Manchmal erkenne ich den Moment nicht an den Worten, sondern an der Lautstärke.

Wie an einem Windstoß, der plötzlich durchs Zimmer fährt und alles aufwirbelt, was eben noch still lag.

Wenn die Stimme laut wird, wird der Geist leise.

Dann ist da dieses Geräusch von Macht, das keine ist.

Ein Dröhnen, das nicht aus Stärke kommt, sondern aus Angst, nicht gehört zu werden.

Als müsste man sich selbst beweisen, dass man noch Gewicht hat.

Früher habe ich geglaubt, ich müsste mich dagegenstellen.

Müsste wachsen, hart werden, kantig.

Müsste die Brust heben, die Stimme heben, den Raum heben.

Doch ich habe gelernt:

Ich muss mich nicht aufplustern.

Ich kann klein bleiben – und trotzdem standhaft.

Ich kann leise sein – und trotzdem unübersehbar.

Ich kann ruhig atmen, während jemand anderes versucht, mich mit Lärm zu erschüttern.

Denn ein Geist, der wirklich wach ist, macht keinen Krach.

Er bleibt klar.

Er bleibt warm.

Und er bleibt bei sich.

„Dumm gucken, schlau denken“ ist einer dieser Sätze, die auf den ersten Blick wie ein Witz wirken – und auf den zweiten Blick wie eine Lebensstrategie. 

Er beschreibt eine Haltung, die in vielen Situationen erstaunlich wirksam ist: Man gibt sich nach außen harmlos, unspektakulär, vielleicht sogar ein wenig naiv – während man innerlich wach bleibt, klar analysiert und sehr genau plant. 

Es ist die Kunst, nicht mit der Stirn zu kämpfen, sondern mit dem Kopf.

Im Kern meint der Satz: Nicht jeder, der ruhig ist, ist ahnungslos. Nicht jeder, der wenig sagt, hat wenig verstanden. Und nicht jeder, der sich nicht aufplustert, ist schwach. 

Im Gegenteil: Oft ist es gerade die leise Person, die die Lage am besten erfasst. Sie beobachtet, sortiert, erkennt Muster, bewertet Risiken – und handelt dann zur richtigen Zeit. 

Während andere sich mit Lautstärke, Dominanz oder Selbstdarstellung beschäftigen, baut sie innerlich bereits das Schachbrett auf.

Diese Haltung ist besonders in Umgebungen nützlich, in denen viele Menschen ihre Energie darauf verwenden, sich zu positionieren. 

In Hierarchien, in Teams mit Ego-Konflikten, in Betrieben, in denen Verantwortung gerne nach unten weitergereicht wird, oder überall dort, wo man schnell in Machtspiele hineingezogen werden kann. 

Wer dort offen zeigt, wie klar er denkt, macht sich manchmal zur Zielscheibe. 

Denn Klarheit kann bedrohlich wirken. Sie nimmt anderen die Möglichkeit, Nebel zu werfen. 

Sie entlarvt Ausreden. 

Sie stellt Fragen, die nicht bequem sind. Und deshalb reagieren manche Menschen auf Klarheit nicht mit Respekt, sondern mit Angriff, Abwertung oder subtiler Sabotage.

„Dumm gucken, schlau denken“ ist dann eine Form von Selbstschutz. 

Es bedeutet nicht, dass man sich klein macht.
Es bedeutet, dass man seine Stärke nicht ständig auf dem Präsentierteller trägt. 

Man zeigt nicht jedem sofort die Karten. Man lässt andere reden. Man lässt sie sich in ihre Geschichten hineinsteigern. Man lässt sie glauben, sie hätten die Kontrolle. 

Und genau in diesem Moment gewinnt man Informationsvorsprung. Denn wer redet, verrät. Wer prahlt, entblößt. Wer sich aufplustert, zeigt oft mehr Unsicherheit als er selbst merkt.

Das ist der Punkt, an dem der zweite Teil der Übersetzung ins Spiel kommt: „Meister der Tarnung – Genie der Planung.“ 

Tarnung bedeutet nicht Täuschung im moralisch fragwürdigen Sinn. 

Tarnung bedeutet, sich nicht unnötig zu exponieren. 

Es ist das bewusste Weglassen von Signalen, die andere sofort aufschrecken würden. 

Wer sich klug verhält, muss nicht jedem beweisen, wie klug er ist. Er muss nur erreichen, dass die Situation am Ende so ausgeht, wie sie ausgehen soll.

In der Praxis sieht das so aus: Während andere sich streiten, hört man zu. 

Während andere Schuld verteilen, dokumentiert man Fakten.

Während andere dramatisieren, bleibt man ruhig. 

Während andere sich in Details verlieren, erkennt man die Struktur. Während andere versuchen, mit Autorität zu gewinnen, gewinnt man mit Präzision. 

Man lässt sich nicht auf Nebenschauplätze ziehen.
Man reagiert nicht auf Provokationen.
Man wird nicht laut, nur weil jemand anders laut wird. Man bleibt bei der Sache. 

Und genau dadurch entsteht eine innere Überlegenheit, die man nicht schreien muss.

Diese Haltung hat etwas von strategischer Geduld. 

Sie ist das Gegenteil von Impuls. 

Viele Menschen verwechseln Impulsivität mit Stärke.
Sie glauben, wer schnell reagiert, sei souverän. 

In Wahrheit ist schnelle Reaktion oft nur schnelle Überforderung. „Dumm gucken, schlau denken“ bedeutet: erst denken, dann handeln. 

Und zwar nicht langsam, sondern bewusst. 

Es ist wie ein kurzer Moment innerer Stille, in dem man sich selbst fragt: Was passiert hier wirklich?
Was ist die Absicht des anderen?
Welche Information fehlt?
Welche Konsequenz hat mein nächster Satz?

Ein wichtiger Aspekt ist dabei, dass man nicht in die Rolle rutscht, die andere einem geben wollen.
In toxischen Dynamiken versuchen Menschen oft, anderen Rollen zuzuschreiben: der Unfähige, der Anfänger, der Störer, der Überempfindliche, der Querulant. 

