Verkehr

Roll over Beethoven

„Es muss in einer modernen Gesellschaft ohne Einschränkung erlaubt sein, Ideen und Ideologien schlecht zu finden und zu kritisieren.”

 

Roll over Beethoven

„Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es.”

Bertrand Russell

klar-gelogen-250

Heute, Montag, den 8.12.2014, findet die 250. sog. „Demonstration gegen Stuttgart 21.” statt.
Was groß und breit als „Protestaktion” angekündigt wurde, ist nicht mehr als eine Kasper-Theater-Vorstellung, nur dass die Zuschauer erwachsene Leute sind, die mit ihrem Leben nichts anzufangen wissen und „Wutbürger” meinen spielen zu müssen (aus Langeweile).

Durch alle politischen und juristischen Instanzen und Verfahren positiv durchgegangen, begutachtet durch eine Schlichtung, bestätigt durch den Stresstest und durch einen Volksentscheid abgesegnet, wird das offiziell seit vier Jahren im Bau befindliche Bahnprojekt S21 in ein paar Jahren fertiggestellt sein, woran auch kein S21-Gegner etwas rütteln kann, auf wenn sie es gerne hätten.

Stutzig machte uns, dass die „wirklichen Helden” der S21-Gegnerschaft heute nicht auf der Demo anwesend sein werden.

Diese halten sich momentan in Moskau auf.

Sie nehmen an einen Gottesdienst bzw. einer Messe in der Großen Basilika statt.

Die Exklusivrechte haben die selbst deklarierten „lebenden Legenden” an den Fernsehsender „Russia Today Germany” verkauft, wobei über die Höhe der Tantiemen Stillschweigen zumindest von Seiten „Russia Today Germany” vereinbart wurde …

In der Basilika steigt den Gläubigen und Anwesenden der Weihrauch in die Nasen, während leise gregorianische Choräle die Stimmung auf den religiösen Höhepunkt steigern.
Draußen macht Väterchen Frost seinem Namen alle Ehre und überzieht „Balschaja Rassia” mit eisiger Kälte.

Der ortholdoxe Patriarch Dionysys Istnachtwalpurgis steigt langsam auf die Empore und liest die heiligen Worte aus dem Buch der Bücher vor, während die Choräle leiser werden und dann ganz verstummen.
Der Patriarch liest langsam und einfühlsam und macht ab und zu Pausen, um die Worte wirken zu lassen.
Während der Patriarch die Hände nach oben streckt und hoch zum Allmächtigen schaut, stehen vier Personen in der Reihe 21 auf, zwei links und zwei rechts – vom Patriarchen aus gesehen.

Die beiden Zweiergruppen laufen Richtung der Empore, auf der Dionysys immer noch nach oben schaut und den Allmächtigen anruft.

„Russia Today Germany” richtet die Kameras auf die vier Personen.

Die vier Personen steigen die Empore hoch und vereinigen sich hinter dem Altar.
Einer von ihnen steigt hoch und hilft einem alten Mann mit zwei schwarzgepunkteten gelben Armbinden rauf. Dies will aber erst klappen, als die beiden anderen mithelfen.

Dann stehen sie auf dem Altar.

Der alte Mann braucht etwas länger, aber dann stehen alle mit entblößtem Oberkörper auf dem Altar.
Auf den Brustkörben steht in roten Lettern:

S21 – Njet!”

Dann skandieren sie laut: „Kein S21! Kein S21 … !”

Dionysys kehrt zurück aus seiner religiösen Ekstase und schaut nach hinten.
„Kommen Sie sofort darunter!”, herrschte er die Störenfriede an, doch diese schreien: „Oben bleiben! Oben bleiben … !”

Sicherheitskräfte und Milizionäre kommen hereingelaufen und reißen die Störenfriede vom Altar.
„Russia Today Germany” live dabei!

Die hysterischen Schreie „Oben bleiben! Oben bleiben … !” werden schriller und schriller.

Die gelbe Armbinden gehen kaputt, Knochen knirschen, man hört Schmerzensschreie.

Ein grüner Ärmel mit Lederhasndschuhen verdeckt das Objektiv der Kamera von „Russia Today Germany” und schlägt sie zu Boden.
Die Fernsehübertragung von „Russia Today Germany” geht offline.
Ein Bus mit dem Schild „Nach Sibirien” wird mit Männer, die nackte Oberkörper haben, beladen und fährt weg.

