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Wir sind gegen Covid-19 (Corona) geimpft worden. Die zweite Dosis bekommen wir Mitte Februar.
Wir hatten keine Nebenwirkungen und können uns auch sonst nicht beklagen.

Auf der Hand liegen die vielen Vorteile.

Als wir nach der Impfung nach Hause fuhren, stellten wir fest, dass wir uns im Handy-Fach der Mittelkonsole induktiv aufladen konnten. Wir hatten früh morgens gefrühstückt und hatten Hunger. Nach ein paar Minuten waren wir wieder satt und spürten, wie viel Energie in uns pulsierte.

Wir werden nicht ganz auf die normale Ernährung verzichten, denn Schokolade schmeckt immer gut.

Der Vorteil ist aber, dass man sich „hochpowern“ kann, wenn es mal sein muss. Steckdosen und Kabel gibt es ja überall.
Wenn andere in der Kantine in der Schlange stehen, benutzen wir die Steckdosen.

Wo andere ihre Elektro-Autos aufladen, müssen wir nur die Hand auflegen.

Der andere Vorteil ist, dass wir mit der neuesten Variante von „Windows CE (Corona Edition)“ gechipt sind und Updates eingespielt werden können, während man vor dem Laptop sitzt.

Bevor wir geimpft wurden, hatten wir uns gewundert, warum die IT-Abteilung direkt neben der Impfstation ist. Vorher wurde getestet, welche Systemvoraussetzungen wir haben. Wir sind kompatibel mit der aktuellen Version von „Windows CE“. Wir können alle modernen Features nutzen wie Bluetooth. Es sieht etwas lustig aus, wenn bei uns der rechte Schneidezahn blau leuchtet, aber das kann man ignorieren. Die anderen werden sich wohl oder übel daran gewöhnen müssen. Man sieht es ja nicht immer, weil wir auch einen Mundschutz tragen.

Die elektronische Patientenakte ist bei uns schon wieder überholt, denn wir legen unsere Hand auf einen Scanner beim Hausarzt und er weiß direkt was uns fehlt und kennt jeden Vitalwert, wie Blutdruck, Sauerstoffsättigung und dergleichen mehr. EKG muss nur heruntergeladen werden und schon ist der Graph da. Wir können ja auch alle möglichen Drucker ansteuern.

Im medizinischen Bereich hat man in der Notaufnahme und der Fieberambulanz auch immense Vorteile.
Man kann sofort sagen, ob es sich um einen Simulanten handelt oder nicht.
Der Chip lässt auch zu, dass man Menschen scannen kann.

Im IT-Bereich und beim Journalismus ist es hilfreich, wenn man Texte verfassen muss. Diese kann man sich ausdenken und direkt auf dem Computer oder im Internet speichern.
Auch der Vorteil, E-Mail neuronal zu verfassen und zu verschicken, spart Zeit.

Da Microsoft ja auch mit Google zusammenarbeitet, haben geimpfte Personen nochmals einen Synergieeffekt.
Auf dem Chip laufen auch Android-App ohne Einschränkungen.
Wenn man etwas wissen will, kann man nicht nur bei Google und Bing etwas „in Gedanken“ suchen, sondern auch die Facebook-App und viele anderen mehr stellen sicher, dass man das Handy nicht braucht, wenn vieles „intern“ läuft „unter der Haut“.
Man muss nicht immer aufs Handy schauen, wenn eine WhatsApp-Nachricht hereinkommt, denn diese sind einfach da und man weiß, was drin steht.

Wir können uns auch unterhalten, ohne den Mund zubewegen über Android-Beam, NFC oder Bluetooth.
Datenschutz muss schließlich sein.

Aluhut-Träger sind uns immer noch ein Geheimnis, da sie ja abgeschirmt sind, doch Microsoft verspricht, dass ein bald erscheinendes Update auch diese Hürde nehmen kann.

Jens Spahn hat sich erfreulich dazu geäußert, dass das Pharmaunternehmen AstraZenenca bei der Europäischen Gesundheitsbehörde beantragt hatte, ihren Impfstoff gegen Corona (Covid-19) zuzulassen.

Anscheinend immer noch angeschlagen von dem Beschaffungsdebakel bezüglich BioNTech/Pfizer äußert er sich im meinungslosen Politiker-Slang darüber, dass AstraZeneca gar nicht soviel liefern könne, wie bestellt wurde. Das ist interessant, denn der Impfstoff ist noch nicht zugelassen, aber die Beschaffung ist in die Knie gegangen.

