Kombinatorik

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Protokoll einer außerordentlichen Strategietagung der Etablierten-Partei (EP)

Ort: Konferenzzentrum „Gläserner Tresen“, Berlin-Mitte

Datum: 15. Mai 2026, 10:03 – 11:12 Uhr (abgebrochen, weil jemand „dieses blöde Volk“ sagte und niemand widersprach)

Anwesend: Frau Dr. M. (Vorsitzende), Herr K. (Fraktionsgeschäftsführer), Frau L. (Kommunikationschefin), Herr S. (Chefstratege, digital zugeschaltet, Hintergrund unscharf)

Beginn der Sitzung 10:03 Uhr

Frau Dr. M.: Meine Damen und Herren, ich fasse zusammen: 28 Prozent für die AfD. Das ist ein Desaster. Ein Armutszeugnis. Eine Bankrotterklärung des… nun ja… des Wählers. Natürlich. Nicht unserer. Des Wählers.

Herr K.: Absolut. Also ich sag’s mal, wie’s ist: Die Leute sind einfach zu blöd, um zu kapieren, was gut für sie ist.

Frau L. (nickt eifrig): Wir bieten doch so viel! Wir haben… wir haben… also wir haben zumindest keine Positionen, die man als extrem bezeichnen könnte. Ist das nichts wert?

Herr S. (räuspert sich zaghaft): Ähm. Vielleicht ist genau das das Problem. Dass wir nichts bieten außer…

Frau Dr. M.: Außer Anstand? Außer Demokratie? Außer der unendlichen Geduld, uns jeden Tag von diesem undankbaren Wahlvieh an die Urne scheuchen zu lassen? Genau das ist unser Problem, Herr S.: Wir sind zu nett.

Herr K.: Zu nett! Die da draußen wollen doch nur eines: einen Sündenbock. Und weil wir keine nennen, gehen sie zur AfD. Aber wenn sie bei uns bleiben würden – ich meine, wenn sie nicht so dumm wären –, dann wüssten sie, dass die AfD der Sündenbock ist! Nicht die Ausländer, nicht die Ampel, nicht die Wirtschaft. Die AfD! So einfach ist das.

Frau L. (macht sich Notizen): „Die AfD ist der Sündenbock.“ Das ist gut. Das drucken wir auf Plakate. Vielleicht verstehen es dann auch die letzten Deppen.

Frau Dr. M.: Sehen Sie, Herr S.? Frau L. versteht es. Wir müssen dem Wähler endlich mal sagen, wie dumm er ist. Immer dieses Rumgeeier. Diese ständige Rücksichtnahme. „Die Sorgen der Menschen ernst nehmen.“ Blödsinn! Ihre Sorgen sind eingebildet. Ihre Ängste sind hysterisch. Und ihre Wahlentscheidung ist schlichtweg idioventrikulär.

Herr K.: Idioventrikulär! Doktortitel lässt grüßen. Genau das sind sie.

Herr S. (vorsichtig): Aber wenn wir die Wähler für dumm erklären – wählen die uns dann nicht erst recht nicht?

Totenstille.

Frau Dr. M. (lacht trocken): Herr S., Sie sind neu hier, oder? Der Wähler ist dumm. Das ist kein Geheimnis. Das wissen wir doch alle. Die Frage ist nur: Sagen wir es ihm ins Gesicht oder flüstern wir es hinter seiner Hand?

Frau L.: Ich sage es Ihnen, was das Problem ist: Dieses Volk hat keinen Respekt mehr vor Autorität. Früher hat man gewählt, was einem gesagt wurde. Die Oma hat CDU gewählt, der Opa SPD, die Tante FDP – weil der Onkel das auch gemacht hat. Heute! Heute informieren sich die Leute! Im Internet! Ungefiltert! Kann man sich das vorstellen?

Herr K.: Widerlich. Einfach widerlich. Früher haben wir gesagt, was Sache ist. Und die Leute haben gewählt. Punkt. Heute kommen die mit „Fakten“ und „eigenen Recherchen“. Dabei sind die doch viel zu doof, um eine Überweisung bei der Sparkasse zu tätigen. Und dann wollen die Politik verstehen?

Frau Dr. M.: Genau da setzen wir an. Unser neuer Wahlkampfslogan: „Vertraut uns. Ihr seid zu blöd, um richtig zu wählen.“

Herr K.: Zu lang. Wie wär’s mit: „Wählt uns. Oder seid weiterhin dumm.“

Frau L.: Oder: „Die AfD ist scheiße. Aber das wisst ihr ja nicht, weil ihr dumm seid.“

Frau Dr. M. (lächelt selig): Ich liebe es, wenn wir uns einig sind. Und jetzt zum eigentlichen Punkt: Was machen wir konkret, um dieses dumme, undankbare, widerständige Wahlvieh wieder an die Kandare zu nehmen?

Herr K.: Wir könnten Wahlrechtsreform machen. Wer AfD wählt, dessen Stimme zählt nur halb. Oder gar nicht. Das wäre doch gerecht. Die Intelligenten – also wir – haben dann mehr Gewicht.

Frau L.: Oder wir führen einen Wahlführerschein ein. Wer nicht nachweisen kann, dass er unsere Parteiprogramme vollständig gelesen und verstanden hat, darf nicht wählen. Das ist doch gelebte Demokratie!

Herr S. (meldet sich zum letzten Mal): Das wäre verfassungswidrig. Und auch sonst… also wirklich… vielleicht sollten wir einfach mal zuhören. Den Leuten zuhören. Vielleicht haben die ja Recht mit ihrer Kritik? Vielleicht verwalten wir wirklich nur? Vielleicht liefern wir keine Lösungen? Vielleicht sind WIR das Problem und nicht die Wähler?

Langes Schweigen. Frau Dr. M. nimmt ihre Brille ab. Putzt sie. Setzt sie wieder auf. Starrt in die Kamera.

Frau Dr. M.: Herr S., Ihre Leitung ist schlecht. Sie verzerren. Wir hören Sie nicht mehr.

Herr S.: Ich habe gar nicht gesproch…

Frau Dr. M.: Genau. Verbindung abgebrochen. Also. Wo waren wir?

Herr K.: Bei der Dummheit des Wählers.

Frau L.: Und dass wir ihnen endlich mal sagen müssen, was Sache ist.

Frau Dr. M.: Richtig. Also beschließen wir:

1. Eine Plakatkampagne mit dem Konterfei eines Schafs und der Unterschrift: „Du auch?“

2. Eine Pressemitteilung, in der wir den Wählern der AfD bescheinigen, „entweder verblendet oder geistig minderbemittelt zu sein“.

3. Ein Konzept, wie wir weiterhin alles beim Alten lassen können. Vorschläge?

Herr K.: Mehr Ausschüsse!

Frau L.: Mehr Enquete-Kommissionen!

Frau Dr. M.: Mehr Sonntagsreden, in denen wir sagen, dass wir die Sorgen der Menschen ernst nehmen – ohne sie jemals zu nennen!

Alle drei (wie aus einem Mund): Beschlossen.

Frau Dr. M.: Dann sind wir uns einig: Der Wähler ist doof. Wir sind genial. Und wenn die AfD bei der nächsten Wahl 30 Prozent holt, dann liegt das einzig und allein daran, dass die Deutschen noch dümmer geworden sind. Aber das ist ja nicht unser Problem.

Gelächter. Jemand bestellt Sekt.

Ende des Protokolls.

