Kulturelles

Über Kulturen, stellenweise Fremdartiges etc.

Pfingsten ist eines der wichtigsten Feste im christlichen Kirchenjahr und wird 50 Tage nach Ostern gefeiert. 

Der Name leitet sich vom griechischen Wort „Pentekosté” ab, was „der fünfzigste Tag” bedeutet. 

In Deutschland ist Pfingsten ein gesetzlicher Feiertag, der traditionell auf einen Sonntag und den darauffolgenden Montag fällt.

Die Ursprünge von Pfingsten gehen auf ein Ereignis zurück, das im Neuen Testament der Bibel beschrieben wird. 

Nach der christlichen Überlieferung versammelten sich die Apostel Jesu etwa sieben Wochen nach seiner Kreuzigung und Auferstehung in Jerusalem. 

Während sie beteten, geschah etwas Außergewöhnliches: 

Der Heilige Geist kam über sie herab, was sich durch verschiedene Zeichen manifestierte. 

Die Apostelgeschichte berichtet von einem Brausen wie von einem gewaltigen Wind, von Feuerzungen, die sich auf ihre Häupter setzten, und davon, dass sie plötzlich in verschiedenen Sprachen sprechen konnten.

Dieses Ereignis hatte dramatische Auswirkungen auf die frühe Christenheit. 

Die Apostel, die zuvor voller Furcht und Unsicherheit waren, wurden von einer neuen Kraft erfüllt und begannen mutig, das Evangelium zu verkünden. 

Sie sprachen zu Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen, die alle das Evangelium in ihrer eigenen Sprache hören konnten. 

Der Apostel Petrus hielt an diesem Tag eine Predigt, nach der sich etwa 3000 Menschen taufen ließen und der christlichen Gemeinde anschlossen.

Aus diesem Grund wird Pfingsten oft als „Geburtstag der Kirche” bezeichnet. 

Es markiert den Moment, in dem aus einer kleinen Gruppe von Anhängern Jesu die weltweite christliche Bewegung entstand. 

Der Heilige Geist wird in der christlichen Theologie als die dritte Person der Dreifaltigkeit verstanden und gilt als die Kraft Gottes, die in den Gläubigen wirkt und sie befähigt, christliches Leben zu führen.

Die theologische Bedeutung von Pfingsten ist vielschichtig. 

Es symbolisiert die Vollendung des Heilswerks Christi, da nach Jesu Tod, Auferstehung und Himmelfahrt nun der Heilige Geist als bleibende Gegenwart Gottes unter den Menschen wirkt. 

Pfingsten steht auch für die Überwindung der babylonischen Sprachverwirrung, da Menschen verschiedener Sprachen und Kulturen das Evangelium verstehen konnten. 

Dies unterstreicht den universalen Charakter der christlichen Botschaft.

In der liturgischen Tradition verschiedener christlicher Konfessionen wird Pfingsten unterschiedlich gefeiert. 

In der katholischen und orthodoxen Kirche ist es ein Hochfest mit besonderen Gottesdiensten, oft gekennzeichnet durch rote liturgische Gewänder, die das Feuer des Heiligen Geistes symbolisieren. 

Protestantische Kirchen begehen das Fest ebenfalls mit besonderen Gottesdiensten und betonen dabei oft die Bedeutung der Geistesgaben und der Mission.

Im Volksglauben und in regionalen Traditionen haben sich über die Jahrhunderte verschiedene Pfingstbräuche entwickelt. 

Dazu gehören der Pfingstbaum, das Aufstellen von Birken oder anderen grünen Zweigen, Pfingstfeuer und verschiedene Prozessionen. 

In manchen Gegenden wird das Pfingstfest auch mit Naturerlebnissen und Volksfesten verbunden, da es in die Zeit des Frühsommers fällt.

Die kulturelle Bedeutung von Pfingsten reicht über den religiösen Bereich hinaus. 

Als verlängertes Wochenende markiert es in Deutschland traditionell den Beginn der Reise- und Urlaubszeit. 

Viele Menschen nutzen die Pfingstferien für Ausflüge in die Natur oder für kurze Reisen. Gleichzeitig ist es aber auch eine Zeit der Besinnung und der Gemeinschaft in den christlichen Gemeinden.