Hat sich Jens Spahn möglicherweise bei Karl Lauterbach mit dem Schwartmal-Sydrom angesteckt?
Einen seltsamen Lichtblick kommuniziert er allerdings.

Ich erwarte die Zulassung des Impfstoffes von AstraZeneca in einer Woche. Ich hoffe, dass dann auch im Februar Lieferungen geben wird von AstraZeneca und zwar in einer Größenordnung, da bin ich weiterhin zuversichtlich, die schon im Februar einen Unterschied machen wird im Vergleich zu, wenn wir AstraZeneca nicht hätten

Man lasse sich dies auf der Zunge zergehen!

Frei nach dem Statement von Jens Spahn zu Impfstoff von AstraZeneca kann man auch folgendes schlussfolgern:

„Wenn ich Bonbons kaufe, habe ich mehr (in einer Größenordnung), als wenn ich keine hätte.“

Der Mann lachte herzlich, als er sagte: „In der Schule habe ich Chemie nicht verstanden und hatte eine Fünf.“ Dabei grinst er noch und findet sein Statement ganz toll.

Es ist ein Phänomen – vor allem bei sogenannten „Promis“ – immer wieder darauf hinzuweisen, dass sie schlechte Schüler waren.
Für sie ist es nicht schlimm, dass sie Mathematik, Chemie, Biologie und Physik nie verstanden haben und möglicherweise auch versetzungsgefährdet waren.

Alles nicht schlimm!

Es scheint ja eine Auszeichnung zu sein, dass man Mathematik und Naturwissenschaften in der Schule – und folglich im späteren Leben – nie verstanden hat.

„Ach, das ist ja interessant, dass Sie Journalismus studiert haben“, hört man lobend. Wenn man jedoch erzählt, dass man auch noch ein Informatik-Studium absolvierte, wird es kurios. Dann ist es gar nicht mehr interessant, was man sagt.
„Hören Sie bloß auf! Am Computer tue ich mich schwer. Da müssen mir meine Kinder helfen.“ Danach kommt wieder ein gestelltes Lachen.
Dann erzählt man, dass man in der Schule …

Dieses Kokettieren mit den schlechten Noten ist bei Frauen und Männern übrigens gleich.

Dies ist kein Einzelfall.

Sowas hört man auch nicht nur im privaten Kreis, auch im Fernsehen, bei Interviews oder Quizzen erzählt jemand sowas, um sich zu rechtfertigen, dass diese Frage nicht zu lösen ist, weil in der Schule …

Im Klartext heißt das : „Ich war ein dummer Schüler.“.

Anscheinend ist das aber nicht schlimm, denn man hat es ja zu etwas gebracht.

Irgendwie!

Seit dem 23.3.2020 gibt es Ausgangs‑ und Kontaktbeschränkungen, um die Corona-Pandemie einzudämmen.
Etwa sieben Wochen später gibt es langsam Lockerungen, allerdings mit Beschränkungen.

Was hat sich eigentlich in den Köpfen der Menschen getan?

Ich höre seit Wochen nur das Klagen vieler, die sich Sorgen um ihre Existenz machen. Sie fordern vom Staat Hilfen, um nicht pleite zu gehen und um sich über Wasser halten zu können.
Nach den ersten Lockerungen durften Geschäfte wieder (beschränkt) öffnen, Friseure dürfen wieder an die Haare und vieles mehr.

Durch den sogenannten “Lockdown” sind die Zahlen der täglich Neuinfizierten sehr geschrumpft, was erst möglich gemacht hat, dass jetzt wieder langsam und kontrolliert mit starken Hygiene‑ und Verhaltensregeln in die normale Bahn zurückgekehrt werden kann.

Jeder fordert nun, dass am besten alles so sein solle, wie vor dem Ausbruch der Seuche.

Hat niemand darüber nachgedacht, ob es sinnvoll wäre einfach so weiterzumachen?

Ich habe bei dieser Frage nicht im Hinterkopf, dass durch die Aufhebung der Beschränkung eine neue Welle von Neuinfizierten über uns kommen könnte, sondern ich meine, ob es ratsam ist, weiter nur ein Hamster im großen Laufräderwerk eines Systems mit der Devise “Immer mehr, immer schneller, immer größer” sein.

Während und in der stillen und nicht so stressigen Zeit der Corona-Krise habe ich viel nachgedacht und denke viel nach.