(Nachtrag der Protokollantin: Die Pressestelle hat die Plakatkampagne intern getestet. Fokusgruppe sagte: „Das ist doch wieder nur diese Besserwisserei.“ Daraufhin wurde die Fokusgruppe aufgelöst und als „nicht repräsentativ“ bezeichnet.)

Es ist eines der großen Mysterien der modernen Menschheit…

Nicht die dunkle Materie.
Nicht die Frage, ob Zeitreisen möglich sind.
Nicht einmal, warum Menschen bei IKEA freiwillig samstags Regale kaufen gehen.

Nein.

Das wahre Rätsel steht auf Fahrradwegen.

Meine Herzallerliebste, unser Hündin Hazel und ich gehen oft spazieren (Gassi).

Und Hazel ist ein guter Hund.
Wirklich.

Aber eben auch ein Hund mit eigener Meinung.
Besonders zu Fahrradfahrern.
Nicht zu allen.
Das wäre zu einfach. 

Hunde arbeiten subtiler. 

Manchmal reicht schon ein bestimmter Fahrstil.
Ein zu leises Heranrollen.
Ein Abrollgeräusch der Reifen.
Ein hektisches Pedal-Treten.
Vielleicht auch einfach nur die Aura eines Menschen, der Carbonfasern für eine Persönlichkeit hält.

Dann passiert es.

Von hinten nähert sich lautlos ein Fahrradfahrer.
Hazel registriert ihn in einer Geschwindigkeit, bei der jeder militärische Frühwarnradar neidisch würde.
Der Kopf hebt sich.
Die Ohren gehen hoch.
Der Blick fixiert das Zielobjekt.

Und meine Herzallerliebste und ich reagieren sofort routiniert wie ein eingespieltes Einsatzteam.

„Hazel.“

Leine kürzer.

Festhalten.

Position sichern.

Denn wir wissen: 

Wenn Hazel entscheidet, dass dieser Fahrradfahrer heute nicht durch ihr persönliches Königreich fahren darf, dann möchte sie das sehr deutlich mitteilen.

Und genau in diesem Moment fährt der Radfahrer vorbei.

Hazel geht hoch.

Nicht wirklich gefährlich. 

Nicht „reißendes Monster”. 

Eher eine empörte Mischung aus: 

„WAS ERLAUBEN SIE SICH EIGENTLICH, HIER SO VORBEIZURAUSCHEN?!“

Wir halten sie selbstverständlich fest. 

Immer.
Sofort.
Kontrolliert.
Verantwortungsbewusst.

Und fast jeder Fahrradfahrer sagt dann im Vorbeifahren etwas wie: „Danke!“
Oder: „Alles gut!“
Oder nickt freundlich.

Bis hierhin noch normale zwischenmenschliche Interaktion.

Doch dann geschieht das Phänomen.

Etwa zehn Meter weiter schaut sich praktisch jeder Fahrradfahrer noch einmal um.

Jeder.

Wirklich jeder.

Manche nur kurz über die Schulter.
Andere drehen fast den gesamten Oberkörper. 

Einige wirken dabei, als würden sie prüfen, ob Hazel inzwischen ein Motorrad organisiert hat, um die Verfolgung aufzunehmen.

Und wir fragen uns jedes Mal: 

„Warum?”

„Was genau erwarten sie?”

Dass wir plötzlich die Leine loslassen und Hazel wie einen haarigen Boden-Luft-Abfangjäger starten?

Vielleicht ist es ein uralter Instinkt.
Vielleicht tief im menschlichen Gehirn verankert.
Eine Art evolutionäres Notfallprogramm: „Gefahr scheinbar gebannt. Trotzdem noch einmal kontrollieren, ob der Wolf wirklich nicht hinterherkommt.“

Vielleicht ist es aber auch einfach die stille Erkenntnis: „Dieser Hund meinte das ernst.“

Denn Hunde können etwas, das Menschen längst verloren haben: 

Absolute Ehrlichkeit im Ausdruck.

Hazel verstellt sich nicht.
Sie führt keine passiv-aggressiven Büromeetings.
Sie schreibt keine kryptischen WhatsApp-Statusmeldungen.
Sie tut nicht so, als wäre alles okay, obwohl nichts okay ist.

Wenn Hazel etwas doof findet, erfährt die Welt das unmittelbar.

Und vielleicht schauen sich die Fahrradfahrer deshalb noch einmal um.
Nicht aus Angst.
Sondern aus einer Mischung aus Respekt, Verwunderung und diesem kurzen Gedanken:

„Mein Gott … der Hund hatte wirklich eine Meinung zu mir.“

Meine Herzallerliebste und ich stehen dann oft da und müssen lachen. 

Weil es jedes Mal gleich abläuft.
Wirklich jedes Mal.

Fahrradfahrer fährt vorbei. 

Hazel diskutiert lautstark die Verkehrssituation. 

Wir halten sie fest. 

Der Fahrer bedankt sich. 

Zehn Meter später: der Kontrollblick zurück.

Ein Naturgesetz.

Newton hätte vermutlich irgendwann das „Gesetz der obligatorischen Schulterumdrehung nach Hundebegegnungen“ formuliert.

Und Hazel?

Die steht dann längst wieder völlig ruhig da, schaut in die Landschaft und tut so, als hätte sie mit alldem überhaupt nichts zu tun gehabt.

In einem alten Haus am Rand einer namenlosen Stadt lebte ein Kartenmacher. 

Niemand wusste genau, wie alt er war. 

Manche behaupteten, er habe schon Karten gemalt, als die ersten Dampfschiffe noch aus Holz bestanden. 

Andere sagten, er sei bloß ein müder alter Mann mit zu viel Fantasie. 

Doch wer einmal sein Geschäft betreten hatte, vergaß es nie wieder.

Über der Tür hing kein Schild. 

Nur ein einzelnes Symbol war in das dunkle Holz geschnitzt: 

Ein schwarzes Pik.

Im Inneren roch es nach Papier, Staub und Regen. 

An den Wänden hingen Spielkarten aus allen Jahrhunderten. 

Verblasste Könige.

Zerrissene Damen.

Bauern mit gebrochenem Grinsen. 

Doch hinter dem Tresen, unter einer Glasscheibe, lag eine einzige Karte allein.

Das Pik As.

Die Menschen der Stadt fürchteten diese Karte. 

Nicht, weil sie glaubten, sie sei verhext. 

Sondern weil sie wussten, dass sie immer dann auftauchte, wenn etwas endete.

Ein Fabrikbesitzer hatte sie einst morgens in seiner Manteltasche gefunden.
Am selben Abend brannte seine Maschinenhalle nieder.

Ein Musiker entdeckte sie zwischen den Seiten seines Notenbuchs.
Zwei Tage später verlor er sein Gehör.

Ein Ehepaar fand sie auf dem Küchentisch, obwohl niemand sie hingelegt hatte.
Wochen danach sprachen die beiden kein einziges Wort mehr miteinander.

Mit der Zeit begannen die Leute zu glauben, das Pik As bringe Unglück. 

Dass die Karte selbst das Verderben sei.

Doch der alte Kartenmacher schüttelte darüber nur traurig den Kopf.

„Nein“, sagte er manchmal leise, während draußen Regen gegen die Scheiben trommelte. „Die Karte bringt nichts. Sie kündigt nur an.“

Aber niemand hörte auf ihn.

Eines Tages kam ein Mann in das Geschäft. 