Pfingsten verdeutlicht zentrale christliche Überzeugungen: die Gegenwart Gottes in der Welt, die Kraft des Glaubens zur Überwindung von Grenzen und Sprachbarrieren, sowie die Sendung der Christen, das Evangelium zu verkünden. 

Es erinnert daran, dass der christliche Glaube nicht nur eine private Angelegenheit ist, sondern eine Kraft, die Menschen verbindet und zur Verkündigung der frohen Botschaft befähigt.

Genie oder Baden 2.0?

Wenn Jugendliche das Rad neu erfinden (und scheitern)

Kevin, Maya und Luisa stehen im Badezimmer und betrachten stolz ihr Werk: Die Frottee-Badematte ist jetzt mit einem Badelaken „geschützt“ – schließlich soll sie ja nicht nass werden. 

Warum einfach die Matte zur Seite legen, wenn man auch ein halbgares Hygienekonzept entwickeln kann? 

Ein Hoch auf die Kreativität der Generation „Ich hab’ das im Internet gesehen, also geht das“.

Doch die drei sind nicht allein. 

Da ist zum Beispiel Jonas, der stundenlang Tutorials über Knoten schaut, aber beim Schuhebinden scheitert, weil „die Schnürsenkel von heute einfach anders sind“. 

Oder Sophie, die ihren Kühlschrank per Smartphone steuern kann, aber verzweifelt vor der Mikrowelle steht, weil die „Start“-Taste zu kompliziert ist. 

Und wer könnte vergessen, wie Emma einen YouTube-Hack ausprobierte, um ihre verschlossene Tür mit einer Kreditkarte zu öffnen – nur um festzustellen, dass ihre Tür keinen Schnapper hat, sondern einfach … zugezogen und angelehnt war?

Die Jugend von heute ist getrieben von der Überzeugung, dass jede Lebenssituation mit einer 10-sekündigen Google-Suche gelöst werden kann. 

Doch sobald sie auf reale, analoge Probleme stoßen – wie etwa eine nasswerdende Badematte –, offenbart sich die bittere Wahrheit: Das Internet gibt zwar Antworten auf Fragen, die niemand stellte, aber keine auf die, die wirklich zählen.

Ja, sie können Algorithmen erklären, aber nein, sie wissen nicht, wie man eine Klobürste benutzt. 

Fortschritt ist schön – aber vielleicht sollte man erstmal die Basics meistern, bevor man die Badematte revolutioniert.

Wenn der Himmel brüllt

Lady Hazel von Blitzfell erzählt

Heute, 16 Uhr Ortszeit, Koordinaten: Südflügel des Palazzo dei Venti,
Hausbibliothek mit direkter Verbindung zur windumspielten Veranda.


Ich lag, wie es sich für eine Dame meines Standes geziemt, auf dem mit Moosfasern gepolsterten Diwan. Mein Mensch – der Literat, der Tüftler, der Denker – hatte es sich neben mir bequem gemacht, mit einem leuchtenden Lesegerät, das flimmerte wie ein gezähmter Sturm im Taschenformat und ihm Gedanken in den Kopf schreibt. 

Die Tür zur Veranda stand offen.
Die Luft schmeckte nach Kupfer und Vorahnung. 

Ich roch es, bevor es geschah.

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Der heilige Rausch

Betrachtungen zum Hochamt des Bollerwagens

Einmal im Jahr, wenn der Frühling die Biergärten auftaut und die Vögel ahnungslos weiter zwitschern, bricht er an: der „Männertag” oder „Vatertag” – jenes Ritual aus archaischen Zeiten, das uns eindrucksvoll beweist, wie tief verwurzelt der Homo sapiens im emotionalen Feuchtbiotop seiner Vorfahren steckt. 

Es ist der Heilige Feiertag des heiligen Vollrauschs, das Vatikanische Konzil der Hopfenjünger, der Urknall der Testosteronromantik. 

Und es kommt immer schlimmer, als man sich erinnern kann. 

Mit martialischer Entschlossenheit und feuchten Augen der Vorfreude ziehen sie aus, die Pilger der Prostata: ausgerüstet mit Bollerwagen, Bierkästen und einer Vorstellung von Männlichkeit, die irgendwo zwischen Bud-Spencer-Filmmarathon und einem Werbeclip von 1963 stehen geblieben ist. 