Das “Immer mehr, immer schneller, immer größer” hat uns nichts gebracht.
Es hat uns aber gerade zur Corona-Krise gezeigt, wie zerbrechlich doch alles ein kann, wie sensibel alles reagiert, wenn plötzlich etwas Unvorhersehbares passiert.
Unser ach so gelobtes Wirtschaftssystem mit den riesigen Renditen, dem hohen Mehrwert (für alle) streckt nach knapp zwei Monaten die Flügel und vegetiert vor sich hin. Die Agonie im Nacken schreit es nach Hilfe, obwohl es nie denen geholfen hat, die es verletzt oder gebrochen hatte. Es krächzt nach Boni, nach Geld, obwohl es geizig ist und sich nie um andere gekümmert hat.
Der abgestürzte leidende Vogel kommt angeblich nicht mehr von alleine hoch, wenn der Staat nichts tut.
Konzerne streichen immer höhere Gewinne, aber entlassen aus Kostengründen die Menschen, die dafür gesorgt haben, dass diese Gewinne erst möglich waren.

Dämmert es niemanden?

Als gerade der sogenannte Lockdown beschlossen und kommuniziert wird, melden Unternehmen Kurzarbeitergeld, weil sie wussten und wissen, dass ihre “Wirtschaftspolitik” nur von kurzer Dauer war.
Und, weil sie ihre Gewinne mit niemandem teilen wollen. Sie sind nicht bereit, etwas abzugeben.

Wenn wir so weitermachen, werden finanzielle Lohneinbußen auch bei Vollbeschäftigung kommen, weil die Konzerne ja “leben” müssen. Dazu kommen viele Arbeitslose, weil die Konzerne nicht mehr soviel beschäftigen können. Die übriggebliebenen müssen dann eben mehr und schneller produzieren.
Alles im Sinne der Unternehmen und deren Gewinne!

Jetzt ist es Zeit zu verändern.

Durch die Beschränkungen hat es Deutschland geschafft, die Neuinfektionen mit dem Corona-Virus tief herunterzudrücken, von über 6000 Neuinfektionen pro Tag vor dem sogenannten „Lockdown“ bis aktuell unter eintausend.

Manche Stimmen, wie zum Beispiel auch die Teilnehmer der gestrigen Anti-Corona-Maßnahmen-Kundgebung schließen daraus, dass alles gar nicht so schlimm gewesen sei.
Sie verkennen dabei, dass erst durch die Maßnahmen die zahlen gedrückt werden konnten.

Vor dem „Lockdown“ gab es in Deutschland knapp 30 000 Infizierte und pro Tag steckten sich etwa 4 000 an. Dies erreichte am Anfang des „Lockdowns“ 6 200. Dann fiel es langsam aber stetig.
Die Maßnahmen wie Kontakt‑ und Ausgangsbeschränkungen waren erfolgreich.

Was die Verharmlosen verkennen, ist das sogenannte „Ausbreitungsparadoxon“.

Wissenschaftler und Mediziner analysieren (Neu‑)Infektionszahlen.
Daraus erstellen sie eine Prognose.
Sie entwickeln Thesen, wie man die Infektionszahlen drücken kann.
Die Maßnahmen werden durchgesetzt.

Das sind die ersten Stufen.

Durch die eingeleiteten Maßnahmen (Ausgangsbeschränkungen, Hygieneregeln et cetera) verringert sich die Zahl der Neuinfektionen.
Die Maßnahmen sind beziehungsweise waren erfolgreich.

Wären die Maßnahmen nicht unternommen worden, hätte sich die Infektion noch mehr ausgebreitet.
Durch das Handeln im Vorhinein oder zu einem frühen Zeitpunkt konnte der schlimmere Fall, den man befürchtet hatte, gemildert werden.

Bei dieser Handlungsweise kommt es zu einem Paradoxon, oder zumindest kann man es so bezeichnen.

Es ist nicht nur die Langeweile wegen der Ausgangsbeschränkungen bezüglich der Corona-Krise, die frustiert und nachdenklich werden lässt. Es sind auch die immer noch desolaten diesbezüglichen Informationen.

In den letzten drei Tagen sind die Zahlen der Neuerkrankungen dramatisch und drastisch angestiegen: ca. 4200, 5500 und 6300 im Vergleich zu den Vortagen.

