisch-sarkastisch, aber nie bösartig oder verletzend.
Ein sehr gelungener Abend!

In Obereidorf ist es Tradition, einen „Sängerkrieg der Heidehasen“ abzuhalten, wenn die Königstochter im heiratsfähigen Alter ist und unter die Haube muss.
So wird derjenige der Gemahl der Hasen-Prinzessin, wer das schönste eigen komponierte Lied vorträgt.

Die Anwärter müssen vor dem Musikdirektor und dem Minister vorsingen und bekommen dann ihre Zulassung zum „Sängerkrieg“.

Wenn es nicht die Intrige zwischen dem Musikdirektor und dem Minister gäbe!
Der Musikdirektor will nämlich die Prinzessin heiraten und steckt mit dem Minister unter einer Decke, dass dies auch klappen möge.
Es kommt, wie es kommen muss, denn Hasen haben lange Ohren und die Intrige fliegt in einem Showdown auf.

Der Musikdirektor und der Minister werden des Landes verwiesen und fliehen.

Der Hase Lodengrün heiratet die Prinzessin.

Friede, Freude, Eierkuchen in Obereidorf!
Heute ist die „Saison“ leider zu Ende gegangen.
Wir haben uns dieses (Kinder-) Musical angesehen und haben uns sehr amüsiert.
Kurz vor dem offiziellen Beginn tummeln sich die Hasen zwischen den Zuschauern hin und her, unterhalten sich mit ihnen, erklären ihnen, worum es geht etc. etc.
Hinter uns fiel die ironische Bemerkung eines Hasens: „Gut, Sie sind ein Mensch, aber das macht nix. Wir haben sind keine Rassisten.“
Die Aufführung wird in keinester Weise langweilig, denn die Hasen können eben nicht still stehen, sondern hüpfen und wuseln hin und her.
Ironie ist nicht zu überhören.
Die Umsetzung der Theater Kulisse e.V. ist sehr gut gelungen.
Wir freuen uns auf die nächste Saison.

„Wenn die Klügeren immer nachgeben
… machen Sie nur das, was die Dummen wollen!”

„Der Umfang des Unfugs, der im Namen von Religionen angestellt wird, kennt keine Grenzen.”