Was fehlt, sind nur noch die Keulen, das Lendentuch und der Grunzer als sprachliche Einheit. 

Aber wer braucht schon Worte, wenn man auch in Flaschen kommunizieren kann?

Das Ziel? Unklar. Der Weg? Flüssig.

Der Weg ist das Ziel, das Ziel ist der Weg – Hauptsache, es knallt. 

Kilometer um Kilometer ziehen sie durch Wälder, Wiesen und Wohnsiedlungen, ihre Routen verlaufen frei nach Schnapsnase und GPS-Glück, unterbrochen nur von strategisch wichtigen Tankstellen und tragischen Stürzen über die eigenen Füße. 

Und natürlich darf er nicht fehlen, der unvermeidliche Moment, in dem mindestens ein Teilnehmer würdevoll seinen Mageninhalt ins Gebüsch übergibt – eine Art ritueller Reinigung, die offenbar zum spirituellen Kern dieser Festivität gehört.

Was an anderen Tagen als „öffentliches Ärgernis“ oder „Belästigung“ durchgeht, wird an diesem einen Tag zur Kulturleistung erhoben.

Wo sonst Alkoholprobleme Anlass zur Sorge geben, ist nun das gezielte Trinken bis zur Selbstverleugnung ein Ehrenkodex. 

Der Blutalkoholspiegel ist das Maß aller Dinge, der IQ ein vernachlässigbarer Kollateralschaden. 

Derjenige, der am längsten lallt, hat gewonnen – auch wenn niemand mehr weiß, worum es ging.

Feuchtfröhlich ins Patriarchat

Doch halt!

Der „Männertag!” oder „Vatertag” ist mehr als nur Trunkenheit auf Achse.

Er ist eine Art Rücksturz in ein Paralleluniversum, in dem der Mann noch Mann sein darf – also laut, stinkend und emotional nur in Form von Schreiduellen und Schubsern auffällig. 

„Männerfreundschaft“ äußert sich hier in Schulterklopfern, die an Körperverletzung grenzen, und im gemeinsamen Urinieren gegen den Wind. 

Die Zivilisation bleibt zu Hause, während der primitive Reflex spazieren geht.

Natürlich könnte man den Tag auch als echten „Vatertag” begehen, also wirklich: Väter ehren, Verantwortung feiern, vielleicht mit der Familie grillen und die Kinder hochleben lassen. 

Aber das wäre ja fast schon ein gesellschaftlicher Beitrag – und der passt schlecht in den Bollerwagen. 

Stattdessen wird die Männlichkeit gefeiert, wie sie die Werbeindustrie von Biermarken in den 60ern definiert hat: mit Hopfen, Hau-drauf-Humor und einem Selbstbild, das irgendwo zwischen Cowboy und Bauarbeiter schwankt.

Das Morgen danach: ein Kater und kein Königreich

Und dann kommt das bittere Erwachen – wortwörtlich. 

Der nächste Morgen bringt nicht nur Kopfschmerzen, sondern auch die leise Ahnung, dass die „großartige Tour“ in Wahrheit eine kreisförmige Wanderung um den nächsten Parkteich war. 

Der Heldenmut weicht der Migräne, der Gruppenzusammenhalt der gegenseitigen Funkstille. 

Die leeren Flaschen bleiben zurück wie Artefakte einer untergegangenen Kultur, in der es einst hieß: „Einer muss noch gehen!“

Doch keine Sorge – in genau einem Jahr ist es wieder so weit. 

Dann heißt es wieder: „Prost, Männlichkeit!”

Die Tradition lebt weiter, solange es Bier, Bollerwagen und das Bedürfnis gibt, sich an einem einzigen Tag so daneben zu benehmen, dass es für die restlichen 364 reicht.

Denn wenn der Pegel mehr zählt als der Verstand, ist der Männertag nicht nur ein Feiertag – er ist eine warnende Legende auf zwei Beinen.

Exklusiv: Wir verschenken unsere Persönlichkeitsrechte – weil Kommerz ja schließlich Ehre ist!

Wir haben gerade beschlossen, dass Privatsphäre ein überbewertetes Konzept ist.