Er sah erschöpft aus.
Nicht körperlich.
Mehr so, als hätte das Leben zu lange auf seinen Schultern gesessen.
Seine Augen wirkten wie Zimmer, in denen seit Jahren kein Licht mehr gebrannt hatte.

„Ich habe sie gesehen“, sagte er.

Der Kartenmacher nickte nur.

Der Mann zog langsam eine Karte aus seiner Jackentasche und legte sie auf den Tresen.

Pik As.

Schwarz wie ein verbrannter Himmel.

„Was wird passieren?“, fragte der Mann.

Der Kartenmacher betrachtete ihn lange.
Dann antwortete er:

„Das, was längst unterwegs ist.“

Der Mann verstand nicht.

Also führte ihn der Alte in einen hinteren Raum. 

Dort standen hunderte Uhren. 

Große Pendeluhren.

Kleine Taschenuhren.

Zerlegte Uhrwerke.

Manche liefen schnell. 

Manche langsam.

Manche waren stehen geblieben.

„Die Menschen glauben“, sagte der Kartenmacher, „Katastrophen kämen plötzlich. Aber das stimmt nicht. Das meiste beginnt viel früher.“

Er nahm eine Uhr von der Wand.
Ihr Glas war gesprungen.

„Eine Ehe zerbricht nicht an einem einzigen Streit.“

Er zeigte auf ein rostiges Zahnrad.

„Ein Körper fällt nicht wegen eines einzigen Tages in sich zusammen.“

Dann hob er eine Taschenuhr auf, deren Zeiger rückwärts liefen.

„Und ein Mensch verliert sich nicht in einem einzigen Augenblick.“

Der Mann blickte auf die Karte in seiner Hand.

„Warum also das Pik As?“

Der Alte lächelte schwach.

„Weil Menschen Warnungen erst ernst nehmen, wenn sie ein Gesicht bekommen.“

Draußen begann ein Gewitter.

Der Kartenmacher setzte sich langsam an seinen Tisch.

„Das Pik As ist keine Strafe“, sagte er. „Es ist der Moment, in dem die Wahrheit nicht mehr verdrängt werden kann.“

Der Mann schwieg lange.

Dann fragte er:

„Kann man dem entkommen?“

Der Alte dachte nach.

„Manchmal.“

„Wie?“

Der Kartenmacher zeigte auf die vielen Uhren.

„Indem man nicht wartet, bis der letzte Zeiger fällt.“

Der Mann verließ das Geschäft kurz vor Mitternacht. 

Der Regen hatte aufgehört. 

Die Straßen glänzten silbern im Licht der Laternen.

Das Pik As trug er noch immer bei sich.

Aber zum ersten Mal sah er die Karte nicht mehr als Todesurteil.

Sondern als letzte Nachricht, bevor etwas endgültig zerbricht.

Oder bevor jemand endlich den Mut findet, etwas zu verändern.

Die Märchenbücher müssen umgeschrieben werden – und zwar sofort, dringend, mit einer Notfallkommission aus Literaturwissenschaftlern, Bauern und einem besonders sarkastischen Fußpfleger

Es war ein Moment von so atemberaubender Banalität, dass selbst die Möwen am Himmel vor Langeweile die Flügel hängen ließen. 

Hazel und ich – zwei moderne Märchenarchäologen, ich bewaffnet mit Kaffee im Thermosbecher und einer kollektiven Abneigung gegen Happy Ends – trotteten über ein Feld, das so idyllisch aussah, als hätte es ein Tourismusverband persönlich mit Photoshop bearbeitet. 

Die Sonne stand in einem Winkel, der nur von Leuten geliebt wird, die noch nie einen Sonnenbrand hatten, und die Erde roch nach dem, was passiert, wenn Regen auf Mist trifft: nach Hoffnung für Dichter und Desillusionierung für alle anderen.

Und dann sahen wir ihn.

Den Schuh.

Nicht irgendeinen Schuh. 

Nicht den gläsernen Pantoffel einer Disney-Prinzessin, der aussieht, als hätte ihn ein betrunkener Juwelier aus den Tränen enttäuschter Brautjungfern geformt. 

Nein. 

Es war ein linker Turnschuh, Größe 36, mit einem abgelösten Absatz, der aussah, als hätte er einen Existenzkampf gegen einen besonders aggressiven Pflug verloren. 

Die Farbe? 

Einst vielleicht jeansblau, jetzt eher „Schlamm mit einem Hauch von ‚Ich habe aufgegeben‘“. 

Die Schnürsenkel? 

Ein Stück fehlte, der Rest baumelte wie ein Symbol für alle unvollendeten Lebensprojekte in einer Öse. 

Und die Sohle? 

Abgelaufen. 

Nicht im metaphorischen Sinn. 

Wörtlich. 

Wie die Garantie auf einem Billigstaubsauger.

Hazel hob ihn mit ihrer Schnauze auf, als wäre er ein Beweisstück in einem besonders deprimierenden Kriminalfall. 

“Wuff”, sagte sie, meinte aber: “Der riecht nach Schicksal. Und nach Gülle.”

Und in diesem Moment, zwischen dem Geruch von feuchter Erde und dem leisen Flüstern meiner eigenen existentiellen Krise, kam mir der erlecuhtende Gedanke. 

“Die Märchenbücher müssen nicht nur umgeschrieben werden. Sie müssen mit einem Presslufthammer bearbeitet, durch einen Wolf gedreht und dann von einem Team aus Zynikern, Feministinnen und einem chronisch überarbeiteten Landwirt neu erfunden werden.“

Die offizielle Version: Cinderella verliert ihren Schuh auf einem Ball. 

Ein Event, bei dem mehr Goldfolie verbraucht wird als bei einer Rapper-Hochzeit.
Kronleuchter, die aussehen, als hätten sie einen Kredit bei der Bank der Eitelkeiten aufgenommen.
Ein Prinz, der so charmant ist, dass man vergisst, dass er wahrscheinlich Steuern auf Armut erhebt. 

Und natürlich: Der Schuh. 

Ein gläsernes Meisterwerk der Orthopädie, das jede Frau mit mehr als Größe 36 sofort als „nicht prinzenwürdig“ entlarvt.

Aber mal ehrlich!

Wer verliert auf einem Ball einen Schuh? 

Selbst nach fünf Gläsern Champagner und einem Tanz mit dem Großherzog von Peinlich schafft man es meistens, beide Schuhe an den Füßen zu behalten.
Es sei denn, der Schuh war so unbequem, dass Cinderella ihn absichtlich zurückließ – als symbolische Geste gegen die Patriarchat-Pantoffel-Industrie.

Die wahre Geschichte? 

Cinderella war auf einem Dorfest.
Einem Event, bei dem der Höhepunkt nicht die Mitternachtsquadrille, sondern Onkel Horsts 17. Versuch war, einen Nagel mit dem Kopf einzuschlagen.
Wo der „Ball“ eigentlich ein Zelt war, das nach Bier und verzweifelter Lebensplanung roch.
Wo die „königliche Musik“ aus einer kaputten Orgel kam, die nur noch „Kriminaltango” und „Atemlos durch die Nacht“ spielte, zumindest halbwegs.
Und wo Cinderella nicht vor Mitternacht fliehen musste, weil ihre Kutsche zum Kürbis wurde, sondern weil der letzte Bus fuhr – und der kostete 3,50 Euro, die sie sich vom Mund abgespart hatte.

Und der Schuh? 