Wenn man sich emotional hineinziehen lässt, erfüllt man diese Rolle. 

Man reagiert, wie es erwartet wird.
Man liefert Angriffsfläche.
Man macht sich berechenbar. 

Wer hingegen „dumm guckt“, also äußerlich neutral bleibt, gibt dieser Rollenzuweisung keinen Halt. 

Er bleibt ungreifbar.
Er bleibt schwer manipulierbar. 

Und das ist in Machtspielen eine enorme Stärke.

Dabei geht es nicht darum, dauerhaft passiv zu sein. 

Das wäre ein Missverständnis. „Dumm gucken, schlau denken“ ist keine Kapitulation, sondern eine Form von Timing. 

Man wählt den Moment, in dem man spricht.
Und wenn man spricht, dann sitzt es. 

Nicht zehn Sätze, nicht Rechtfertigungen, nicht Erklärungen. S
ondern ein Satz, der den Kern trifft.
Ein Satz, der die Nebelwand aufreißt.
Ein Satz, der zeigt: Ich habe verstanden.
Und ich lasse mich nicht abwimmeln.

In einer Arbeitswelt, in der viele Führungskräfte mit Floskeln arbeiten, ist diese Haltung besonders wertvoll. 

Wenn ein Chef versucht, eine berechtigte Frage mit einem lapidaren Satz abzuschneiden, dann ist der Reflex vieler Menschen: Entweder klein beigeben oder in den Konflikt gehen. 

Beides führt oft zu Stress. 

„Dumm gucken, schlau denken“ ist der dritte Weg: ruhig bleiben, aber nicht nachgeben. 

Man nimmt den Satz zur Kenntnis – und stellt die Frage trotzdem noch einmal, sachlich, präzise, ohne Emotion. 

Man zeigt damit: „Ich habe Ihre Abwehr bemerkt. Ich gehe nicht in Ihr Spiel. Aber ich brauche die Information. Und ich bleibe so lange dabei, bis sie da ist.”

Das ist ein stiller Machtgewinn. 

Nicht, weil man jemanden „besiegt“, sondern weil man die Kontrolle über sich selbst behält. 

Wer sich nicht provozieren lässt, bleibt handlungsfähig.
Wer handlungsfähig bleibt, kann gestalten.
Und wer gestalten kann, ist nicht Opfer der Umstände, sondern Akteur.

Psychologisch betrachtet steckt darin auch ein Schutz vor dem sogenannten „Ego-Haken“.

Viele Konflikte eskalieren nicht wegen der Sache, sondern weil das Ego anspringt. 

Jemand fühlt sich angegriffen, nicht respektiert, nicht gesehen.
Und plötzlich geht es nicht mehr um Regeln, sondern um Rang, Status, Kränkung. 

„Dumm gucken, schlau denken“ ist eine Methode, das Ego bewusst klein zu halten. 

Man lässt es nicht ans Steuer.
Man bleibt beim Ziel.
Und das Ziel ist meistens nicht, Recht zu haben, sondern wirksam zu sein.

Natürlich hat diese Haltung auch Grenzen. 

Sie ist kein Freifahrtschein, alles zu schlucken. 

Wer dauerhaft nur tarnen und planen muss, weil ein Umfeld permanent toxisch ist, lebt in ständiger Anspannung. 

Dann wird die Strategie zur Überlebenshaltung, und das kostet Energie. 

In einem gesunden Team braucht man diese Tarnung nicht.
Dort darf man offen sein, klar sein, menschlich sein. 

Aber in Umfeldern, in denen man mit Egos, Unsicherheit und Machtspielchen zu tun hat, ist sie manchmal das klügste Werkzeug, das man hat.

Am Ende bedeutet „Dumm gucken, schlau denken“ vor allem eines: 

Man verwechselt Lautstärke nicht mit Kompetenz.
Man verwechselt Dominanz nicht mit Recht.
Man verwechselt Selbstbewusstsein nicht mit Wahrheit.
Man bleibt ruhig, weil man weiß, dass die wichtigste Kontrolle nicht über andere geht, sondern über sich selbst.

Der „Meister der Tarnung“ ist nicht derjenige, der sich versteckt.

Sondern derjenige, der entscheidet, wann er sichtbar wird.

Und das „Genie der Planung“ ist nicht derjenige, der alles kontrollieren will.

Sondern derjenige, der sich nicht kontrollieren lässt.

Man merkt oft erst im Nachhinein, wie sehr einen ein Umfeld geprägt hat.
Nicht durch einzelne Ereignisse, sondern durch eine Grundstimmung, die sich schleichend in den Alltag legt. 

Für meine Frau, unsere Hündin Hazel und mich ist der Umzug nach Eppelheim genau so ein Moment des Rückblicks – und des Vergleichs geworden.

In Böblingen war vieles funktional, manches praktisch, aber immer lag etwas in der Luft, das schwer zu greifen war. Ein Gefühl von Distanz. Von Zurückhaltung, die nicht nur höflich, sondern prüfend wirkte. Menschen begegneten einander korrekt, aber selten offen. Man hatte oft den Eindruck, erst einmal auf Bewährung zu sein: beobachtet, eingeschätzt, eingeordnet. Gespräche entstanden selten von selbst. Nähe entwickelte sich, wenn überhaupt, langsam und vorsichtig.

Diese Atmosphäre überträgt sich, ohne dass man es bewusst will. Man wird selbst zurückhaltender, wachsamer, kontrollierter. Besonders deutlich wurde das nachts. Beim frühen Gassigehen mit Hazel – um vier oder sechs Uhr morgens – war immer ein unterschwelliger Alarm da: Was passiert jetzt? Wer kommt mir entgegen? Enge Straßen, vereinzelte Gestalten, wenig Licht. Nichts Konkretes, aber genug, um den Körper in Anspannung zu halten. Auch meine Frau empfand das ähnlich. Dieses Gefühl von Einengung war kein Gedanke, sondern ein Zustand.