Die ganze Sache erscheint nirgends, wird tot geschwiegen.

Einzig und allein eine kleine Gruppe von „Keintologen„und s21-Gegnern reicht ein Video der Aktion – „Schwabenstreich in Moskau” –  auf der Demo durch.

Man munkelt, dass vier Leute in Sibirien bei Eiseskälte einen unterirdischen Bahnhof bauen müssen.

Roll over Beethoven

„Wenn man tot ist, ist das für einen selber nicht schlimm, weil man ja tot ist.
Schlimm ist es aber für die Anderen.

Genauso ist es übrigens, wenn man doof ist …”

 

Roll over Beethoven

„Egal, wie tief man die Messlatte für den menschlichen Verstand ansetzt.
Täglich läuft jemand aufrecht drunter her.”

 

koenig-erl

Heute hatte ich einen Termin bei einem Zulieferer von Mercedes-Benz.

Da ich zwar die Adresse gefunden hatte, aber nicht wusste – Ich war zum ersten Mal dort. – wo sich der Eingang befand, sah ich mich um.
Ich sah eine Tür, die sich öffnete, und dort ging ein Mann heraus, der sich eine Zigarette anstreckte.
Die Tür stand, nachdem der Mann über den Platz gegangen war, offen und ich trat ein.

„Was willst du hier?”, wurde ich laut angeschrien, „Hau hier ab!”
Ich erschrak und wusste nicht, in welchem Film ich gerade mitspielte.
„Wie kommst du hier herein?”, bellte man mich wieder laut an, „Verschwinde und lösche deine Fotos von deinem Handy.”
Noch ehe ich überlegt hatte, dass mein Handy in meiner Hemdtasche war, ging es laut weiter:  „Wenn du das nicht tust, kriegst du eine Menge Ärger!”

Ich war so geschockt, dass ich ziemlich belämmert aus gesehen haben musste.
„Ich suche Herrn Hänsler”, stammelte ich, doch jemand schrie: „Den gibt es hier nicht. Jetzt hau endlich ab!”

Plötzlich tippte mir jemasnd auf die Schulter, und ich ging in die Verteidigungs(kampf)stellung, weil ich damit rechnete, dass Security-Leute oder ähnliches hinter mir standen.
Der Mann, der hinter mir – also nach meiner Drehung vor mir – stand, lächelte breit und sagte in lautem Ton: „Jungs regt Euch ab. Er sucht mich.”
„Hänsler!”, stellte der Mann sich vor und reichte mir breit grinsend die Hand.
„Wie sind Sie hier herein gekommen?”, wollte Hänsler wissen, und ich erzähte von dem Mann, der zum Rauchen hinausgegangen war.
Er grinste breit und meinte: „Das war Zufall, dass der Mann gerade rausging. Hier werden Erlkönige – Prototypen von noch nicht veröffentlichen Automodellen – ausgestattet und in Sicht-Schutz-Folie eingepackt. Die Männer reagieren immer ziemlich genervt, wenn jemand hier in der Nähe herumschleicht, weil es ein Paparazzo sein könnte, der Bilder von den Autos machen will.”

Standpunkt Die Nachrichten Motorradfahrer

Ein Motorradfahrer fuhr von Stuttgart-Mitte über die Weinsteige Richtung Stuttgart-Degerloch.
Neben ihm auf der rechten Spur fuhr ein Polizist mit Dienstmotorrad – ein sog. „Motorrad-Polizist”. Ebenso wie der Motorrad-Polizist stand der zivile Motorradfahrer hinter einem Auto vor der roten Ampel.
Der Motorrad-Polizist bog ab und der zivile Motorradfahrer fuhr weiterhin geradeaus.
An der nächsten Ampel musste der Motorradfahrer wieder stoppen, doch fuhr eng an der Autoreihe vorbei und stellte sich vor das erste Auto, das an der roten Ampel stand. Als die Ampel grün wurde, gab der Motorradfahrer Gas und fuhr sehr schnell weiter.

Diese Geschichte erzählte uns ein Bekannter.