Der war kein gläserner Pantoffel. 

Der war ein ausgeliehener Turmschuh, Baujahr 1970, von ihrer Tante Gerda, der schon bei der Anprobe so drückte, dass Cinderella heimlich betete, Gott möge sie erlassen – oder wenigstens den Schuh. 

Als sie dann über den matschigen Parkplatz stolperte (weil jemand – nämlich Prinz Charming – seine leere Bierflasche einfach in den Dreck geworfen hatte), blieb der Schuh im Schlamm stecken. 

Und sie ließ ihn liegen. 

Nicht aus Versehen. 

Aus Protest.

Die offizielle Version: Der Prinz, ein Mann mit dem emotionalen Tiefgang eines Löffels, reist durchs ganze Land und lässt jede Frau einen Schuh anprobieren. 

Romantisch! 

Vor allem, wenn man bedenkt, dass er damit eigentlich sagt: „Ich suche eine Frau, die in diesen einen, spezifischen Schuh passt – und wenn nicht, Pech gehabt, du bist wohl nicht meine Seelenverwandte, du hässliche Größe 37.”

Aber mal unter uns!

Was, wenn der Prinz gar nicht nach Cinderella suchte?
Was, wenn er einfach nur ein Fetischist war?
Ein Mann, der seine Macht demonstrieren wollte, indem er Frauen zwang, sich für einen Schuh zu erniedrigen?

„Ja, ich bin der Prinz, und nein, ich werde nicht fragen, wie du heißt oder was du denkst – aber dein Fuß sieht ja süß aus in diesem gläsernen Folterinstrument! Ich genieße deine Tränen.”

Die wirklich wahre Geschichte? 

Der Prinz fand den Schuh nie. 

Er gab nach drei Tagen auf, weil er merkte, dass keine Frau in seinem Königreich Größe 36 trug – außer seiner Cousine Giselda, und die wollte er wirklich nicht heiraten. 

Also erfand er eine Geschichte. „Ich habe meine große Liebe gefunden!“

Er meinte damit seinen neuen Jagdhund. 

Und der Schuh?

Der landete in der Rumpelkammer, neben den anderen gescheiterten Beziehungsprojekten des Prinzen: einem halbleeren Parfümflakon von „Eau de Verlogenheit“ und einem Brief, in dem eine Ex ihm schrieb: „Dein ‚Charme‘ ist so oberflächlich wie dein Verständnis für Steuern.”

Die ganz offizielle Version: 

Cinderella ist ein sanftes, demütiges Mädchen, das brav ihre Stiefschwestern ertragen und auf ihre Erlösung durch einen Mann wartet. 

Ein Traum für alle, die Frauen am liebsten in Kategorien wie „engelsgeduldig“ oder „hysterisch“ einteilen.

Aber mal im Ernst!

Wer würde freiwillig mit jemandem zusammenleben, der ihr Asche ins Essen streut? 

Das ist kein Märchen – das ist ein Hilferuf an das Jugendamt. 

Cinderella war kein passiver Prinzessinnen-Groupie.

Sie war eine Überlebenskünstlerin.

Eine Frau, die lernte, wie man mit einem Löffel Suppe und einer Portion Sarkasmus durch den Tag kommt, ohne in einen Welle aus Bluimie zu verfallen.
Die ihre Stiefschwestern nicht „erduldete“, sondern ausspionierte, um ihre schwachen Stellen zu finden.

Die eine hatte eine Glutenunverträglichkeit, die andere eine peinliche Vorliebe für Liebesromane mit Hausärzten.

Die wirkich wahre Geschichte? 

Cinderella fand den verlorenen Schuh selbst wieder. 

Als sie am nächsten Morgen mit einem Kater (nicht der tierische, der metaphorische) aufs Feld ging, um die Ernte einzubringen, die ihre Stiefschwestern „wieder mal” verschlafen hatten. 

Sie sah den Schuh. Dann lachte sie lauthals und dachte: „Wenn der Prinz mich wirklich wollte, hätte er mir wenigstens eine SMS geschrieben.“

Dann pflanzte sie weiter.
Bauchte sich einen eigenen Kürbis an. 

Und eröffnete später ein erfolgreiches Gemüse-Imperium, während der Prinz pleiteging, weil er sein ganzes Geld in gläserne Schuhe investiert hatte – die niemand kaufen wollte, weil niemand Größe 36 hatte.

Epilog: Der Schuh im Feld – oder: Warum die besten Geschichten die sind, die niemand erzählt

Der Schuh, den Hazel und ich fanden, liegt immer noch da, weil er eklehaft nach Gülle stinkt.
Ein stummer Zeuge einer Geschichte, die niemand aufschreiben wird. 

Kein Prinz wird kommen.
Keine Fee wird ihn in Diamant verwandeln. 

Er wird einfach langsam verrotten, bis nur noch die Sohle übrig ist – ein letzes „Ihr könnt mich mal!” an alle, die dachten, Märchen müssten schön enden.

Vielleicht war Cinderella nie auf einem Ball.
Vielleicht hat sie nie einen Prinzen geheiratet.
Vielleicht hat sie einfach nur gelebt.
Gearbeitet.
Gelacht.
Geliebt.

Ohne dass es jemand für wichtig genug hielt, es aufzuschreiben.**

Und das, liebe Märchenbuchverlage, ist der Moment, in dem ihr kapiert: „Die besten Geschichten sind nicht die, die mit ‚Und wenn sie nicht gestorben sind…’“ enden. 

Sondern die, die einfach weitermachen. 

Mit schmutzigen Händen. 

Und einem verlorenen Schuh im Schlamm.

Liebe Leserinnen und Leser!
Wer schreibt mit? 

Ich schlage vor, wir fangen mit „Dornröschen“ an. 

Sie schlief nicht. 

Sie hatte einfach nur genug von Männern, die sie ohne Einwilligung küssen.

Manchmal liegt eine Wahrheit nicht in dem, was man weiß, sondern in dem, was man nicht weiß.

Ein Mensch ist tot. Nicht im Haus, nicht im Streit, nicht im greifbaren Chaos einer Szene, die man erklären könnte. Sondern draußen. Im Offenen. Auf dem Feld. Dort, wo Wege sich kreuzen, aber niemand stehen bleibt. Dort, wo der Wind Spuren verwischt und das Gras sich wieder aufrichtet, als wäre nichts geschehen.

Und dann beginnt etwas, das man heute kaum noch versteht: Nicht die Jagd nach dem Täter steht zuerst im Vordergrund. Nicht die Frage nach Motiv, Waffe, Alibi. Sondern die Frage nach Nähe. Wer ist zuständig? Wer ist am nächsten? Wer kann nicht behaupten, es ginge ihn nichts an?

Im Alten Testament, 5. Mose 21,1–9, ist eine der Stellen, die irritieren, weil sie so fremd wirkt – und gerade deshalb so modern ist.
Sie spricht nicht über Schuld im üblichen Sinn.
Sie spricht über Verantwortung.
Über das Unbehagen, das bleibt, wenn ein Leben endet und niemand den Namen des Täters nennen kann.
Über die Gefahr, dass ein Mord in der Landschaft verschwindet, in Akten, in Schweigen, in Gleichgültigkeit.

Das Alte Testament lässt das nicht zu.

Sie zwingt die Gemeinschaft, hinauszugehen. Hinzusehen. Abzumessen. Einzugestehen:
Hier ist Blut vergossen worden, und es ist nicht einfach „passiert“.