In Eppelheim ist das anders. Vom ersten Moment an fiel auf, wie viel heller alles ist – nicht nur räumlich, sondern auch atmosphärisch. Unsere Wohnung ist lichtdurchflutet, frei von Schimmel, frei von diesem latenten Misstrauen gegenüber den eigenen Wänden. Schon das allein wirkt entlastend. Doch was uns noch mehr überrascht hat, ist der Umgang der Menschen miteinander.

Hier sprechen einen Menschen einfach an. Im Laden, auf der Straße, beim Spazierengehen mit dem Hund. Nicht neugierig, nicht übergriffig, sondern selbstverständlich. Ein kurzer Satz, ein Lächeln, ein Kommentar – und plötzlich ist man im Gespräch. Diese Offenheit wirkt nicht aufgesetzt, sondern entspannt. Man spürt: Hier muss man sich nicht erst beweisen, um dazuzugehören.

Gleichzeitig ist da eine angenehme Zurückhaltung. Niemand drängt sich auf, niemand überschreitet Grenzen. Es ist eine Balance aus Nähe und Respekt, aus Kontakt und Raum. Genau diese Mischung tut uns gut. Wir fühlen uns gesehen, ohne beobachtet zu werden. Angenommen, ohne vereinnahmt zu sein.

Hazel reagiert darauf sehr deutlich. Sie ist draußen entspannter, neugieriger, weniger angespannt. Sie beobachtet, schnauft vor Freude, genießt. Hunde sind feine Seismografen für Stimmungen – und ihre Gelassenheit sagt mehr als viele Worte. Auch nachts gehen wir jetzt anders durch die Straßen. Ohne dieses ständige innere Scannen. Ohne Enge. Ohne das Gefühl, jederzeit reagieren zu müssen.

Natürlich hat das alles auch einen Preis. Wir zahlen mehr Miete als früher. Aber es fühlt sich nicht wie ein Verlust an, sondern wie eine bewusste Entscheidung. Wir haben nicht nur Quadratmeter gewechselt, sondern Lebensqualität gewonnen: Licht, Sicherheit, soziale Wärme. Ein Neubau und wir sind als „Erstbezug” in der Wohnung. Dinge, die man nicht auf einer Abrechnung findet, die aber täglich spürbar sind.

Jetzt richten wir uns ein. Gardinen, die Licht hereinlassen und gleichzeitig schützen. Eine Wohnung, die langsam zu unserem Zuhause wird. Am Ende des Monats kommt die Einbauküche – ein weiterer Schritt weg vom Provisorium, hin zu etwas Dauerhaftem. Kleine Meilensteine, die sich richtig anfühlen.

Rückblickend ist klar: Wir sind nicht einfach umgezogen. Wir haben ein Umfeld verlassen, das uns unterschwellig klein hielt, und eines gefunden, das uns Raum gibt. Für Gespräche. Für Ruhe. Für uns als Paar. Für Hazel. Und für dieses leise, aber sehr klare Gefühl, angekommen zu sein.

Die Leere hinter den Plakaten

Wenn in Baden-Württemberg die Landtagswahl naht, verwandeln sich Laternenmasten in Litfaßsäulen der Beliebigkeit.
Was sagen uns die Versprechen von heute über das Versagen von gestern?

Es ist wieder soweit. Entlang der Bundesstraße 27, die sich von Tübingen nach Stuttgart schlängelt, hängen sie Schulter an Schulter: lächelnde Gesichter auf Hochglanzpappe, umrahmt von Parteifarben. „Für unsere Zukunft!” steht da. „Stark für Baden-Württemberg!” Oder schlicht: Ein Name, ein Foto, ein Logo. Mehr nicht. Als wäre das genug.

Alle paar Meter ein neues Konterfei, ein neuer Slogan, der so viel sagt wie ein Horoskop in der Tageszeitung. 

Die Plakate kleben an Ampeln und Bushaltestellen, sie lehnen an Gartenzäunen und baumeln im Februarwind. Wer morgens zur Arbeit fährt, wird von diesem Meer aus Phrasen begleitet. Und wer abends heimkehrt, wird daran erinnert: Bald ist Wahl. Bald ist wieder alles anders. Versprochen.

Das Ritual der Plakate

Die Landtagswahl in Baden-Württemberg – sie vollzieht sich nach einem Drehbuch, das sich seit Jahrzehnten kaum verändert hat. Sechs Wochen vor dem Urnengang beginnt die große Plakatschlacht. Parteien investieren Hunderttausende Euro in bedruckten Karton, der wetterbeständig sein muss und doch nur für einen flüchtigen Blick bestimmt ist. Ein analoges Spektakel in digitalen Zeiten.

„Zusammen. Für ein starkes Morgen.” So steht es auf den grünen Plakaten. Bei der CDU heißt es: „Verlässlich. Bürgernah. Zukunftsorientiert.” Die SPD verspricht: „Gerechtigkeit für alle.” Die FDP will „Freiheit statt Bevormundung”, die AfD „Mut zur Wahrheit”, die Linke „Sozial statt asozial”. Jede Partei hat ihre drei, vier Schlagworte gefunden, die niemandem wehtun und niemandem wirklich etwas bedeuten.

Man könnte die Plakate austauschen, die Farben ändern, die Gesichter ersetzen – die Botschaft bliebe dieselbe: Wählt mich, ich mach’s besser. Details? Später. Erst mal ankommen im Kopf des Wählers, erst mal präsent sein im öffentlichen Raum. Inhalt ist optional.

Die Kunst der Unverbindlichkeit

Dahinter steckt System. Politikberater sprechen von „emotionaler Ansprache” und „Wiedererkennung”. Plakate sollen keine Argumente liefern, sondern Gefühle wecken. Sie sollen nicht informieren, sondern aktivieren. Wer sich für Details interessiert, der möge bitte die Wahlprogramme lesen – 80, 100, manchmal 120 Seiten kleinteiliger Prosa, die kaum jemand zur Hand nimmt.