Dieses oben beschriebene Verhalten ist anscheinend das Verhalten der meisten Motorradfahrer.
Es ist besonders in Staus auf Autobahnen zu beobachten. Die langsam fahrenden Autos quälen sich mehr oder weniger im Stop-and-go über die Autobahn. Zwischen den Fahrstreifen drängeln sich die Motorradfahrer, obwohl dies laut StVO nicht erlaubt ist, da jeder Verkehrsteilnehmer, der sich im Stau befindet, auf seiner Position bleiben muss und bereit zu sein hat, zu fahren, wenn der Verkehrsfluss es zulässt.
Die Polizei ignoriert dieses verkehrswidrige Drängeln bzw. Durchfahren mehr oder weniger.

Die Motorradfahrer versuchen aber auch, sich durchzuschummeln, wenn kaum noch Platz zwischen zwei Autos besteht. Sie nehmen Beschädigungen in Kauf. Dabei wird wild gestikuliert und geschimpft und auch oft herumgepöbelt. Wenn es dann gar nicht geht, fährt man auch schon mal über den Standstreifen, was laut StVO auch verboten ist.

Wir – selbst Motorradfahrer – wurden auch schon beschimpft, wenn wir Auto fuhren.

In Trier konnten wir eine Motorradkolonne aus Platzgründen nicht durchlassen. Das erste sich in der Kolonne befindliche, wuchtige und breite Motorrad, dessen Fahrer sich sehr lautstark über die „bescheuerten Autofahrer“ aufregte, klopfte sogar mehrmals auf unser Autodach. Jeder halbwegs normale Mensch konnte sehen, dass zwischen uns und dem Auto neben uns kaum Platz war. Ausweichen konnte niemand.
Irgendwann schaffte der pöbelnde Egoist es irgendwie, neben uns herzufahren, obwohl nicht mal eine Handbreit zwischen beiden Autos und der großen „Maschine“ Platz war.
Als „Strafe“ nötigte er uns und den Autofahrer neben uns mit niedriger Geschwindigkeit.
Auf der abschüssigen Straße bremste er uns permanent aus, um sein kindliches Machtgehabe auszuleben.
Hinter uns hupten die anderen Motorradfahrer, aber nicht um ihren Unmut über den Blockierer kundzutun, sondern ihn zu unterstützen in seinem „Wahn“.

Solche „Manöver“ von Motorradfahrern dürften jedem bekannt sein und jeder war bestimmt schon mal in sowas involviert.

Wir haben unseren Unmut kundgetan, als wir unterwegs mal wieder im Stau steckten und Motorradfahrer wieder sehr eng zwischen den Autoreihen herfuhren. Motorradfahrer antworteten ziemlich erbost und aggressiv auf unsere Stellungnahme, dass wir keine Rücksicht mehr auf sie nähmen. Sie nannten uns „Egoisten“, die nur an sich dächten und auf niemanden Rücksicht nähmen. Es interessierte niemanden die Situation, die passiert war und weswegen wir im Internetforum den „Appell“ veröffentlicht hatten.

Es machte jemand Stimmung gegen sie und den musste man „beißen“. Zwischen den Hasstiraden gegen uns kamen auch „Argumente“ ans Tageslicht.

Angeblich müssten Motorradfahrer weiterfahren, weil sie sonst stürben, erklärte man uns, denn in der Bekleidung sei es sehr heiß. Nur durch Fahrtwind würden sie gekühlt.
Das war uns neu.
Wir recherchierten, fanden aber keine Statistik über Motorradfahrer, die an Überhitzung gestorben waren.

Zweitens hätten wir eben keine Ahnung vom Motorradfahren, obwohl wir mehrmals darauf hinwiesen, auch Motorrad zu fahren. Einzig und allein kennt man eben das „Freiheitsgefühl“ nur als Motorradfahrer.

Wenn Motorräder sich durchmogeln, um vor dem ersten Auto an der roten Ampel zu stehen, käme das davon, dass Motorräder schneller beschleunigten und deren Fahrer an die anderen Verkehrsteilnehmer und deren schnelles Weiterkommen dächten. Ein „hehres Ziel“ sei dies, erklärte man uns.

Die Autofahrer sollten sowieso den Ball flach halten, weil Motorräder weniger Sprit verbräuchten und dies sei ja umweltschonend, klärte man uns ebenfalls auf.

Das „Highlight“ war, als sich ein Motorradfahrer beschwerte, er sei in einem stillstehenden Stau durch die „Mitte“ zweier Reihen gefahren und plötzlich habe ein Autofahrer – natürlich ein „absolut rücksichtsloser“ – die Seitentür aufgerissen. Dies sei eine „Frechheit sondergleichen“.