Liebe Konzerne, liebe Datenkraken, liebe Sammler menschlicher Würde in algorithmischer Form,

heute ist ein großer Tag für uns alle – denn wir haben beschlossen, endlich unsere restlichen Skrupel über Bord zu werfen und euch uneingeschränkten Zugriff auf unser Leben zu gewähren. Warum sollten wir auch etwas für uns behalten, wenn es doch viel lukrativer ist, jeden noch so peinlichen Schnappschuss, jedes unbedachte Wort und jede unvorteilhafte Körperhaltung in monetarisierbare Content-Schnipsel zu verwandeln?

Unsere Gesichter für Tiefkühl-Lasagne – weil Authentizität hungrig macht

Hiermit erteilen wir der Firma Meta offiziell die Erlaubnis, unsere müden, ungeschminkten Morgen-Gesichter auf die Verpackung von Tiefkühl-Lasagne zu drucken. 

Nicht weil wir besonders gut aussehen (ganz im Gegenteil), sondern weil wir der festen Überzeugung sind, dass Verbraucher beim Tiefkühlregal genau das sehen wollen: Menschen, die aussehen, als hätten sie ihre letzte bisschen Lebensfreude zwischen zwei Schichten geschmolzenen Käses verloren.

  • Marketing-Slogan-Vorschlag: „Unsere Lasagne – so lecker, dass selbst diese enttäuschten Gesichter sie essen!“
  • Bonus-Feature: Sollte die Lasagne matschig sein, können Kunden sich trösten, indem sie unseren Gesichtern direkt in die Augen schauen und erkennen: „Ah, diese Menschen haben auch schon Schlimmeres überlebt.“

Jogginghosen-Selfies als Raststätten-Kunst – Hochkultur für müde LKW-Fahrer

Weiterhin erlauben wir Meta, unsere Jogginghosen-Selfies als Kunstinstallation in Autobahnraststätten auszustellen. 

Nicht etwa, weil diese Fotos künstlerisch wertvoll wären, sondern weil sie perfekt die Essenz moderner Existenz einfangen: schlaffe Bequemlichkeit, gepaart mit der resignierten Akzeptanz des eigenen Verfalls.

  • Ausstellungstitel: „Wir gingen joggen – im Geiste“
  • Standort: Direkt neben dem verdreckten Kaffeeautomaten, wo sie ihre wahre Wirkung entfalten können.
  • Interaktives Element: Besucher dürfen die Bilder mit Currywurst-Soße bewerfen – als Metapher für das eigene Lebensgefühl.

Amazon darf unsere nächtlichen Sprachmemos vertonen – Schlafentzug als Podcast

Doch warum bei Bildern aufhören? 

Wir räumen Amazon das vollumfängliche Recht ein, unsere halbdelirischen Sprachaufnahmen aus dem Halbschlaf als Meditations-Podcast zu veröffentlichen – und zwar exklusiv auf Kassette, weil nichts beruhigender ist als das Rattern eines veralteten Mediums, während eine verwaschene Stimme murmelt: „…warum ist der Kühlschrank so laut… wer hat die Katze besteuert… wir sollten wirklich mal unsere Lebensentscheidungen überdenken…“

  • Target Audience: Menschen, die ASMR zu aufregend finden und stattdessen echte geistige Umnachtung bevorzugen.
  • Premium-Abo: Für nur 9,99 €/Monat gibt’s zusätzlich unsere Schnarchgeräusche in Dolby Surround.

Warum wir das tun? Aus reiner Großzügigkeit! (Und totaler Verzweiflung)

Man könnte meinen, wir hätten uns einfach damit abgefunden, dass wir ohnehin keine Kontrolle mehr über unsere Daten haben – aber nein! Das hier ist eine bewusste, proaktive Entscheidung. Wenn wir schon ausgebeutet werden, dann wenigstens mit Stil. Und wer weiß? Vielleicht werden wir ja zum Kult-Phänomen, den postmodernen Warhol’schen Superstars des digitalen Zeitalters:

  • Die Leute, deren Gesichter für Fertiggerichte stehen.
  • Das Paar, dessen Jogginghosen-Fotos Trucker zum Weinen bringen.
  • Die Stimmen, die eine Generation in den Schlaf – oder Wahnsinn – lullt.