Also bleibt das Plakat. Und das Plakat bleibt vage. Denn wer konkret wird, macht sich angreifbar. Wer sagt, wie er die marode Schulinfrastruktur sanieren will, welche Steuern er erhöhen muss, welche Interessengruppen er enttäuschen wird – der riskiert Widerspruch. Besser, man bleibt im Ungefähren. „Bildung stärken!” klingt gut. Niemand ist dagegen. Wie genau? Mit welchem Geld? Auf wessen Kosten? Egal. Das Plakat muss ja nur bis zur Wahl halten.

Diese Unverbindlichkeit ist nicht Zufall, sondern Kalkül. Sie erlaubt es den Parteien, maximale Zustimmung bei minimalem Risiko zu ernten. Sie ist die Essenz dessen, was man moderne Wahlkampfführung nennt: Sag nichts Falsches, indem du nichts Konkretes sagst.

Das Vergessen als Voraussetzung

Und dann ist da noch etwas anderes, etwas, das zwischen den Zeilen der Plakate mitschwingt: die Amnesie. Die kollektive Verabredung, dass Wahlkampf ein Neuanfang ist, ein Reset, bei dem die letzten Jahre nicht zählen. Als würde mit dem Aufhängen der Plakate auch die Vergangenheit abgehängt.

Nehmen wir die Grünen, die seit 2011 den Ministerpräsidenten stellen. 14 Jahre Regierungsverantwortung. 14 Jahre, in denen Versäumnisse nicht ausgeblieben sind: Der Bildungssektor ächzt unter Lehrermangel, marode Schulgebäude prägen vielerorts das Bild. Der öffentliche Nahverkehr, einst als Prestigeprojekt angekündigt, kommt nicht in die Gänge – zu wenige Verbindungen, zu hohe Preise, zu langsamer Ausbau. Die Digitalisierung der Verwaltung? In vielen Kommunen noch immer eine Utopie. Und die Klimaziele, die man sich selbst gesteckt hat? Verfehlt.

Jetzt, im Wahlkampf, sprechen dieselben Politiker von der „Verkehrswende”, die sie „endlich anpacken” wollen. Sie versprechen „beste Bildung für alle Kinder” und „eine Verwaltung, die ins 21. Jahrhundert gehört”. Als wären sie nicht seit über einem Jahrzehnt am Ruder. Als hätten sie all die Zeit über nichts zu sagen gehabt.

Die Opposition und ihr Gedächtnis

Aber auch die Opposition spielt dieses Spiel mit. Die CDU, jahrzehntelang die dominierende Kraft im Südwesten, präsentiert sich als frische Alternative. Dabei saß sie bis 2011 selbst in der Regierung – und vieles, was heute beklagt wird, hat dort seinen Ursprung. Der Investitionsstau bei der Infrastruktur? Begonnen in den Nullerjahren. Die Vernachlässigung des ländlichen Raums? Ein Dauerthema, das auch unter Schwarz-Gelb nicht gelöst wurde. Doch davon spricht heute niemand mehr.

Die SPD wiederum war bis 2016 Juniorpartner der Grünen. Auch sie trägt Mitverantwortung für manches, was schiefgelaufen ist. Trotzdem tritt sie auf, als käme sie von außen, als hätte sie die reine Weste des ewigen Oppositionellen.

Und so reiht sich Versprechen an Versprechen, während die Bilanz der Vergangenheit im Nebel der Rhetorik verschwindet. Der Wähler soll nach vorne schauen, nicht zurück. Er soll glauben, nicht nachrechnen. Er soll hoffen, nicht erinnern.

Das Wahlvolk als Staffage

„Das Wahlvolk” – schon dieser Begriff klingt nach Museum, nach einer Zeit, in der Bürger noch Untertanen waren. Doch im Kern beschreibt er präzise, wie viele Politiker ihre Wähler zu sehen scheinen: als Masse, die mobilisiert werden muss, nicht als Individuen, die überzeugt werden wollen. Als Staffage im demokratischen Theater, die alle paar Jahre ihre Rolle spielt, ihre Stimme abgibt und sich dann wieder zurückzieht.

Die Plakate spiegeln diese Haltung wider. Sie reden nicht mit den Menschen, sie reden an ihnen vorbei. Sie informieren nicht, sie dekorieren. Sie sind Durchhalteparolen ohne Durchhaltevermögen, Versprechen ohne Verfallsdatum, weil sie nie eingelöst werden müssen – nur wiederholt, zur nächsten Wahl.

Dabei wäre der Wähler durchaus bereit, sich mit Inhalten auseinanderzusetzen. Umfragen zeigen seit Jahren: Die Menschen wollen wissen, wie Probleme konkret gelöst werden sollen. Sie sind es leid, mit Allgemeinplätzen abgespeist zu werden. Sie wünschen sich Ehrlichkeit – auch über das, was nicht geht, was zu teuer ist, was Zeit braucht.

Doch diese Ehrlichkeit bleibt Mangelware. Stattdessen dominiert die Illusion der einfachen Lösung. Jede Partei hat sie angeblich gefunden, das Allheilmittel gegen die Krisen der Gegenwart. Wohnungsnot? Kein Problem, wir bauen mehr. Klimawandel? Kriegen wir hin, mit Innovation. Pflegenotstand? Lösen wir, mit besserer Bezahlung. Wie genau, mit welchem Geld, zu wessen Lasten – das steht nicht auf den Plakaten.

Die Mechanik der Enttäuschung

Und so wiederholt sich der Zyklus. Vor der Wahl große Worte, nach der Wahl große Ernüchterung. Die Wahlbeteiligung in Baden-Württemberg lag 2021 bei knapp 64 Prozent – ein Wert, der zeigt, dass mehr als ein Drittel der Wahlberechtigten dem Spektakel fernbleibt. Nicht aus Desinteresse, sondern aus Resignation. Weil sie nicht mehr glauben, dass ihre Stimme etwas ändert. Weil sie die Erfahrung gemacht haben, dass nach der Wahl die Ausreden kommen: die Haushaltslage, die Bundespolitik, die Umstände.

Man könnte den Politikern vorwerfen, zynisch zu sein. Aber vielleicht sind sie einfach nur gefangen in einem System, das Langfristigkeit bestraft und Kurzfristigkeit belohnt. Wer echte Reformen anstrebt, braucht Jahre – aber Wahlen kommen alle fünf. Wer unangenehme Wahrheiten ausspricht, verliert Stimmen – aber wer genug verspricht, gewinnt sie. Die Logik der Demokratie und die Logik der Problemlösung passen nicht immer zusammen.