Auch wenn ich Vorlesungen über Statistik besucht und in den Klausuren gut abgeschnitten habe, überrascht es mich, wie mit Zahlen umgegangen und jongliert wird.

Beim Robert-Koch-Institut (RKI) gibt es morgens eine Aktualisierung der Anzahl der Erkrankten.
Irgendwann kam eine Kurve in Orange zu der blauen hinzu.
Wenn zum Beispiel am 15.3. einer Person mit Verdacht ein Abstrich aus dem Rachenbereich genommen wird und dieser am 20.3. zurückkommt, wird dieser Test, falls er positiv ist, nachträglich dem 15.3. hinzugefügt. Dieser ist dann in Orange gekennzeichnet.

Dies wird seit ein paar Tagen so gehandhabt.

Die täglichen Aktualisierung verwenden bei den aktuellen Zahlen nun Orange, einen Tag später werden diese blau.
Wenn die vom Vortag nun blau geworden sind und vom Vortag schon positive Ergebnisse vorliegen, erscheinen diese über dem Blau in Orange.

Nun wird es kurios, denn die Idee, alle Infizierten zu erfassen nach Labor‑ beziehungsweise Abstrichdatum einzusortieren, führt sich hier ad absurdum.

Daten werden nämlich im Nachhinein geändert, was in Grenzfällen die Neuerkrankungen von einem Tag in Bezug auf einen anderen von der Aussagekraft völlig verändern kann.
Die absolute Anzahl aller Erkrankten, die zu einem bestimmten Zeitpunkt veröffentlicht wurden – zum Beispiel „Fälle in Deutschland“ –, ändert sich dadurch nicht. Ob den Verdachtsfällen nun am Vortag, vor zwei, drei oder mehr Tagen ein Abstrich genommen wurde, spielt bei dieser Zahl keine Rolle.

Die Zahl der Erkrankten an einem Tag in der Vergangenheit ändert sich allerdings.
Dies kann im Nachhinein betrachtet zu Verzerrungen kommen, da sich auch die Steigung der Kurve ändern kann.

Exemplarisch möchte ich meine persönliche Tabelle erklären. Diese ist oben als Erstes in diesem Artikel zu sehen.

Die Tabelle erfasst die absoluten Zahlen von einem bestimmten Tag (Datum).
In der Spalte daneben wird die Zahl der Neuerkrankten berechnet.
Die Grafik zeigt die Anzahl der Neuerkrankten an und verbindet die Punkte.
Wenn die Kurve abflacht – Die Steigung ändert sich also – , bedeutet dies, dass die Zahl der Neuerkrankten abgenommen hat.

Im Mathematikstudium werden nur Statistiken erstellt, betrachtet und ausgewertet.
Im Journalismusstudium wurde besonderen Wert darauf gelegt, dass Texte und Tabelle (Statistiken eingeschlossen) für jedermann verständlich sein müssen.
Bei den Statistiken vom RKI sehe ich dies nicht.

Manchmal ist es einfach besser, „abzutauchen“ und Gassi zu gehen oder sich Filme oder Serien anzuschauen, um sich nicht mit dem Kram beschäftigen und ärgern zu müssen.

Das Wirtschaftssystem, das permanent als unverwundbar gelobt wurde, hat nach ein paar Tagen des Herumkränkelns schon die Flügel gestreckt. Anhand von Meldungen aus allen Bereichen der Wirtschaft kann man sehen, wie anfällig das hochgelobte System in Wirklichkeit ist.

Man kann nicht darüber hinwegsehen, dass viele Unternehmen momentan die Produktion schließen und ihre Kapazitäten herunterfahren.
Es kommt kaum Geld herein.
Großunternehmen haben sich in ihren als Feiertagen zelebrierten Jahresabschlüssen Lobeshymnen gesungen, wie toll sie Gewinne eingefahren haben und dass sie für die Zukunft gerüstet seien.

Und jetzt kommt ein Virus daher und die Wirtschaft, die „bestens“ für die Zukunft gerüstet ist und Krisen – Digitalisierung, E-Autos et cetera – übersteht, liegt am Boden.

Einfach so, wo gerade mal erst alles gedrosselt wurde!

Die Corona-Krise zeigt, wie angreifbar doch alles ist.

Sie offenbart aber auch den puren Egoismus.

Das System „Investmentbanking“ zeigte sein menschenverachtendes Gesicht, als Profitsüchtige Geld auf den Niedergang des Systems setzten, um dadurch gewaltig hohe Profite einzustreichen.