Jeder Autofahrer weiß, dass Motorradfahrer sich durch die Städte neben den Autos herschummeln, sich mit erhöhter Geschwindigkeit bewegen (wegen des sog. „Freiheitsdrangs“) und sich noch mehr solche Dinge herausnehmen.

Ich konnte auf Höhe der Autobahn am Flugfeld Böblingen / Sindelfingen innerhalb einer Woche zweimal beobachten, wie Motorradfahrer Unfälle bauten.

Auf der Wolfgang-Brumme-Allee, Böblingen, bzw. Rudolf-Diesel-Straße, Sindelfingen, wollte sich ein Motorradfahrer durchschlängeln. Ein Autofahrer rechnete nicht mit ihm, fuhr wieder „passend“ in die Spur. Der Motorradfahrer blieb am vorderen Kotflügel des Auto hängen und fiel hin. Der Motorrad erlitt einen imsensen Schaden.
Zwei Tage später passierte an der gleichen Stelle, allerdings in Gegenrichtung, sowas Ähnliches.
Ein Auto, das auf dem Bedarfsplatzplatz stand, wurde von einem anderen Autofahrer freundlich hineingewunken in den fließenden Verkehr. Ein Motorradfahrer fuhr in der Mitte hindurch und kam zu Fall.

Tenor beider verunfallten Motorradfahrer war, dass die Autofahrer aufpassen sollten, wo sie hinführen. Als ich intervenierte, dass der (letzt genannte) gar nicht zwischen den Spuren durchfahren dürfte, war ich der Täter, denn ich bekam seinen Hass zu spüren. Die Argumentation war übrigens, dass es kein Überholverbot für Motorradfahrer gäbe, da das Überholverbotsschild zwei PKW nebeneinander – im Fachjargon „zwei- bzw. mehrspurige Kraftfahrzeuge“ genannt – dargestellt seien und diies nicht für Motorräder gelte, weil diese „einspurige Fahrzeuge“ seien.

Auch die Polizeibeamten, die dazu gerufen wurde, hatten laut des Verunfallten „keine Ahnung“ und waren parteiisch bzw. voreingenommen.

So ist es halt immer und immer wieder mit ihnen, den armen Motorradfahrern, die nur „Freiheit“ ausleben wollen!

Sie nehmen sich Dinge heraus, die ihnen ncht zustehen, und giften jeden, der nicht damit einverstanden ist, aggressiv an. Auch kommen „Argumente” ans Tageslicht, die schon gegenbewiesen sind, wenn sie ausgesprochen wurden.

Die Autofahrer sind Egoisten, aber auch Fahrradfahrer, die die Motoradfahrer „behindern“.

Der Slogan der Motorradfahrer „Motorradfahrer töten nicht, sie werden getötet.“ ist der dämlichste, der jemals erfunden wurde!

 Weiterführendes:


Zu dem Artikel „Willkürlich verurteilt” möchte ich noch etwas schreiben.

Als der Richter und ich nach der „Verhandlung” noch miteinander „kumpelhaft” redeten, sagte er mir – er meinte wohl eher, mir dies ans Herz legen zu wollen – im Gesetz stehe, Handys in der Hand zu halten beim Fahren sei verboten, doch wenn sich das Handy in einer Halterung fest arretiert befinde, könne ich dies tun, weil es eben nicht verboten sei, das Handy zu benutzen in der Halterung. Ich könne auch SMS schreiben etc., weil laut Gesetz „nur” strafbar sei, das Handy in der Hand zu benutzen.

Dies sollte wohl ein „gut gemeinter Ratschlag” sein, doch nach dem Verlauf des Gerichtstermins kam es mir eher vor wie eine „Rechtfertigung” seinerseits mit einem Touch „Kumpelhaftigkeit”, oder vemeintlicher „Ehrenrettung”, um sein längst verlorenes Gesicht noch irgendwie ein klein bisschen zu retten..

Ich stellte dann etwas dar, womit er nicht gerechnet hatte und was er nicht wahrhaben wollte.