Was bleibt

In ein paar Wochen werden die Plakate wieder abgehängt. Die Gesichter verschwinden von den Laternenmasten, die Slogans verhallen. Eine neue Regierung wird gebildet, eine Koalition geschmiedet, ein Programm vorgestellt. Und in den ersten Monaten wird vielleicht tatsächlich angepackt, was lange liegen geblieben ist.

Aber schon bald wird der Alltag einkehren, werden die Kompromisse beginnen, werden die großen Worte kleiner werden. Und in fünf Jahren hängen sie wieder, die Plakate. Mit neuen Gesichtern vielleicht, mit neuen Farben. Aber mit denselben Floskeln. Denselben Versprechen. Demselben Vergessen.

Bis dahin bleibt dem Wähler nur eins: zu wählen. Nicht blind, nicht voller Hoffnung, sondern nüchtern. In dem Wissen, dass die Plakate lügen – nicht mit böser Absicht, sondern aus Gewohnheit. Und in dem Wissen, dass Demokratie nicht bedeutet, alle fünf Jahre die perfekte Lösung zu finden, sondern das am wenigsten schlechte Angebot anzunehmen.

Die Plakate hängen noch bis kurz nach der Wahl. Dann kommen sie weg. Was bleibt, sind die Probleme. Und die Frage, wer sie tatsächlich anpackt.

Acht Wochen Ankommen – ein Bericht aus dem Alltag

Acht Wochen sind keine lange Zeit. Und doch reichen sie manchmal aus, um zu merken, dass sich etwas Grundlegendes verändert hat. Für meine Frau, unsere Hündin Hazel und mich sind diese acht Wochen in unserer neuen Wohnung in Eppelheim genau das gewesen: ein langsames, stilles Ankommen – körperlich, emotional und im Alltag.

Der Umzug selbst war kein Neuanfang aus Euphorie, sondern eher eine notwendige Bewegung weg von etwas, das sich über längere Zeit als belastend erwiesen hatte. Kurz vor dem Auszug aus der alten Wohnung kam es zu einem Schimmel-Debakel, das rückblickend vieles erklärt. Nicht nur baulich, sondern auch gesundheitlich. Dieses diffuse Gefühl von ständiger Erschöpfung, wiederkehrendem Unwohlsein, kleinen Infekten und einer permanenten Grundspannung hatte offenbar einen sehr konkreten Ursprung. Erst jetzt, mit Abstand, wird spürbar, wie sehr uns das belastet hat.

In der neuen Wohnung ist davon nichts mehr da. Keine feuchten Ecken, kein Misstrauen gegenüber Wänden, keine Sorge, ob „da wieder etwas ist“. Stattdessen Licht, trockene Räume und ein Raumklima, das sich von Anfang an gut anfühlte. Nach einigen Wochen merkten wir beide unabhängig voneinander: Wir sind weniger krank. Wir schlafen tiefer. Die morgendliche Schwere ist verschwunden. Es ist kein plötzlicher Effekt, sondern ein leises, aber konstantes Besserwerden – so, als würde der Körper endlich aufhören, permanent gegen etwas anzukämpfen.

Auch Hazel hat sich schnell eingelebt. Hunde spüren Veränderungen oft früher als Menschen. Sie ist ruhiger, ausgeglichener, neugieriger. Spaziergänge fühlen sich entspannter an, besonders früh morgens oder abends. In der alten Umgebung waren diese Zeiten oft von einem unterschwelligen Gefühl der Enge begleitet – wenig Raum, wenig Licht, gelegentlich ein ungutes Gefühl. Hier ist das anders. Mehr Weite, mehr Ruhe, weniger innere Wachsamkeit. Das tut uns allen gut.

Was uns besonders überrascht hat, ist die soziale Atmosphäre. Die Menschen hier sind offen, freundlich, zugewandt – ohne aufdringlich zu sein. Gespräche entstehen einfach. Man wird angesprochen, grüßt sich, tauscht ein paar Worte aus. Es ist eine Selbstverständlichkeit, die wir so nicht kannten. Diese Mischung aus Offenheit und respektvoller Zurückhaltung schafft ein Gefühl von Zugehörigkeit, ohne dass man sich erklären oder beweisen muss.

Auch unsere Wohnung wächst langsam zu einem Zuhause. Gardinen, die Licht hereinlassen und gleichzeitig schützen. Kleine Entscheidungen, die den Alltag angenehmer machen. Bald kommt die Einbauküche – ein weiterer Schritt weg vom Provisorium hin zu etwas Dauerhaftem. Jeder dieser Schritte fühlt sich nicht wie „Einrichten“ an, sondern wie Verwurzeln.

Rückblickend lässt sich sagen: Wir haben uns nicht nur räumlich verändert, sondern auch innerlich. Die Zufriedenheit ist zurückgekehrt. Nicht als lauter Zustand, sondern als ruhige Gewissheit. Wir sind entspannter, gelassener, mehr bei uns. Die Dinge des Alltags haben wieder ihr richtiges Gewicht, berufliche Querelen verlieren an Bedeutung, weil das Private wieder trägt.

Acht Wochen sind vergangen. Und wir merken: Das hier ist kein Übergang.

Das hier ist Ankommen.

Dieses Blog wird – vorerst – nicht weitergeführt.

Ich habe viel erzählt, geschrieben, dokumentiert. Ich habe geteilt, was mich bewegt, erschüttert, empört oder erfüllt hat. 

Dieses Blog war mein Ort der Worte, mein Resonanzraum in einer Welt, die oft zu laut war für das Leise und zu schnell für das Tiefe.

Doch nun braucht es eine Pause. Keine Flucht. Kein Verstummen. Sondern eine bewusste Entscheidung:

Ich hole mir mein Morgen zurück.