Der Coronavirus verschont niemanden, nur weil er ein Geldpolster hat.

Der Glaube, Geld und Gold machten unverwundbar, ist am Boden zerstört.

Bildung Tafel leer Schwamm

Gestern wurden die Ergebnisse der aktuellen PISA-Studie vorgestellt.
Deutschland ist abgesackt.
Bundesbildungsministerin Karliczek war enttäuscht und sagte, dass Mittelmaß nicht der Anspruch der Bildung im internationalen Vergleich sein dürfe. Genauso äußerte sich der Geschäftsführer des Deutschen Industrie‑ und Handelskammertags, Dercks, und forderte bessere Bildungsmethodiken und ein Umdenken in der Bildungspolitik.
Ilka Hoffmann von der Gewerkschaft Erziehung und Bildung meinte, dass sich seit dem PISA-Schock vor zwanzig Jahren nichts zum Positiven an den Schulen Deutschlands getan habe.

Es ist nicht überraschend, dass Deutschland wieder einmal schlecht abgeschnitten hat. Die Schulpolitik zeichnet sich im negativen Sinne dadurch aus, dass Bildungsexperimente an Schülern vorgenommen werden, die aber nicht rückgängig gemacht werden, obwohl sie nichts bringen oder die Bildungslage noch verschlechtern. Es wird lieber „reformiert“ und „reformiert“, wie es immer so schön heißt, doch es ist eine Degeneration und Verschlechterung auf Kosten der nachwachsenden Generation.

Es hat sich nichts getan, um der immer weitergehenden Verblödung der Schüler entgegenzuwirken. Alle drei Jahre gibt es einen Aufschrei der Empörung, der nach ein paar Tagen nachlässt, nachdem man sich Scheinargumente hat einfallen lassen, warum Deutschland gerade dieses Mal wieder dumm dasteht.
Jedes Mal, wie auch dieses Mal, kommt wieder der einzig wahre Vorschlag, man bräuchte „einen Schulterschluss von Bund, Ländern und Kommunen, um länderübergreifende Anstrengungen für mehr Chancengleichheit zu stemmen“.

Chancengleichheit!

Nicht Bildung!

Gleichsam hören und sehen wir wieder in den Medien „Bildungsforscher“, die uns sagen, wie man der voranschreitenden Verblödung entgegenwirken kann. Durch Chancengleichheit!
Jeder soll das Gleiche erreichen können, doch nicht durch vielschichtige Bildungsangebote, sondern Gleichmacherei wie in Gesamt‑ oder Gemeinschaftsschulen. Sonder‑ bzw. Förderschulen werden abgeschafft. Sonder‑ und Förderschüler werden „inkludiert“.
Können sie mithalten? Von sich aus nicht!
So muss das Niveau heruntergezogen werden, damit diese auch den Lehrstoff mitkommen, also das Klassenziel für oder mit allen erreicht werden kann.
Schüler langweiligen sich, weil der Unterrichtsstoff zum x-ten Mal für den oder die Schwachen durchgekaut wird. Jeder muss das gleiche Wissen haben. Auf Kosten der Guten!

Nun müssen Argumente gegen das schlechte Abschneiden her!

Immer gut ist es, zu behaupten, die PISA-Studie sei nicht repräsentativ.
Als „Argumentation“ zieht man heran, dass andere Länder die Durchführungsrichtlinien nicht so ernst nähmen wie Deutschland.
So argumentiert auch Bildungsforscher Heiner Barz, indem er sagt, dass in anderen Ländern schwache Schüler angehalten würden, am Tag der PISA-Prüfungen zu Hause zu bleiben. Dies sei aber aufgrund der Schulpflicht in Deutschland nicht möglich.
Auch der repräsentative Durchschnitt aller Schüler über Gymnasien, Realschulen, Hauptschulen, Sonderschulen und dergleichen mehr werde in anderen Ländern nicht berücksichtigt.
Seine Schlussfolgerung lautet, dass das schlechte Abschneiden Deutschlands nichts über das Bildungs‑ bzw. Schulsystem aussage.
Er zweifelt auch die Messmethoden an, wie bewertet wird.
Dass es bei der Auswertung der Prüfungen nur zwei Bewertungen –”richtig“ oder „falsch“ gelöst – gibt, ist hinlänglich bekannt.
Barz macht darauf aufmerksam, dass es auch noch eine Stufung „Aufgabe nicht gelöst“ gäbe. Das ist korrekt, aber zu behaupten, dass andere Länder dies dazu missbräuchten, ihre Statistiken nach oben zu manipulieren, gehört eher in Fantasiewelten als in die Realität. Zu behaupten, dass manche Länder nicht gelöste Aufgaben als „richtig“ und andere diese als „falsch“ eintragen würden, ist an den Haaren herbeigezogen. Es gibt klare Bewertungsrichtlinien, dass eine Aufgabe, die nicht gelöst wurde, als „falsch“ bewertet und auch so in die Statistik eingetragen wird.
In der Schule ist dies übrigens genauso.
Wenn man solche Ammenmärchen verbreitet, sollte man noch einen Schritt weitergehen und sagen, dass „Platz 1“ grundsätzlich nur „richtig“ eingetragen hätte, um sich diesen Platz zu erschleichen.
Das Schwadronieren darüber, dass mit dem Eintreten der Türkei in die PISA-Studien eine Verschiebung der Gauß’schen Glocke bei der Bewertung zum Negativen bei gut bewerteten Ländern geführt habe – und insbesondere bei Deutschland – ist ein Betreten von ganz dünnem Eis.