Fazit: Willkommen in der Zukunft – wo alles Content ist, und wir nur noch NPCs in unserem eigenen Leben

Falls ihr auch eure Reste an Privatsphäre verscherbeln wollt, meldet euch bei uns. Wir vermitteln gerne an die passenden Konzerne. Zusammen können wir es schaffen, dass kein noch so unbedeutender Moment unseres Daseins unmonetarisiert bleibt.

Die Zukunft ist jetzt, alte Freunde. Und sie ist… verdammt weird.


[Disclaimer: Dieser Text ist satirisch. Oder etwa doch nicht? Hey, Meta, falls ihr das lest – wir nehmen auch Bitcoins.]

Fordern, aber nicht fördern

Wie die „Bundesagentur für Arbeit” ihre Versprechen verspielt

Als im Jahr 2004 aus dem „Bundesamt für Arbeit” („Arbeitsamt“) die „Bundesagentur für Arbeit“ („Arbeitsagentur”) wurde, versprach die Politik nicht weniger als einen Neustart.

Weg von der trägen Behörde, hin zu einem modernen Dienstleister des Arbeitsmarktes. 

Ein „Kunde“ sollte der Arbeitslose nun sein, betreut, unterstützt, vermittelt. 

Der Grundsatz „Fördern und Fordern“ wurde zum Mantra einer neuen Ära, doch über zwanzig Jahre später scheint von diesem Versprechen nicht viel geblieben zu sein – außer dem Zwang zur Unterschrift unter eine immer gleiche Eingliederungsvereinbarung.

Ich habe mit Menschen gesprochen, die sich arbeitslos gemeldet haben, oft mehrfach. 

Die Geschichten ähneln sich, ob Akademikerin in den Vierzigern, junger Mann mit Ausbildungsabbruch oder Familienvater auf Jobsuche nach einer Kündigung: Fast alle berichten von Gleichgültigkeit, bürokratischem Automatismus und einer Beratung, die oft nicht mehr ist als ein Termin zur Fristwahrung.

„Alle sechs Monate das gleiche Papier, immer dieselben Phrasen“, sagt Petra M., 43, gelernte Mediengestalterin, die nach der Insolvenz ihres Betriebs in die Arbeitslosigkeit rutschte. 

Sie habe ihre Unterlagen „zehnmal hochgeladen, dreimal ausgedruckt mitgebracht“, doch Rückmeldungen gebe es selten. 

Vermittlungsvorschläge?

„Meist unpassend. Einmal sollte ich in einem Callcenter arbeiten – ohne Kundenkontakt, was absurd ist.“

Der zuständige Sachbearbeiter habe ihr gesagt, sie müsse „auch mal flexibel sein“.

Auf der anderen Seite sitzen Mitarbeitende, die ebenfalls unter Druck stehen. Zielvorgaben, Kontrollpflichten, Aktenberge. 

Ein ehemaliger Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte, beschreibt es so: „Wir haben keine Zeit für Menschen, nur für Prozesse.“ 

Der Computer entscheide, wann jemand wieder eingeladen wird, die Software generiere Vorschläge, oft automatisch. 

„Manche Kolleginnen und Kollegen glauben noch an ihre Aufgabe. Andere resignieren. Und wer engagiert berät, wird ausgebremst – weil es das System nicht vorsieht.“

Die „Förderung“ ist zum Nebenschauplatz verkommen. 

Wer eine Weiterbildung beantragen will, braucht Geduld und Glück. 

Maßnahmeplätze sind begrenzt, Bewilligungen zäh. 

Oft steht am Ende ein ablehnender Bescheid – mit der Begründung, man sei „vermittelbar“ oder die Maßnahme „nicht zielführend“. 

Für Menschen, die wirklich etwas ändern wollen, ist das frustrierend. 

Für ihre Motivation mitunter fatal.

Was fehlt, ist Vertrauen. 

In die Institution, in ihre Vertreter. 

„Ich habe irgendwann aufgehört zu fragen“, sagt Manfred K., 29, der nach einem Outsourcing aus dem Job fiel und sich Hilfe wünschte – vergeblich. 