Ich werde es mir nicht nehmen lassen – nicht von Erwartungen, nicht von Meinungen, nicht von Systemen oder vertrauten Mustern.
Ich werde es nicht zerreden, nicht zerdenken, nicht zerargumentieren lassen.
Ich werde es leben. Schritt für Schritt. Mit allem, was dazugehört: Klarheit. Mut. Und Stille.

Dieses Blog wird weitergehen – aber nicht heute.
Nicht, solange meine Geschichte von außen geschrieben wird.
Sondern erst dann, wenn ich sie wieder selbst schreibe. Mit ruhiger Hand, mit gefestigtem Blick, mit innerem Feuer.
Wenn ich mein Morgen zurückgeholt habe – nicht als Idee, sondern als Wirklichkeit.

Wer weiß – vielleicht sind meine nächsten Worte dann keine Fortsetzung,
sondern ein neuer Anfang.

Bis dahin:
Bleib wach.
Bleib wahr.
Und vor allem: bleib bei dir.

– Dietmar Schneidewind

Ich trage meine Ideen – über dem Grau

Unten ist alles grau.
Schwarz. Weiß. Dazwischen verwaschene Zwischenräume.
Es ist das Fundament, auf dem ich stehe:
Erfahrungen, die ich nicht gewählt habe.
Strukturen, die mich formen wollten.
Alltag, der nach Funktion fragt, nicht nach Fantasie.

Das Grau da unten ist nicht böse.
Es ist nur… ermüdend.
Erwartbar. Festgelegt.
Es ist das „So ist das eben“ der Welt.
Das Raster, in das man mich zu pressen versuchte.

Aber ich habe mich entschieden,
darüber etwas anderes zu tragen.

Ich trage Farbe.
Ich trage Explosionen aus Licht und Idee.
Ich trage das, was aus meinem Kopf kommt –
nicht, weil ich provozieren will.
Sondern weil ich zeigen muss, dass ich da bin.

„Hier endet das Grau.
Ab hier beginnt der Teil von mir,
der leuchtet, spinnt, denkt, träumt.“

Mein T‑Shirt ist keine Kleidung.
Es ist eine Skizze meines Innenlebens.
Es zeigt, was möglich ist, wenn man den Kopf nicht senkt,
sondern hebt.

Ich trage Farbe, weil ich zu lange farblos war.
Ich trage Chaos, weil ich zu lange geordnet wurde.
Ich trage Ideen, weil man mir zu lange sagte, dass sie nicht zählen.

Aber sie zählen.

Sie werden gehört.
Gelesen.
Gesehen.

Und wer wissen will, wer ich bin,
der muss nicht fragen.
Der muss nur hinschauen:

Unten ist das Grau.
Oben ist das Ich.

Warum es für Hunde nicht gut ist, im Sommer tagsüber Gassi zu gehen – auch nicht im Wald

Der Sommer ist für viele Menschen eine schöne Jahreszeit, doch für Hunde kann die Hitze schnell zur Gefahr werden. 

Viele Hundebesitzer glauben, dass ein Spaziergang im Wald eine gute Alternative zu heißen Stadtstraßen ist, weil es dort schattiger und kühler sein soll, doch auch im Wald lauern Risiken, die die Gesundheit des Hundes gefährden können. 

Deshalb sollte man im Sommer besser auf Spaziergänge während der Mittagshitze verzichten – selbst im vermeintlich kühlen Wald.

Die Gefahr der Überhitzung und eines Hitzschlags

Hunde regulieren ihre Körpertemperatur anders als Menschen. 

Während wir über die Haut schwitzen können, kühlen sich Hunde vor allem durch Hecheln ab. 

Bei hohen Temperaturen reicht das oft nicht aus, um den Körper ausreichend zu kühlen. 

Ein Hitzschlag kann schneller eintreten, als viele denken. 

Die Symptome reichen von starkem Hecheln und Unruhe über Erbrechen und Taumeln bis hin zur Bewusstlosigkeit. 

Im schlimmsten Fall kann es zu lebensbedrohlichem Organversagen kommen. 

Selbst im Wald, wo es vermeintlich kühler ist, kann die körperliche Anstrengung des Laufens die Überhitzung beschleunigen.

Der Wald ist nicht so kühl, wie viele denken

Zwar spenden Bäume Schatten, doch auch im Wald kann die Hitze für Hunde belastend sein. 

Die Luftfeuchtigkeit ist oft höher als auf offenen Flächen, was die gefühlte Temperatur zusätzlich steigert. 

Außerdem speichert der Waldboden Wärme, besonders an trockenen und sandigen Stellen. 

Selbst wenn die Luft unter den Bäumen angenehm erscheint, kann der Boden so heiß sein, dass er die Pfoten des Hundes verbrennt.

Ein weiteres Problem ist, dass im Wald oft wenig Wind weht. 

Während auf freien Feldern eine leichte Brise für Abkühlung sorgen kann, staut sich unter den Bäumen die Hitze. 

Das macht den Aufenthalt für Hunde an heißen Tagen ungemütlich und gefährlich.

Heiße Böden – eine unterschätzte Gefahr

Viele Hundebesitzer achten auf heißen Asphalt, vergessen aber, dass auch Waldwege extrem heiß werden können. 

Besonders trockene, sandige Pfade oder sonnenbeschienene Stellen können sich stark aufheizen. 

Die Pfoten eines Hundes sind empfindlich und können bei Kontakt mit zu heißem Boden schmerzhafte Verbrennungen erleiden.

Ein einfacher Test hilft: Lege deinen Handrücken für fünf Sekunden auf den Boden. 

Wenn es dir zu heiß ist, ist es auch für deinen Hund unangenehm oder sogar schädlich. 

Im Zweifelsfall sollte der Spaziergang auf kühlere Tageszeiten verschoben werden.

Parasiten und Zecken sind im Sommer besonders aktiv

Der Wald ist ein Paradies für Zecken, Flöhe und andere Parasiten. Im Sommer sind diese Schädlinge besonders aktiv und können gefährliche Krankheiten übertragen. 

Zecken zum Beispiel können Borreliose oder FSME verbreiten, während Grasmilben und Flöhe zu starkem Juckreiz und Hautreizungen führen können.