Wir haben in Deutschland die drei Säulen der (Staats-) Gewaltenteilung – Legislative (gesetzgebende Gewalt), Judikative (richterliche Gewalt) und Exekutive (ausführende Gewalt).
Wenn man nun bedenkt, dass – wie eben erwähnt – die Legislative in Sachen „Handybenutzung während der Autofahrt” Fehler gemacht habe (Benutzen in der Hand), stellten sich die anderen Staatsgewalten in einem anderen Licht dar, da die Legislative die Erste Gewalt ist.
Man kennt ja auch Fälle, dass die Exekutive wie z. B. die Polizei auch Fehler machte und auch macht.
Die Exekutive ist die Dritte Gewalt. Zwischen der Ersten und Dritten, steht nun die Zweite Gewalt: Judikative (manchmal auch Judispudenz genannt).
Warum sollten die Legislative und die Exekutive Fehler machen und die Gewalt in der Mitte – Richter bzw. Gerichte – nicht?

Der Richter hatte mir kurz vorher gesagt, von 150 „solchen Fällen” wie meinen pro Jahr, habe er keinen stattgegeben, was mir sehr zu denken gab.

Ich sagte, man könne davon ausgehen, dass auch Vertreter der Judikative, wie er es auch sei, Fehler machen könnten, aus dem Grund wie oben beschrieben.

Dies gefiel ihm überhaupt nicht, was man an seiner Mimik erkennen konnte, und er blieb mir eine Antwort schuldig, indem er mir dann einen schönen Tag wünschte und verschwand.

Bildquelle: Pixelio.de / Thorben Wengert 

Gestern, den 27.6.2014, war (endlich) der Gerichtstermin bezüglich einer Einspruchssache zur angeblichen Handybenutzung meinerseits.

Ich hatte während einer Autofahrt innerhalb Böblingens mein Portemonnaie aus der Gesäßtasche genommen und es in die Mittelkonsole abgelegt.
Ein Polizist will gesehen haben, es wäre ein Handy gewesen. Obwohl ich hätte es aufklären können und wollen vor Ort, passierte nichts. Der Polizist blieb bei der Version „Handy“.
Ich legte Einspruch ein und gestern war der Termin vor Gericht.

Alleine mit dem Richter stellte ich dar, wie es gewesen war.
Dem Richter war unverständlich, warum ich Einspruch eingelegt hatte, denn wenn ein Polizist etwas behaupte, dann sei es eben so.
Ich zeigte mein Portemonnaie – mit einem aufgedruckten Stadtplan – und sagte, man hätte dies leicht verwechseln können mit einem Handy.

Es folgte im Vier-Augen-Gespräch eine suggestive Belehrung über Falschaussagen und deren Ahndung, die jedoch an mir abperlte wie Wasser an einem heißen Stein. Was Recht ist, muss Recht bleiben.

Dann wurde der Zeuge, der Polizeibeamte – nennen wir ihn einfachhalber Herr G. – aufgerufen, hineinzukommen. Nach dem dritten Aufruf ging der Richter kurz hinaus, um zu schauen, ob er da sei.
Danach ging er in den Raum hinter dem Gerichtssaal und telefonierte mit der Dienststelle der Polizei Böblingen und wurde prompt mit Herrn G. verbunden, den er aufforderte, ins Gericht zu kommen.

Die Verhandlung wurde unterbrochen und ich saß in der hinteren Reihe. 
Ich konnte einer Verhandlung beiwohnen, bei der es um einen Beinahe-Unfall wegen überhöhter Geschwindigkeit innerorts mit einem Zeugen ging und erfuhr, dass das Verfahren an Mangel an Beweisen vonseiten des Richters eingestellt wurde. Mir ist schleierhaft, warum dies geschah, obwohl ein Zeuge dort war und eine schriftliche Aussage einer Zeugin vorlag.

Dann ging es wieder um „meine“ Verhandlung.

Der Polizist wusste erst mal nicht, worum es sich handelte und bekam die Akte vom Richter vorgelegt.

Nach dreißig Sekunden Durchfliegens sagte er: „Ach die Sache!“, als wenn er es nur kurz vergessen hätte.

Er sagte, er habe beobachtet, wie ich ein Handy im Auto in der Hand gehabt hätte. 
Auf mein Intervenieren und Vorzeigen des Portemonnaies schaute er sehr irritiert, dachte fünf Sekunden nach und kam mit: „Ich habe gesehen, wie er auf dem Telefon tippte“. 
Portemonnaie“ sagte ich bestimmend.