Es ist Unrecht. Und Unrecht bleibt Unrecht, auch wenn man es nicht aufklären kann.

Dieser Text ist kein Krimi. Er ist eine Zumutung. Eine Erinnerung daran, dass eine Gesellschaft nicht nur an ihren Gesetzen gemessen wird, sondern an dem, was sie mit dem Ungeklärten macht. Mit den Toten, die niemand beansprucht. Mit der Frage, die offen bleibt.

Und manchmal ist genau das der Punkt: Dass man nicht wegsehen darf, nur weil man nichts beweisen kann.

5. Mose 21,1–9 ist eine der bemerkenswertesten Stellen im Alten Testament, weil sie zeigt, wie ernst die es mit ungeklärter Gewalt umgeht – und wie eine Gemeinschaft Verantwortung übernimmt, selbst wenn niemand den Täter kennt.

Der Abschnitt beschreibt den Fall, dass irgendwo „auf freiem Feld“ eine getötete Person gefunden wird, und niemand weiß, wer es war. 

Das ist wichtig: Es geht nicht um Mord, der in einer Stadt geschieht, wo Zeugen oder Konflikte erkennbar wären.
Es geht um eine Leiche in der Landschaft, um ein Verbrechen ohne Täterspur, ohne Geständnis, ohne klare Richtung. 

Genau solche Fälle sind gesellschaftlich besonders gefährlich, weil sie Angst erzeugen, Vertrauen zerstören und schnell in Gerüchte, Verdächtigungen oder Rache umschlagen können.

Die Anweisung lautet: Die Ältesten und Richter sollen hinausgehen und die Entfernung zu den umliegenden Städten messen.
Die nächstgelegene Stadt wird zuständig. 

Das wirkt zunächst fast technisch, wie eine frühe Form von Zuständigkeitsregelung.
Und das ist es auch.
Aber dahinter steckt mehr: Das Alte Testament sagt damit, dass ein ungeklärter Tod nicht „niemandes Problem“ ist. 

Er fällt nicht ins Leere. Es gibt keine Lücke, in die ein Opfer einfach verschwindet.
Die Gemeinschaft, die am nächsten ist, wird verpflichtet, zu handeln.

Dann folgt das Ritual: Die Ältesten dieser Stadt sollen eine junge Kuh (eine Färse) nehmen, die noch nicht gearbeitet hat, also nicht „benutzt“ wurde.
Sie wird in ein unbebautes, wasserführendes Tal gebracht, und dort wird ihr das Genick gebrochen.
Das ist keine gewöhnliche Opferhandlung im Tempel.
Es ist kein Kult, der „Gott gnädig stimmen“ soll, sondern ein symbolischer Akt, der in eine andere Richtung zielt: Er markiert den Tod als eine Realität, die nicht einfach übergangen werden darf.
Der ungeklärte Mord wird nicht durch Schweigen „normalisiert“, sondern öffentlich sichtbar gemacht.

Besonders wichtig ist: Die Priester treten hinzu, und dann sprechen die Ältesten eine Formel.
Sie sagen sinngemäß: Unsere Hände haben dieses Blut nicht vergossen, und unsere Augen haben es nicht gesehen.“
Und sie bitten um Vergebung für das Volk. 

Das ist ein hochinteressanter Punkt, denn hier geht es nicht nur um den Täter, sondern um die Frage, ob eine Gemeinschaft indirekt mitverantwortlich sein kann. 

Der Text deutet an: Schuld entsteht nicht nur durch die Tat selbst, sondern auch durch die Bedingungen, die eine Tat ermöglichen.

Denn direkt danach steht ein Satz, der oft überlesen wird, aber zentral ist: Die Ältesten beteuern nicht nur, dass sie den Mord nicht begangen haben, sondern auch, dass sie es nicht „gesehen“ haben. 

In der biblischen Auslegung wurde das später sehr konkret: Gemeint sei nicht nur „wir haben den Täter nicht beobachtet“, sondern auch: „Wir haben den Menschen nicht ohne Schutz gehen lassen. Wir haben ihn nicht hungrig, schutzlos oder ohne Begleitung weggeschickt.”
Mit anderen Worten: „Vielleicht hat niemand zugestochen – aber hat jemand weggeschaut, als ein Fremder Hilfe brauchte? Hat jemand die soziale Pflicht verletzt?”

Damit wird dieser Abschnitt zu einer Art ethischem Brennglas. 

Er zwingt die Gesellschaft, sich zu fragen: „Was ist unsere Verantwortung gegenüber Menschen, die in unserer Nähe leben oder durch unser Gebiet gehen?”
Und: „Welche Verantwortung trägt eine Gemeinschaft für Gewalt, die in ihrem Umfeld geschieht, auch wenn sie nicht der Täter ist?”

Man kann das als eine frühe Form von „Ermittlung“ lesen – aber nicht im modernen kriminalistischen Sinn.
Es gibt keine Spurensicherung, keine Tatortanalyse, keine Zeugenvernehmung. 

Stattdessen gibt es eine Mischung aus Zuständigkeitslogik und moralischem Ritual. 

Und gerade das zeigt, wie alt das Problem ist: 

In vormodernen Gesellschaften war ein ungeklärter Mord nicht nur ein individuelles Verbrechen, sondern eine Bedrohung für die gesamte Ordnung.
Blut konnte nach damaligem Denken „am Land haften“.
Es konnte Unheil bringen, es konnte die Gemeinschaft verunreinigen, es konnte als offene Schuld bestehen bleiben. 

Der Text will verhindern, dass ein Mord einfach als „Schicksal“ abgehakt wird.

Gleichzeitig ist der Abschnitt auch juristisch interessant, weil er einen starken Grundsatz vermittelt: 

Ein Opfer zählt, auch wenn es keinen Täter gibt.

In vielen Kulturen verschwinden ungeklärte Tote in der Bedeutungslosigkeit. Hier nicht.
Hier wird das Gegenteil festgelegt: Gerade weil es ungeklärt ist, muss die Gemeinschaft aktiv werden.

Der Text endet mit dem Satz, dass so „das unschuldige Blut aus deiner Mitte weggetan“ werde. 

Das ist keine billige Absolution.
Es ist eher eine Art gesellschaftlicher Reinigung:
Der Mord bleibt ein Mord, aber die Gemeinschaft hat anerkannt, dass es Unrecht war, und sie hat öffentlich erklärt: „Wir akzeptieren das nicht. Wir übernehmen Verantwortung. Wir lassen das Opfer nicht namenlos im Staub liegen.”

Wenn man das in moderne Begriffe übersetzt, könnte man sagen: Dieser Abschnitt ist eine uralte Form von staatlicher und kommunaler Verantwortung. Er enthält Elemente, die man heute als Vorformen kennt: Zuständigkeitsklärung, öffentliches Verfahren, symbolische Anerkennung des Opfers, und ein starkes Signal gegen das Wegsehen.

Und noch etwas: Die Passage zeigt, dass die Bibel nicht naiv ist.
Sie weiß, dass es Verbrechen gibt, die man nicht aufklären kann.
Sie verlangt nicht das Unmögliche.
Sie verlangt aber, dass man den ungeklärten Tod nicht einfach „stehen lässt“, sondern ihn gesellschaftlich ernst nimmt. 

Das ist im Kern eine Botschaft über Würde, Ordnung und Verantwortung.

Desinformation in Wahlkämpfen – Gefahr für die Demokratie?