Je länger der Hund im Unterholz herumstreift, desto höher ist das Risiko, von Parasiten befallen zu werden. 

Selbst wenn der Spaziergang nur kurz ist, können Zecken innerhalb weniger Minuten zubeißen. 

Regelmäßige Kontrollen und vorbeugende Maßnahmen wie Zeckenhalsbänder sind daher im Sommer besonders wichtig.

Wassermangel und verunreinigte Gewässer

Im Sommer trocknen viele Bäche und Pfützen im Wald aus. Für Hunde, die unterwegs Durst bekommen, kann das zum Problem werden. 

Manche Hunde trinken dann aus stehenden Gewässern, die mit Algen, Bakterien oder sogar Chemikalien belastet sein können. 

Besonders Blaualgen sind gefährlich, da sie giftige Substanzen produzieren, die zu schweren Vergiftungen führen können.

Es ist daher ratsam, immer ausreichend frisches Wasser für den Hund mitzunehmen und ihm regelmäßig anzubieten. So vermeidet man, dass der Hund aus unsicheren Quellen trinkt.

Wildtiere sind im Sommer aggressiver

Im Sommer haben viele Wildtiere Junge und sind besonders schutzbedürftig. Rehe, Wildschweine oder Füchse können aggressiv reagieren, wenn sie sich bedroht fühlen. 

Ein neugieriger Hund, der im Unterholz schnüffelt, kann ungewollt eine Mutter mit ihren Jungen aufschrecken – im schlimmsten Fall wird er angegriffen. 

Wildschweine zum Beispiel verteidigen ihren Nachwuchs energisch und können für Hunde eine echte Gefahr darstellen.

Hunde überspielen oft ihre Erschöpfung

Ein weiteres Problem ist, dass viele Hunde ihre Erschöpfung nicht zeigen, solange sie noch bei ihrem Menschen sind. 

Sie laufen weiter, obwohl sie bereits überhitzt sind, weil sie ihrem Besitzer gefallen wollen. 

Erst wenn es zu spät ist, brechen sie zusammen. 

Deshalb ist es wichtig, auf erste Anzeichen von Überlastung zu achten und den Spaziergang rechtzeitig zu beenden.

Bessere Alternativen für den Sommer

Um den Hund sicher durch die heißen Tage zu bringen, sollten Spaziergänge in die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegt werden. 

Vor 8 Uhr morgens oder nach 20 Uhr abends sind die Temperaturen meist erträglicher. 

Auch kürzere Runden mit ausreichend Pausen im Schatten sind eine gute Option.

Alternativ kann man den Hund im Wasser abkühlen lassen – etwa an einem sauberen See oder in einem speziellen Hundepool. 

Auch geistige Beschäftigung zu Hause, wie Suchspiele oder Trainingseinheiten, kann den Hund auslasten, ohne ihn der Hitze auszusetzen.

Fazit: Vorsicht ist besser als Nachsicht

Auch wenn der Wald auf den ersten Blick wie eine kühle Alternative erscheint, birgt er im Sommer viele Risiken für Hunde. 

Die Gefahr eines Hitzschlags, heißer Böden, Parasiten und aggressiver Wildtiere macht ihn während der Mittagshitze zu einem gefährlichen Ort.

Besser ist es, die Gassi-Runden in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden zu verlegen und immer auf ausreichend Wasser und Schatten zu achten.

Dein Hund wird es dir danken, wenn du ihn vor der Sommerhitze schützt – und ihr könnt die schöne Jahreszeit unbeschwert genießen.

Eines Tages traf ich meinen alten Kollegen Robert wieder.
Wir hatten schon einige Jahre nicht mehr miteinander gesprochen, aber ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als wir zusammen gearbeitet hatten. 

Robert war immer für seine beeindruckende Karriere und seine vielfältigen Erfahrungen bekannt. 

Es war schön, ihn nach all der Zeit wiederzusehen, und wir beschlossen, uns bei einer Tasse Kaffee zu unterhalten.

Während wir im Café saßen und uns über die vergangenen Jahre austauschten, erzählte Robert mir von einer kürzlichen Erfahrung, die ihn sehr beschäftigt hatte.
Er hatte sich auf eine neue Stelle beworben, diesmal bei einem renommierten Hotel. 

Nennen wir es einfach halber „Bajuwarisches Haus“ und verlegen wir es nahe des Bodensees. 

Das „Bajuwarische Haus“ war bekannt für seinen exzellenten Service und seine hochkarätige Kundschaft, und Robert war zuversichtlich, dass seine Fähigkeiten und Erfahrungen ihn zu einem idealen Kandidaten für die Stelle machen würden.

Tatsächlich schien der Chef des Hotels, eine stolze Person, zunächst sehr angetan von Roberts Bewerbung zu sein.
Roberts Lebenslauf und seine Referenzen sprachen für sich, und der Chef, der sehr stolz auf das “Bajuwarisches Haus” war, war beeindruckt von den vielen Stationen, die Robert in seiner Karriere durchlaufen hatte.
Um den Bewerbungsprozess abzuschließen, bat er, ein Bewerbungsfoto zu schicken.

Robert schickte das Foto und wartete gespannt auf eine positive Rückmeldung. 

Doch was dann geschah, damit hatte er nicht gerechnet. 

Der Hotelier rief ihn zurück, doch statt einer Zusage zu machen, teilte er Robert mit, dass er ihn leider nicht einstellen könne. 

Der Grund?

Robert trug seine schulterlangen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden.

Ich konnte sehen, wie sehr Robert diese Erfahrung mitgenommen hatte. 

Er fühlte sich diskriminiert und ungerecht behandelt. 

Immerhin ging es um seine Qualifikationen und Erfahrungen, nicht um sein Aussehen, doch der Hotelier war unnachgiebig und erklärte, dass das Erscheinungsbild der Mitarbeiter des „Bayerischen Hofs“ bestimmten Standards entsprechen müsse.

Robert erzählte mir, dass er sich entschieden hatte, juristischen Rat einzuholen. 

Sein Anwalt bestätigte ihm, dass seine Ablehnung aufgrund der Frisur tatsächlich unter das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) falle. 