Ich nahm mein Handy aus der Gürteltasche, nahm es in die Hand und tippte mit meinem Daumen etwas ein und sprach dazu: „Heute ist Freitag“, 
Der Richter und der Polizist schauten mich an und der Richter fragte, was ich machte.
„Ich habe das Handy in der Hand, wie Herr G. es beschrieb und habe ‚Heute ist Freitag‘ eingetippt. Sie sahen und hörten, dass ich bedingt durch meinen langen Daumennagel auf dem Touchdisplay nicht alle Buchstaben eintippen konnte, da das Touchdisplay nur auf Berührung der Haut reagiert.“
Seltsame Gesichter.
Dann nahm ich das Handy in die linke Hand und tippte mit meinen Mittelfinger der rechten Hand wieder das gleiche ein. Diesmal klappte es, weil der Mittelfinger, den ich immer zum Tippen benutze, immer das Display berührt hatte.

Der Polizist erwiderte, er habe auch die Glasfläche gesehen, wobei ich dies abstritt, da das Portemonnaie eine matte Oberfläche habe.

Der Polizist kam auch darauf zu sprechen, dass er immer ganz genau bei seiner Arbeit sei und nur seinem Kollegen bescheid sagte, wenn er sich ganz sicher sei. Wenn irgendetwas nicht klar sei, würde der Kollege sich rückversichern oder er nichts Unternehmen.

„Dann hat der Kollege noch gesagt, der Fahrer würde Widerspruch einlegen.“, sagte er, doch ich intervenierte wieder: „Ich bin Journalist und man lernt, dass man seine Ziel oder Aktionen nie vorher bekannt gibt. Stellen Sie sich vor, das Team Wallraff würde Burger King mitteilen, dass sie Hygienetests machen. Dann ergriffe Burger King direkt Maßnahmen im Vorfeld, entweder dies zu verhindern, oder es würden extra Reinungskolonnen beauftragt, damit alles sauber ist. Ich habe dies dem anderen Polizisten definitiv nicht mitgeteilt.“

Kurze Ruhe im Saal …

Der Richter wollte beschwichtigen, es können mir durchaus rausgerutscht sein, doch ich sagte dominant: „Niemals!“

Anderes Thema!

Es folgte eine Rechtfertigung des Polizisten, dass er von dort, wo er gestanden habe, alles gesehen habe und er wohl keinen Nutzen hätte, etwas zu tun, was nicht stimme.

Ich warf das Wort „Anzeigen-Bingo“ laut in den Raum.

Der Richter machte verkrampft ein Poker-Face, der Polizist versuchte, ruhig zu sein, doch seine Augen zuckten wild.

„Ich kann dies, was ich jetzt sage unter Eid genauso wiederholen, wenn sie wollen“, begann ich, „oder ich kann jemanden benennen, der dies an Eides statt bezeugen kann. Die Polizisten spielen ein Spiel, bei dem derjenige der Gewinner ist, der pro Tag, pro Woche oder pro Monat bzw. in einen bestimmten Zeitraum die meisten Anzeigen verteilt hat bzw. die meisten Ordnungsverfahren eingeleitet hatten. Wie gesagt, kann ich dies auch unter Eid bezeugen.“

Wieder Ruhe im Saal …

Es gab keinen Kommentar dazu, weder vom Richter, noch vom Polizisten.

Der „Zeuge“, Herr G., durfte dann gehen.
Ich war wieder mit dem Richter alleine, der komischerweise „kumpelhaft“ mit mir redete, aber klarmachte, es gäbe an der Aussage des Polizisten nichts zu rütteln und schlug mir vor, ich solle den Einspruch zurückziehen, den er würde dem Einspruch nicht stattgeben. Ansonsten würde es teurer für mich, da das Verlesen eines Urteils zur Zahlung des „Verwarngeldes“ kostenpflichtig sei.

Ich gab zu Protokoll, ich würde den Einspruch zurückziehen, allerdings forderte ich den Richter auf, mit aufzunehmen, dass ich nicht einverstanden sei mit der Aussage des Polizisten, da es an den Haaren herbeigezogen sei und auch Fehler aufgetreten seien. 
Dies geschah.

Ob ich etwas unternehmen werde oder nicht, werde ich hier nicht sagen, denn ich bin Journalist und sage nicht, ob ich etwas unternehme oder recherchiere.

Bildquelle: Pixelio.de / Thorben Wengert 

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