In einer zunehmend digitalisierten Welt wird Desinformation zu einer der zentralen Herausforderungen für demokratische Wahlprozesse. 

Insbesondere in Wahlkämpfen kann die Manipulation der öffentlichen Meinung durch gezielte Desinformationskampagnen und Fake-News die Entscheidungsfindung der Wähler nachhaltig beeinflussen und so demokratische Prozesse gefährden. 

Im Folgenden soll ein umfassender Überblick gegeben werden, wie Fake-News und Desinformation in Wahlkämpfen eingesetzt werden, welche Rolle soziale Medien dabei spielen und wie die Politik darauf reagieren könnte.

Der Einfluss von Fake-News auf Wahlkämpfe

Fake-News, also gezielte Falschinformationen, sind kein neues Phänomen. 

Schon immer wurden Informationen manipuliert, um politischen Einfluss zu gewinnen, doch durch das Internet und soziale Medien haben Fake-News ein bislang ungekanntes Ausmaß und eine neue Geschwindigkeit der Verbreitung erreicht.
Heute ist es möglich, binnen weniger Stunden eine Desinformationskampagne aufzubauen, die Millionen Menschen erreicht.
Durch Algorithmen, die auf Interaktion und „Aufregung“ setzen, verbreiten sich besonders emotionale, oft polarisierende Nachrichten wie ein Lauffeuer – und die Manipulation bleibt oft unbemerkt.

In Wahlkämpfen spielen Fake-News eine besonders gefährliche Rolle, da sie gezielt die Meinungsbildung der Wähler beeinflussen sollen. 

Sie verbreiten falsche Informationen über Kandidaten oder Parteien, um das Vertrauen der Öffentlichkeit zu untergraben und Unsicherheit zu schüren. 

Studien zeigen, dass viele Menschen Fake-News oft schwer von echten Nachrichten unterscheiden können, besonders wenn diese in sozialen Medien auftauchen. 

Einmal in die Welt gesetzt, sind Fake-News schwer wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung zu entfernen, selbst wenn sie nachträglich als falsch entlarvt werden.
Das führt zu einer anhaltenden Verunsicherung und einem möglichen Vertrauensverlust in politische Institutionen.

Methoden und Techniken der Desinformationskampagnen

Die Methoden, die zur Desinformation in Wahlkämpfen eingesetzt werden, sind vielfältig und ausgeklügelt. 

Besonders verbreitet sind die folgenden Techniken:

Manipulierte Bilder und Videos:
Mit Techniken wie „Deepfakes” lassen sich Videos erstellen, die wie authentische Aufnahmen wirken, in Wirklichkeit jedoch manipuliert sind. 

So werden Kandidaten oder Politiker in Situationen gezeigt, die nie stattgefunden haben, oder Aussagen in den Mund gelegt, die sie nie getroffen haben. 

Diese täuschend echten Aufnahmen erschweren es den Wählern, Wahrheit von Fiktion zu unterscheiden.

Astroturfing:
Hierbei handelt es sich um vorgetäuschte Bewegungen, die durch gefälschte Social-Media-Profile oder bezahlte Kommentare auf sozialen Plattformen den Eindruck erwecken, als gäbe es eine breite Unterstützung oder Ablehnung einer politischen Meinung.

Astroturfing simuliert eine breite öffentliche Meinung, die es in dieser Form oft gar nicht gibt, und beeinflusst so das Meinungsklima im Wahlkampf.

Clickbait und Sensationalismus:
Sensationelle Überschriften und Clickbait-Techniken werden oft verwendet, um die Aufmerksamkeit der Nutzer zu gewinnen. 

Diese Überschriften sind häufig irreführend und zielen darauf ab, die Leser emotional zu beeinflussen, bevor sie überhaupt den eigentlichen Artikel gelesen haben. 

Die Strategie beruht auf dem Prinzip, dass Menschen oft nur Schlagzeilen überfliegen und so eine voreilige Meinung bilden.

Verzerrung durch Algorithmen:
Soziale Medien nutzen Algorithmen, die Inhalte bevorzugen, die viel Aufmerksamkeit erzeugen. 

Da Fake-News oft emotional aufgeladen sind, erreichen sie häufig eine größere Reichweite als sachliche Informationen. 

Dies führt dazu, dass Wähler verstärkt mit Falschinformationen konfrontiert werden, die gezielt auf ihre Vorurteile und Ängste abzielen.

Bots und Fake-Profile:
Bots sind automatisierte Accounts, die große Mengen an Desinformation verbreiten können. 

In Wahlkämpfen wird oft ein Netz solcher Bots genutzt, um die eigene politische Agenda zu stärken und Inhalte massenhaft zu verbreiten. 

Diese „künstlichen Unterstützer“ erschaffen den Anschein, als ob eine breite Masse an Menschen hinter einer bestimmten Meinung steht, und beeinflussen so das Meinungsklima.

Die Rolle der sozialen Medien

Soziale Medien sind zu einem entscheidenden Faktor in Wahlkämpfen geworden. 

Plattformen wie Facebook, X (Twitter), Instagram und TikTok bieten schnelle und breite Kommunikationswege, die sowohl Politiker als auch Wähler nutzen, um sich zu informieren und ihre Meinung auszudrücken. 

Gleichzeitig stellen sie jedoch eine immense Herausforderung dar, wenn es um die Kontrolle von Inhalten geht. 

Die Betreiber der Plattformen stehen vor der Aufgabe, Millionen von Posts zu moderieren und Falschinformationen zu kennzeichnen oder zu entfernen, doch oft mangelt es an ausreichender Kontrolle und schneller Reaktion.

Eine besonders problematische Rolle spielt dabei der Algorithmus.

Soziale Medien sind darauf programmiert, Inhalte basierend auf den Interessen und dem bisherigen Verhalten des Nutzers anzuzeigen. 

Dies führt oft dazu, dass Nutzer immer wieder ähnliche, meist bestätigende Informationen sehen und somit in eine „Filterblase“ geraten.
Diese Filterblasen verstärken die eigene Meinung und isolieren den Nutzer von alternativen Ansichten – eine perfekte Grundlage für Desinformationskampagnen, die darauf abzielen, polarisierende und einseitige Meinungen zu verstärken.

Politische Reaktionen und Maßnahmen gegen Desinformation

Angesichts der zunehmenden Bedrohung durch Fake-News und Desinformationskampagnen stellt sich die Frage, wie die Politik reagieren sollte, um demokratische Prozesse zu schützen. 

Einige Länder haben bereits Maßnahmen ergriffen, um Desinformation in Wahlkämpfen entgegenzuwirken:

Regulierung der sozialen Medien:
Eine verstärkte staatliche Kontrolle von Social-Media-Plattformen wird oft als Lösung diskutiert. 

Einige Länder fordern von Plattformbetreibern, dass sie Desinformation gezielt bekämpfen und gegen Fake-News vorgehen. 

Dazu gehört das Kennzeichnen von falschen Informationen und das Sperren von wiederholt auffälligen Accounts. 

Diese Maßnahmen stoßen jedoch oft auf den Widerstand der Plattformbetreiber, die ihre Unabhängigkeit betonen und sich gegen staatliche Eingriffe wehren.

Medienkompetenz und Aufklärung:
Eine langfristige Maßnahme gegen Desinformation ist die Förderung von Medienkompetenz in der Bevölkerung. 

Wähler sollten in der Lage sein, Informationen kritisch zu hinterfragen und Fake-News zu erkennen. 