Robert beschloss, eine Anzeige wegen Verstoßes dagegen einzureichen, nicht aus beleidigten Ego heraus, sondern weil er ein Zeichen setzen wollte.

Ich war beeindruckt von Roberts Entschlossenheit, für seine Rechte einzustehen. 

Es war klar, dass diese Erfahrung ihn tief geprägt hatte, aber er war bereit, für Gerechtigkeit zu kämpfen. 

Wir sprachen noch lange über seine Pläne und wie er mit der Situation umgehen wollte.

Am Ende unseres Treffens war ich froh, Robert wiedergetroffen zu haben. 

Seine Geschichte erinnerte mich daran, wie wichtig es ist, sich für Gleichbehandlung und gegen Diskriminierung einzusetzen. 

Es zeigte auch, dass Qualifikationen und Erfahrungen das sein sollten, was zählt – nicht das Aussehen. 

Ich versprach Robert, ihn in seinem Kampf zu unterstützen, und wir verabschiedeten uns mit dem Versprechen, bald wieder voneinander zu hören.

Das gefährliche Erbe der Radium-Pionierin Marie Curie

Marie Curies Laborhefte strahlen noch heute – fast 100 Jahre nach ihrem Tod

In den klimatisierten Archivräumen der „Bibliothèque Nationale” in Paris lagert ein außergewöhnlicher Schatz der Wissenschaftsgeschichte: die handschriftlichen Labornotizen von Marie Curie., doch diese wertvollen Dokumente sind anders als alle anderen Manuskripte des Archivs – sie müssen in speziellen Bleikisten aufbewahrt werden, denn sie strahlen noch immer gefährlich.

Marie Curie, die als erste Frau einen Nobelpreis erhielt und bis heute die einzige Person ist, die Nobelpreise in zwei verschiedenen naturwissenschaftlichen Disziplinen gewann, arbeitete über Jahrzehnte hinweg mit radioaktiven Elementen. 

Zwischen 1898 und 1934, dem Jahr ihres Todes, verbrachte sie unzählige Stunden in ihrem Labor und dokumentierte akribisch ihre Forschungen zu Radium und Polonium – zwei Elementen, die sie selbst entdeckt hatte.

Was zu Curies Lebzeiten noch nicht vollständig verstanden wurde, ist heute erschreckend klar: 

Die Radioaktivität dieser Substanzen durchdrang nicht nur ihren Körper, sondern auch alles, womit sie in Berührung kamen. Ihre Laborhefte, Kleidung, Möbel und sogar ihr Kochbuch wurden radioaktiv kontaminiert. 

Die Halbwertszeit von Radium-226, dem Isotop, mit dem Curie hauptsächlich arbeitete, beträgt 1.600 Jahre – ihre persönlichen Gegenstände werden also noch weitere 1.500 Jahre strahlen.

Die Tragik liegt darin, dass Marie Curie und ihre Zeitgenossen die Gefahren der Radioaktivität nicht kannten. 

Im Gegenteil: Das grünliche Leuchten der Radiumverbindungen faszinierte sie so sehr, dass sie Reagenzgläser mit radioaktiven Substanzen als nächtliche Dekoration in ihrem Schlafzimmer aufbewahrte. 

Curie trug regelmäßig Glasröhrchen mit Radium in ihren Taschen und betrachtete das Leuchten als „fairy lights”.

Diese Unwissenheit kostete sie vermutlich das Leben. 

Marie Curie starb 1934 im Alter von 66 Jahren an aplastischer Anämie, einer Erkrankung des Knochenmarks, die höchstwahrscheinlich durch die jahrzehntelange Strahlenbelastung verursacht wurde. 

Auch ihr Mann Pierre, der 1906 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, litt bereits unter den Folgen der Strahlenexposition: 

Seine Hände waren entstellt und schmerzhaft, seine Gesundheit angeschlagen.

Heute wissen Archivare und Wissenschaftler um die Gefahr, die von Curies Hinterlassenschaften ausgeht. 

Die „Bibliothèque Nationale de France” hat strenge Sicherheitsprotokolle entwickelt, um sowohl die wertvollen Dokumente zu bewahren als auch Forscher zu schützen. 

Die Laborhefte werden in speziell angefertigten Bleikisten gelagert, die die Strahlung abschirmen.

Besucher, die Curies Aufzeichnungen einsehen möchten, müssen zunächst eine Verzichtserklärung unterschreiben und werden über die Risiken aufgeklärt. 

Sie erhalten Schutzkleidung und dürfen nur für begrenzte Zeit mit den Dokumenten arbeiten. 

Dosimeter messen kontinuierlich die Strahlenbelastung. 

Trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen ist der Zugang zu den Originaldokumenten stark beschränkt – die meisten Forscher arbeiten heute mit digitalisierten Kopien.

Marie Curies radioaktive Laborhefte sind mehr als nur historische Dokumente – sie sind ein eindrucksvolles Mahnmal für die Opfer, die die Wissenschaft manchmal fordert. 

Sie erinnern daran, dass bahnbrechende Entdeckungen oft mit unerkannten Risiken verbunden sind und dass der Fortschritt der Menschheit auf den Schultern mutiger Forscher steht, die persönliche Gefahren in Kauf nahmen.

Gleichzeitig verdeutlichen sie den enormen Fortschritt im Strahlenschutz und in der Sicherheitstechnik. 

Was Marie Curie unwissentlich erduldete, wäre heute mit modernen Schutzmaßnahmen vermeidbar. 

Ihre strahlenden Notizen werden noch Jahrhunderte lang Zeugnis ablegen von einer Zeit, als die Menschheit die unsichtbaren Kräfte des Atoms zu verstehen und zu nutzen begann – und dabei einen hohen Preis zahlte.

Die Bleikisten in der Pariser Bibliothek hüten so nicht nur die Aufzeichnungen einer der größten Wissenschaftlerinnen der Geschichte, sondern auch eine Lektion über die Verantwortung der Forschung und den Wert des menschlichen Lebens im Dienste der Erkenntnis.

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