„Es fühlt sich an, als sei man nur noch eine Pflicht, keine Person mehr.“

Dass sich trotz Reformrhetorik wenig verändert hat, ist nicht nur ein Versäumnis der Behörde, sondern Ausdruck eines politischen Willens, der oft mehr auf Statistik als auf Schicksale setzt. 

Die Zahl der Arbeitslosen sinkt? 

Gut.

Aber zu welchem Preis? 

Prekäre Beschäftigung, Vermittlung in Minijobs, Wegschieben in Maßnahmen ohne Perspektive – das ist keine soziale Politik, sondern Schönfärberei.

Was es bräuchte, ist eine Rückbesinnung auf das, was „Fördern“ wirklich heißt: individuelle Betreuung, echte Beratung, passgenaue Qualifizierung, langfristige Begleitung. 

Und ein System, das Zeit für den Menschen einplant – nicht nur für seine Akte.

Bis dahin bleibt die „Bundesagentur für Arbeit” oft das, was sie vor zwanzig Jahren schon war: eine Institution im Reformkostüm, die viel verspricht, aber wenig hält. 

Das „Arbeitsamt“ lebt weiter – unter neuem Namen, aber mit alten Mustern.

Die Schule – jener wunderbare Ort, an dem wir stundenlang Matheaufgaben über Verpackungen lösten: 

Wie berechnet man die Materialmenge so, dass eine Verpackung möglichst effizient ist? 

Effizient, sagten sie, weil das eine Fähigkeit sei, die wir später ganz dringend im Leben brauchen würden. 

Schließlich will ja niemand unnötig Ressourcen verschwenden, oder?

Fast schon ironisch, dass uns genau dieses Wissen heute überhaupt nicht hilft, wenn wir riesige Kartons voller Luft auspacken. 

Denn so läuft das im echten Leben: 

Ein Postpaket kommt an, voluminös, beeindruckend – und in der Mitte dieses mächtigen Kartons, nach Bergen von Schaumstoff-Chips, entdecken wir unser kleines Objekt der Begierde. 

Ein USB-Stick, ein Kopfhörer, vielleicht eine Packung Batterien. 

Das „Verpackungsmaterial effizient nutzen“ scheint in der Realität eher zu bedeuten: 

Maximale Kartongröße, minimaler Inhalt.

Aber gut, das waren wohl die unschätzbaren Lektionen unserer Schulzeit, mit denen wir auf den Alltag vorbereitet wurden. 

Minimale Materialverschwendung?

Effizienz?

Pah!

Das waren nur idealistische Träumereien, die man in den Mathematikraum eingeschlossen hat, um sie nie wieder herauszulassen. 

Stattdessen stehen wir heute staunend vor Paketen, die uns mit ihrer Leere förmlich ins Gesicht lachen. 

Die edlen Berechnungen von früher? 

In der Praxis ersetzt durch endlose Mengen dieser wunderbaren, weißen oder gelben Schaumstoff-Chips. 

Luft mit Flair, quasi.

So viel zur Schulweisheit, dass wir „Verpackungsberechnungen“ später noch brauchen würden. 

Tatsächlich haben wir gelernt, dass Verpackungen im Alltag eigentlich nur drei Aufgaben haben: 

  1. beeindruckend groß sein, 
  2. möglichst wenig enthalten, und 
  3. den Empfänger nach dem Öffnen verwirrt zurücklassen. 

Effiziente Raumnutzung?

Vielleicht im Mathebuch, aber doch nicht im echten Leben! 

Nein, dort gelten andere Gesetze: 

Hauptsache, der Kunde kriegt einen großen Karton – und die Erkenntnis, dass man eben nicht alles glauben darf, was einem in der Schule beigebracht wird.

Ein Junge in einer Stuttgarter Grundschule entscheidet: 

„Ich bin jetzt ein Hund.” 

Keine Metapher, kein Spiel. 

Ernst gemeint.

Er liegt unter dem Tisch, trinkt aus dem Napf, lebt seine neue Identität. 

Die Lehrerin versucht es eine Weile mit Geduld – bis es reicht. 

Gespräch mit den Eltern. 

Die sagen sinngemäß: 

„Tja, Pech gehabt. In Deutschland darf jeder sein, was er will. Diversity, wissen Sie?“

Diversity.