Hierbei könnte die Politik Programme zur Aufklärung und Bildung finanzieren, die den bewussten Umgang mit Informationen im Netz fördern. 

Besonders junge Menschen könnten so in der Schule oder durch öffentlich geförderte Programme lernen, wie sie Informationen in sozialen Medien besser einschätzen und sich vor Manipulation schützen.

Strengere Gesetze gegen Wahlkampfmanipulation:
Einige Länder haben bereits Gesetze erlassen, die gezielte Desinformationskampagnen als Straftat ahnden. 

Der politische Druck auf Plattformbetreiber, Manipulationen zu verhindern, wächst, und es gibt Bestrebungen, die Verbreitung von Desinformation während Wahlkämpfen unter Strafe zu stellen. 

In der EU wurde z. B. der „Aktionsplan gegen Desinformation“ ins Leben gerufen, der Plattformen zur Transparenz verpflichtet und die Zusammenarbeit mit Faktencheckern fördert.

Zusammenarbeit mit unabhängigen Faktencheckern:
Ein weiterer Ansatz ist die Kooperation mit unabhängigen Faktenchecker-Organisationen, die Desinformation aufdecken und richtigstellen. 

Diese Organisationen könnten enger in politische und gesellschaftliche Prozesse eingebunden werden, um Fake-News schnellstmöglich zu entlarven. 

Ein systematisches Netzwerk von Faktencheckern könnte eine wertvolle Hilfe sein, um Fake News zu bekämpfen.

Künstliche Intelligenz gegen Fake-News:
Auch der Einsatz von KI, die Desinformation aufspüren und analysieren kann, wird zunehmend diskutiert.

Solche Technologien könnten verdächtige Inhalte automatisch kennzeichnen und damit ein Mittel sein, die Verbreitung von Fake-News einzudämmen. 

Allerdings steht die Entwicklung solcher KI-Lösungen noch am Anfang, und der Datenschutz stellt eine zusätzliche Herausforderung dar.

Die Zukunft der Demokratie in Zeiten der Desinformation

Desinformation in Wahlkämpfen stellt eine ernsthafte Bedrohung für demokratische Prozesse dar. 

Fake-News und gezielte Manipulationen untergraben das Vertrauen der Wähler in die Integrität von Wahlen und destabilisieren das demokratische Fundament.
Die Politik ist gefordert, auf diese Entwicklung zu reagieren und die Rahmenbedingungen für faire Wahlen und eine wahrheitsgemäße Information der Wähler zu schaffen.

Der Kampf gegen Desinformation erfordert ein Zusammenspiel aus technologischen, regulatorischen und bildungspolitischen Maßnahmen. 

Die Aufgabe der Politik und der Gesellschaft ist es, eine Kultur des kritischen Denkens zu fördern, in der Wähler Desinformation erkennen und ihre Entscheidungen auf einer soliden Informationsbasis treffen können. 

Nur so kann die Demokratie auch in einer digitalisierten Welt bestehen bleiben und sich gegen die Manipulation durch Fake News wehren.

Die Esoterik ist ein vielschichtiges und umstrittenes Phänomen, das sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend in der modernen Gesellschaft verbreitet hat. 

Obwohl sie oft religiöse Elemente wie Engel, Jesus oder Gott einbezieht, ist sie kein Glaube im Sinne einer etablierten Religion.
Stattdessen handelt es sich um ein Sammelsurium verschiedener Glaubensformen und Praktiken, die sich durch eine hohe Anpassungsfähigkeit und Individualität auszeichnen. 

Diese Flexibilität mag auf den ersten Blick attraktiv erscheinen, doch bei näherer Betrachtung offenbart sich eine problematische Dimension.

Ein zentrales Merkmal der Esoterik ist ihre Bequemlichkeit. 

Sie bietet den Menschen die Möglichkeit, sich aus einem breiten Spektrum an Überzeugungen und Praktiken genau das herauszusuchen, was am besten zu ihren persönlichen Bedürfnissen und Vorlieben passt. 

Diese Art des „Rosinenpickens“ ermöglicht es, sich eine individuelle Spiritualität zusammenzustellen, ohne sich den oft strengen und fordernden Regeln traditioneller Religionen unterwerfen zu müssen, doch genau diese Bequemlichkeit birgt die Gefahr der Selbsttäuschung. 

Indem man sich nur das aussucht, was einem gefällt und bequem erscheint, vermeidet man die Auseinandersetzung mit unangenehmen oder herausfordernden Aspekten des Glaubens.

Ein weiteres Problem der Esoterik ist ihr pseudowissenschaftlicher Anspruch. 

Viele esoterische Lehren und Praktiken geben vor, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen zu beruhen, doch bei genauerer Prüfung entpuppt sich dies als bewusste Täuschung. 

Begriffe und Konzepte aus der Wissenschaft werden oberflächlich und gewollt falsch verwendet, um den Anschein von Seriosität zu erwecken. 

Dies führt zu einer Verwässerung und Verzerrung wissenschaftlicher Erkenntnisse und trägt zur Verbreitung von Halbwissen und falschen Vorstellungen bei.

Darüber hinaus fördert die Esoterik eine egozentrische Haltung. 

Im Mittelpunkt steht nicht das Wohl der Gemeinschaft oder die Einhaltung ethischer Prinzipien, sondern das individuelle Streben nach Glück, Erfolg und Selbstverwirklichung. 

Diese Haltung des „Spirituellen Egoismus“ steht im Widerspruch zu den Grundwerten vieler traditioneller Religionen, die Gemeinschaft, Nächstenliebe und Selbstlosigkeit betonen.

Ein weiteres gravierendes Problem der Esoterik ist ihre Tendenz zur Selbsttäuschung. 

Indem sie den Menschen die Möglichkeit bietet, sich ihre eigene Realität zu schaffen, fördert sie eine Flucht aus der realen Welt in eine Scheinwelt. 

Diese Flucht kann dazu führen, dass Menschen die Fähigkeit verlieren, sich mit den realen Herausforderungen des Lebens auseinanderzusetzen und Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Esoterik trotz ihrer Popularität und Attraktivität eine Reihe von gravierenden Problemen aufweist. 

Ihre Bequemlichkeit, ihr pseudowissenschaftlicher Anspruch, ihre egozentrische Haltung und ihre Tendenz zur Selbsttäuschung machen sie zu einem fragwürdigen Phänomen. 

Es ist wichtig, sich dieser Probleme bewusst zu sein und eine kritische Haltung gegenüber esoterischen Lehren und Praktiken einzunehmen. 

Nur so kann man sich vor den Gefahren der Selbsttäuschung und der Flucht aus der Realität schützen.

Heute war einer dieser Tage, an denen man sich fragt, ob Technik vielleicht doch so etwas wie Humor hat – einen sehr schrägen jedenfalls.

Ich wollte einfach nur drucken. 

Kein Großprojekt, keine Wissenschaft, nur ein schnöder Ausdruck. 

Doch der Drucker tat: nichts. 

Kein Rattern, kein Schnaufen, kein Papiergezerre. 

Gar nichts.

Also begann ich mit dem üblichen Technik-Voodoo: 

Druckauftrag abbrechen.

Neu starten.

Drucker ausschalten, wieder einschalten. 

Laptop herunterfahren, hochfahren. 

Nichts.

Dann der Griff in die Trickkiste: Ich installierte den Druckertreiber neu – in der Hoffnung, dass das System wieder zur Vernunft kommt.