Seit Jahren tritt Deutschland auf der Stelle. Anstatt über solche „tollen Dinge“ zu philosophieren, dass deutsche Schüler bei „Multiple-Choice“ benachteiligt seien, ist es ratsamer, das Niveau anzuheben, als immer weiter abzusenken.
„Multiple Choice“ – Mehrere Auswahlen – bedeutet, dass man eine richtige Lösung von verschiedenen ankreuzen muss oder dass mehrere Löugnen richtig sein könnten oder alle.
Zu sagen, dass die deutschen Schüler zu dumm dazu seien, grenzt an bodenloser Arroganz.
Die nächste PISA-Studie kommt bestimmt.

Für deutsche Bildungsforscher, Lehrer und Politiker ist es einfacher darüber zu palavern, dass Bereiche wie Politik, Wirtschaft, Geschichte, Kultur oder Musik gar nicht einbezogen würden.
Man schwafelt lieber darüber, dass es wichtig für das Heranwachsen junger Menschen sei, diese Bereiche zu beherrschen oder die Fähigkeit zu erhalten, aus einer Tabelle ablesen zu können, wie heiß der Sommer 1972 war. Man redet sich dumm und dämlich über die Praxistauglichkeit und darüber, dass die jungen Leute auf das Leben vorbereitet werden müssten, anstatt mit PISA-Testen umgehen zu müssen.

Auf das Leben voerbereiten!

Banale Dinge, wie einem Schüler zu zeigen, wie man einen Überweisung bei der Bank ausfüllt, wäre ein erster Schritt. Das gehört aber nicht zum „Vorbereiten aufs Leben“ laut Bildungsexperten.
Neue Medien gehen an den Schülern völlig vorbei. Lehrer behaupten, man bräuchte keine elektronischen Tafeln, denn das würde die Schüler zu sehr überlasten. Das Problem sind eher die Lehrer, die nicht erkennen, dass Kinder mit elektronischen Medien (außerhalb) der Schulen aufwachsen und die sich einfach nicht auf Neues einlassen wollen.

Lesekompetenz und Verstehen

Die aktuelle PISA-Studie legt einen Schwerpunkt auf Lesekompetenz.
Auch hier gab es massive Kritikpunkt der deutschen Bildungsforscher, Lehrer und dergleichen.
Laut derer sei Lesekompetenz nicht vergleichbar. Wenn ein deutsches Kind einen Text im Gegensatz zu einem französischen nicht richtig begreife und bei der Lösung eine falsche ankreuze, könne man dies nicht vergleichen, da ja verschiedene Wertebereiche hineinspielten. Das Begreifen eines Textes sei nicht so wichtig, weil es darauf ankomme, wie man ihn interpretiere.

Ein Paradebeispiel ist hierbei ein etwas älterer Text über das Klon-Schaf Dolly.
In dem Text wird beschrieben, dass einer Schafmutter Eizellen entnommen worden seien. Eine davon wurde „in vitro“ – Schlagwort: „künstliche Befruchtung“ – befruchtet. Der „außerhalb des Körpers“ befruchteten Eizelle wurde die Hälfte des Erbmaterials entnommen und in eine andere Eizelle eingesetzt. Aus der urprünglich einen Eizelle entstanden zwei mit identischem Erbgut. Die zweite Zelle war „geklont“ worden und die Methode heißt „Klonierung“ oder „Klonen“. Wieder eingepflanzt in die Schafmutter entwickelten sich zwei identische Schafe.