Das Zauberwort, das mittlerweile alles rechtfertigt – auch den Rückzug aus der Realität. 

Ein Kind mit offensichtlicher psychischer Auffälligkeit? 

Nein, das ist jetzt Vielfalt (Diversity).

Wer (psychologische) Hilfe anspricht, ist engstirnig. 

Wer Grenzen zieht, intolerant.

Versteht mich nicht falsch: 

Vielfalt ist wichtig. 

Richtig verstandene Diversity schützt Menschen vor Ausgrenzung und Diskriminierung. 

Aber sie ist kein Freibrief für Erziehungsversagen oder pädagogischen Wahnsinn. 

Ein Kind, das glaubt, ein Hund zu sein, gehört nicht in ein Napf-Parlament, sondern in eine verständnisvolle, aber klare therapeutische Begleitung.

Wenn wir alles „akzeptieren“, verlieren wir irgendwann den Kompass. 

Und Lehrerinnen, die eigentlich Wissen vermitteln sollen, werden zu Animateuren im inklusiven Streichelzoo.

Diversity bedeutet: alle mitnehmen. 

Nicht: alles mitmachen.

Warum die Debatte über Sklaverei mehr Ehrlichkeit braucht

Wenn heute über „Nekropolitik“ gesprochen wird – jenen Begriff, den der kamerunische Philosoph Achille Mbembe prägte, um die Macht über Leben und Tod zu analysieren –, richtet sich der kritische Blick meist in eine Richtung: auf die koloniale Gewalt des Westens, den transatlantischen Sklavenhandel, den Rassismus der Gegenwart. 

Diese Perspektive ist wichtig. 

Sie ist notwendig. 

Leider ist und bleibt sie auch auffällig einseitig – und blendet ganze Kapitel globaler Geschichte aus.

Lange bevor europäische Kolonialreiche im 16. Jahrhundert ihre grausamen Netze des Menschenhandels spannten, existierte bereits ein weitreichendes Sklavensystem in der islamischen Welt. 

Vom 7. Jahrhundert an wurden Millionen Menschen, vor allem aus Afrika südlich der Sahara, aus dem Kaukasus und Südosteuropa verschleppt und versklavt – für Arbeit, Militärdienst oder als Haremswächter. 

Der transsaharische, der osmanische und der sogenannte „arabische“ Sklavenhandel waren integraler Bestandteil frühislamischer und später islamischer Ökonomien und Imperien.

Doch wer diesen historischen Fakt heute ausspricht, läuft Gefahr, in bestimmten Kreisen als „rassistisch“ oder „islamfeindlich“ diffamiert zu werden. 

Vor allem im akademischen Milieu und innerhalb woker linker Diskurse wird der Hinweis auf die islamische Beteiligung am globalen Sklavenhandel oft als Relativierung der kolonialen Schuld Europas missverstanden – oder bewusst skandalisiert. 

Dabei geht es keineswegs um eine Verharmlosung der westlichen Kolonialverbrechen, sondern um historische Genauigkeit und geistige Redlichkeit.

Achille Mbembe hat mit seinem Begriff der Nekropolitik eine kraftvolle Denkfigur geschaffen. 

Er zeigt auf, wie moderne Staaten – postkoloniale ebenso wie kapitalistische – über das Leben bestimmter Gruppen verfügen, indem sie ihnen Schutz verweigern, sie ausgrenzen, verelenden oder gar vernichten lassen. 

Nekropolitik ist die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln: nicht durch direkte Gewalt, sondern durch strukturelle Vernachlässigung, durch das Entziehen der Lebensgrundlagen.

Diese Theorie ist allerdings nicht frei von Blindstellen. 

Denn obwohl Mbembe den Kolonialismus analysiert – auch jenen in Afrika – legt er den Fokus fast ausschließlich auf westliche Machtformationen. 

Die koloniale Gewalt islamischer Reiche, ihre Sklavensysteme, ihre ethnischen Hierarchien und imperialen Kriege bleiben weitgehend unbeleuchtet. 

Hier zeigt sich ein typisches Defizit vieler postkolonialer und dekolonialer Ansätze: 

Sie entwerfen ein Deutungsraster, in dem die Welt in Täter und Opfer aufgeteilt ist – und der Westen stets der Täter bleibt.