Doch der Drucker schwieg weiter.

Fast drei Stunden ging das so. 

Ich hatte mich durch Foren gewühlt, an Kabeln gezerrt (symbolisch – es ist ja ein WLAN-Drucker), und war schon kurz davor, dem Gerät eine letzte Verwarnung auszusprechen.

Dann – rein zufällig – schaute ich mir die Netzwerkeinstellungen meines Laptops an. 

Und da traf mich die Erkenntnis wie ein Blitz aus heiterem WLAN:

Ich war gar nicht im heimischen Netzwerk eingeloggt.

Stattdessen hing mein Laptop an einem Hotspot – meinem Smartphone.

Und dieser Hotspot war eigentlich nur dafür gedacht, dass einer unserer eBook-Reader ab und zu Updates ziehen kann. 

Und ausgerechnet dieses Mini-Netzwerk hatte sich mein Laptop heute als sein digitales Zuhause ausgesucht. 

Heimlich.

Ganz von allein.

Das erklärte natürlich alles: 

Mein Drucker, der im heimischen WLAN lebt, konnte meinen Laptop gar nicht sehen. 

Die beiden waren in völlig unterschiedlichen Netzwerken unterwegs – wie zwei Bekannte, die sich im selben Haus befinden, aber in verschiedenen Stockwerken, ohne Verbindungstreppe.

Kaum hatte ich den Laptop wieder ins Heimnetz gebracht, wurde der Druckauftrag plötzlich zum Leben erweckt. 

Das Gerät surrte los, als wäre nie etwas gewesen.

Was bleibt?

Ein Gefühl zwischen Erleichterung und leiser technischer Demut. 

Und die Erkenntnis: 

Manchmal liegt das Problem nicht im Drucker, nicht im Treiber, nicht im Universum – sondern einfach nur in einem falschen WLAN.

Die Schule – jener wunderbare Ort, an dem wir stundenlang Matheaufgaben über Verpackungen lösten: 

Wie berechnet man die Materialmenge so, dass eine Verpackung möglichst effizient ist? 

Effizient, sagten sie, weil das eine Fähigkeit sei, die wir später ganz dringend im Leben brauchen würden. 

Schließlich will ja niemand unnötig Ressourcen verschwenden, oder?

Fast schon ironisch, dass uns genau dieses Wissen heute überhaupt nicht hilft, wenn wir riesige Kartons voller Luft auspacken. 

Denn so läuft das im echten Leben: 

Ein Postpaket kommt an, voluminös, beeindruckend – und in der Mitte dieses mächtigen Kartons, nach Bergen von Schaumstoff-Chips, entdecken wir unser kleines Objekt der Begierde. 

Ein USB-Stick, ein Kopfhörer, vielleicht eine Packung Batterien. 

Das „Verpackungsmaterial effizient nutzen“ scheint in der Realität eher zu bedeuten: 

Maximale Kartongröße, minimaler Inhalt.

Aber gut, das waren wohl die unschätzbaren Lektionen unserer Schulzeit, mit denen wir auf den Alltag vorbereitet wurden. 

Minimale Materialverschwendung?

Effizienz?

Pah!

Das waren nur idealistische Träumereien, die man in den Mathematikraum eingeschlossen hat, um sie nie wieder herauszulassen. 

Stattdessen stehen wir heute staunend vor Paketen, die uns mit ihrer Leere förmlich ins Gesicht lachen. 

Die edlen Berechnungen von früher? 

In der Praxis ersetzt durch endlose Mengen dieser wunderbaren, weißen oder gelben Schaumstoff-Chips. 

Luft mit Flair, quasi.

So viel zur Schulweisheit, dass wir „Verpackungsberechnungen“ später noch brauchen würden. 

Tatsächlich haben wir gelernt, dass Verpackungen im Alltag eigentlich nur drei Aufgaben haben: 

  1. beeindruckend groß sein, 
  2. möglichst wenig enthalten, und 
  3. den Empfänger nach dem Öffnen verwirrt zurücklassen. 

Effiziente Raumnutzung?

Vielleicht im Mathebuch, aber doch nicht im echten Leben! 

Nein, dort gelten andere Gesetze: 

Hauptsache, der Kunde kriegt einen großen Karton – und die Erkenntnis, dass man eben nicht alles glauben darf, was einem in der Schule beigebracht wird.


Die Katholische Kirche hat ein neues Oberhaupt – Papst Leo XIV. alias Robert Francis Prevost.

Laut „Insiderwissen“ war Pietro Parolin, Kardinalstaatssekretär, also der ranghöchste Diplomat des Vatikans, der Favorit auf den Heiligen Stuhl.

Nach der vierten geheimen Wahl wurde Robert Francis Prevost allerdings neuer Papst.

Das Konklave, die Wahl des neuen Papstes, findet traditionell in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan statt.

Seit 1878 versammeln sich dort die wahlberechtigten Kardinäle, um unter strenger Geheimhaltung den neuen Papst zu bestimmen.
Während des Wahlprozesses sind sie von der Außenwelt abgeschottet – kein Kontakt zu Medien, keine Kommunikation nach außen.

Vorher müssen die Kardinäle einen Eid schwören, dass sie nichts nach außen dringen lassen. 

Falls jemand dies täte, kann er exkommuniziert werden.

Die Wahl folgt festen Regeln: 

Nach einer Messe im Petersdom ziehen sich die Kardinäle in die Kapelle zurück, wo sie bis zur Wahl eines neuen Papstes bleiben.
Die Abstimmungen erfolgen geheim, und erst wenn eine Zweidrittelmehrheit erreicht ist, wird der neue Papst verkündet – begleitet vom berühmten weißen Rauch, der aus der Kapelle aufsteigt.

Ein Mitarbeiter des Herder-Verlags will nun gehört haben, von einem „Insider“, also einem wahlberechtigten Kardinal, dass Pietro Parolin der nächste Papst wohl werden sollte.

Schon vor dem Einmarsch in die Sixtinische Kapelle hätte er „die Hälfte der erforderlichen Stimmen“ gehabt.

Der Herder-Verlag ist einer der führenden Verlage für Theologie und Religion.
Er veröffentlicht zahlreiche theologische Fachbücher und Zeitschriften, darunter Werke von bekannten Theologen und sogar Päpsten. 

Es galt also als „gesichert“ – so nennt man es heute, wenn etwas angeblich unumstößlich ist – dass Kardinal Parolin der nächste, also der 267-te, Papst sein sollte.

Der Papst gilt als gewählt, wenn er mindestens eine Zweidrittelmehrheit erreicht hat.

Wenn Parolin schon, wie von dem Mitarbeiter des Herder-Verlags genannt, „die Hälfte der erforderlichen Stimmen“ gehabt hätte, hieße dies, er hätte knapp 33 Prozent der Stimme auf sich vereinigen können.
Zudem solle Prevost bei der ersten Wahl auf dem letzten Platz gelegen haben.

Lieber Mitarbeiter des Herder-Verlags, kann es sein, dass Ihnen die Fantasie durchgegangen ist?

Wie wollen Sie dies alles gewusst haben?

Klar, Sie dürfen nichts preisgeben – Quellenschutz!

Zudem würde ja ihre Quelle exkommuniziert und das wollen Sie nicht.

Die einige undichte Stelle hat sich Ihnen offenbart, niemandem anders.

Kann es sein, dass Sie einfach irgendetwas verbreitet haben?

Fakten, bitte!

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