Die Schüler sollten nun ankreuzen, wie die Befruchtungsmethode hieß:

  • In vitro
  • Zellteilung
  • Geschlechtsverkehr
  • Oxidation

Nur eine Minderheit meinte, dass „In vitro“ richtig sei. Ebenso hatten auch nur wenige Schüler angekreuzt, dass die zweite Eizelle „Klonierung“ entstanden war.

Dass nur wenige die richtigen Lösungen deklariert hatten, ist laut deutschen Lehrern nicht schlimm. Es wäre wichtiger gewesen, diesen Text in einen „interpretatorischen Kontext“ zu setzen, anstatt nur Fakten aus dem Text abzufragen. Lesekompetenz sei eben nicht das Heraussuchen von Worten oder Fakten, sondern mehr. Man zweifelte auch an der Wirksamkeit des Ankreuzens. Die Sinnhaftigkeit, ob man das richtige Wort ankreuzen oder aufschreiben solle, führte sich dann ad absurdum, da es zwei unversöhnliche Fraktionen gab.

„Bildungsprogramme“ und das Kaputtreden von Vergleichsstudien ist ein Punkt, die eigenen Defizite an der Bildungspolitik schönzureden.

Realismus geht anders!

Die PISA-Studien der OECD sind internationale Schulleistungsuntersuchungen, die seit dem Jahr 2000 in dreijährlichem Turnus in den meisten Mitgliedstaaten der OECD und einer zunehmenden Anzahl von Partnerstaaten durchgeführt werden und die zum Ziel haben, alltags‑ und berufsrelevante Kenntnisse und Fähigkeiten Fünfzehnjähriger zu messen.

(Wikipedia)

Bildquelle: Pixelio/Tim Reckmann https://www.pixelio.de/media/690266

„In der D-Mark-Zeit hat jede Bank Geld gewechselt“, sagte die alte Frau zu mir, „Und man bekommt auch nichts mehr zu kaufen. Regen-Pelerinen gibt es nicht mehr. Die gab’s in der D-Mark-Zeit überall für zwei Mark.“
Als nächstes sagt sie mir, dass eine Busfahrkarte „in der D-Mark“ nur achtzig Pfennig gekostet habe und jetzt knapp einen Euro: „Und das sind zwei Mark.“.

Wer kennt diese – nicht nur alten – Menschen nicht, die immer und immer wieder Euro-Preise in Deutsche Mark umrechnen, um zum Beispiel zu wissen, dass der Preis einer Pizza, die 4,50 Euro kostet, in D-Mark neun Mark sei.

Und das ist teuer!

Was bezwecken diese Menschen damit? Was hat man davon, wenn man seit der Einführung des Euros Preise in die nicht mehr existente Währung Deutsche Mark umrechnet?

Es ist die Erinnerung an die „gute alte Zeit“, von der man vermeintlich glaubt, sie wäre besser gewesen.

Nach der Jahrtausendwende war vielleicht einiges besser, vielleicht das eigene Leben noch in Ordnung. Knapp 17 Jahre später hat sich vieles geändert, womit sich viele nicht zurechtfinden. Die Umrechnung hat keine Bewandtnis, außer dem Sich‑Ärgern, dass alles irgendwie besser, schöner, toller etc. war.
Das Festhalten am Alten kann weh tun!

Das Fatale an der Umrechnung DM zu Euro ist, dass die Leute die DM-Preise von (vor) 2002 nehmen und diese mit den nun aktuellen vergleichen.
Ein Liter Diesel, der Ende 2001 noch 90 Pfennig gekostet hatte, kostet nun 1,20 Euro. Das ist umgerechnet, das ca. Zweieinhalbfache, doch die Löhne sind auch seit Ende 2001 gestiegen.

Nach dem Ersten Weltkrieg kostete ein Brötchen zwei Pfennige, heute liegen wir bei 40 Cent.

Das ist das Achtzigfache! 

Bildquelle : Pixelio.de/Grossi1985 (M. Grossmann)

Roll over Beethoven

„Man muß nur auf den richtigen Dreh kommen.
Zahlendreher können heutzutage ganze Existenzen vernichten.“

Wolfgang J. Reus

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