Die Fakten sind historisch gut belegt.

Der Sklavenhandel in der islamischen Welt war zahlenmäßig vergleichbar mit dem transatlantischen. 

Schätzungen sprechen von bis zu 17 Millionen Menschen, die zwischen dem 7. und dem 20. Jahrhundert durch arabische, persische und osmanische Händler versklavt wurden. 

Viele überlebten die brutalen Transporte nicht; andere verschwanden in den Palästen, Haushalten und Armeen der islamischen Oberschichten.

Besonders perfide: Während die europäischen Kolonialreiche ihre Sklaven als reproduktive Arbeitskräfte betrachteten, wurden männliche Sklaven in islamischen Reichen häufig kastriert. 

Die Sterberaten unter ihnen waren hoch. 

Und auch wenn es keine systematische „rassistische“ Ideologie im modernen Sinne gab, bestanden durchaus ethnische Hierarchien: Schwarze Afrikaner wurden häufig als minderwertig angesehen – ein Echo, das sich bis in moderne arabische Gesellschaften zieht.

Warum also diese massive Scheu, diese historisch selektive Empörung? 

Ein Teil der Antwort liegt im politischen Klima. 

In Zeiten zunehmender Islamkritik in Europa fürchten viele Linke, mit solchen Hinweisen Wasser auf die Mühlen rechter Kulturkämpfer zu gießen. 

Eine edle Absicht – doch sie führt in eine moralische Schieflage.

Denn eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Geschichte darf nicht vor religiösen oder kulturellen – und vor allem nicht mit ideologischen – Empfindlichkeiten haltmachen. 

Wer Erinnerungspolitik betreibt, muss sie ganz betreiben – oder gar nicht. 

Alles andere ist selektive Empörung und damit eine Form von kognitiver Nekropolitik: 

Auch hier wird entschieden, welches Leid zählbar ist, und welches ignoriert werden darf.

Die Geschichte der Sklaverei ist eine Geschichte globaler Gewalt, nicht exklusiv europäischer Schuld. 

Wer sich ernsthaft für Menschenrechte, Gerechtigkeit und historische Aufklärung einsetzt, muss auch den Mut haben, diese unbequemen Kapitel der islamischen Geschichte zu benennen – ohne deshalb in pauschale Islamkritik zu verfallen.

Nekropolitik darf kein Einbahnstraßenkonzept sein. 

Es braucht einen offenen, kritischen, multiperspektivischen Diskurs. 

Nur dann können wir verhindern, dass Erinnerung selbst zur Waffe wird – und Geschichte zu einer Bühne für ideologische Kämpfe, in denen nicht Aufklärung zählt, sondern Gesinnung.

Der Bauernkrieg, der das Heilige Römische Reich im frühen 16. Jahrhundert wie ein Sturm erschütterte, entstand aus jahrzehntelanger Unterdrückung und sozialer Ungerechtigkeit. 

Das Reich befand sich zu dieser Zeit in einem Zustand des Wandels, durchdrungen von Spannungen und aufkeimenden Konflikten zwischen den privilegierten Adelsklassen und dem zunehmend verzweifelten Bauernstand. 

Die Forderungen der Bauern nach mehr Gerechtigkeit und Selbstbestimmung stießen auf eine herrschende Klasse, die fest entschlossen war, ihre Privilegien um jeden Preis zu verteidigen.

Dieser Aufstand, der von den ersten lokalen Rebellionen im Jahr 1524 bis hin zu den großflächigen Erhebungen im Frühjahr 1525 führte, war keineswegs ein bloßer Aufruhr hungernder und elender Menschen. 

Vielmehr war er ein politisch motivierter Widerstand, durchdrungen von den reformatorischen Gedanken der Zeit, die seit Martin Luthers Thesenanschlag im Jahr 1517 in ganz Deutschland verbreitet wurden. 

Der Bauernkrieg wurde zu einer Bewegung, die die alten Ordnungen infrage stellte und soziale sowie politische Umwälzungen forderte. 

Das „Manifest der Zwölf Artikel“, das die Bauern in Memmingen formulierten, stellte den Anspruch auf Freiheit, gerechtere Abgaben und mehr Autonomie und wurde zur Grundlage für ihre Bestrebungen.

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