
Fordern, aber nicht fördern
Wie die „Bundesagentur für Arbeit” ihre Versprechen verspielt
Als im Jahr 2004 aus dem „Bundesamt für Arbeit” („Arbeitsamt“) die „Bundesagentur für Arbeit“ („Arbeitsagentur”) wurde, versprach die Politik nicht weniger als einen Neustart.
Weg von der trägen Behörde, hin zu einem modernen Dienstleister des Arbeitsmarktes.
Ein „Kunde“ sollte der Arbeitslose nun sein, betreut, unterstützt, vermittelt.
Der Grundsatz „Fördern und Fordern“ wurde zum Mantra einer neuen Ära, doch über zwanzig Jahre später scheint von diesem Versprechen nicht viel geblieben zu sein – außer dem Zwang zur Unterschrift unter eine immer gleiche Eingliederungsvereinbarung.
Ich habe mit Menschen gesprochen, die sich arbeitslos gemeldet haben, oft mehrfach.
Die Geschichten ähneln sich, ob Akademikerin in den Vierzigern, junger Mann mit Ausbildungsabbruch oder Familienvater auf Jobsuche nach einer Kündigung: Fast alle berichten von Gleichgültigkeit, bürokratischem Automatismus und einer Beratung, die oft nicht mehr ist als ein Termin zur Fristwahrung.
„Alle sechs Monate das gleiche Papier, immer dieselben Phrasen“, sagt Petra M., 43, gelernte Mediengestalterin, die nach der Insolvenz ihres Betriebs in die Arbeitslosigkeit rutschte.
Sie habe ihre Unterlagen „zehnmal hochgeladen, dreimal ausgedruckt mitgebracht“, doch Rückmeldungen gebe es selten.
Vermittlungsvorschläge?
„Meist unpassend. Einmal sollte ich in einem Callcenter arbeiten – ohne Kundenkontakt, was absurd ist.“
Der zuständige Sachbearbeiter habe ihr gesagt, sie müsse „auch mal flexibel sein“.
Auf der anderen Seite sitzen Mitarbeitende, die ebenfalls unter Druck stehen. Zielvorgaben, Kontrollpflichten, Aktenberge.
Ein ehemaliger Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte, beschreibt es so: „Wir haben keine Zeit für Menschen, nur für Prozesse.“
Der Computer entscheide, wann jemand wieder eingeladen wird, die Software generiere Vorschläge, oft automatisch.
„Manche Kolleginnen und Kollegen glauben noch an ihre Aufgabe. Andere resignieren. Und wer engagiert berät, wird ausgebremst – weil es das System nicht vorsieht.“
Die „Förderung“ ist zum Nebenschauplatz verkommen.
Wer eine Weiterbildung beantragen will, braucht Geduld und Glück.
Maßnahmeplätze sind begrenzt, Bewilligungen zäh.
Oft steht am Ende ein ablehnender Bescheid – mit der Begründung, man sei „vermittelbar“ oder die Maßnahme „nicht zielführend“.
Für Menschen, die wirklich etwas ändern wollen, ist das frustrierend.
Für ihre Motivation mitunter fatal.
Was fehlt, ist Vertrauen.
In die Institution, in ihre Vertreter.
„Ich habe irgendwann aufgehört zu fragen“, sagt Manfred K., 29, der nach einem Outsourcing aus dem Job fiel und sich Hilfe wünschte – vergeblich.
„Es fühlt sich an, als sei man nur noch eine Pflicht, keine Person mehr.“
Dass sich trotz Reformrhetorik wenig verändert hat, ist nicht nur ein Versäumnis der Behörde, sondern Ausdruck eines politischen Willens, der oft mehr auf Statistik als auf Schicksale setzt.
Die Zahl der Arbeitslosen sinkt?
Gut.
Aber zu welchem Preis?
Prekäre Beschäftigung, Vermittlung in Minijobs, Wegschieben in Maßnahmen ohne Perspektive – das ist keine soziale Politik, sondern Schönfärberei.
Was es bräuchte, ist eine Rückbesinnung auf das, was „Fördern“ wirklich heißt: individuelle Betreuung, echte Beratung, passgenaue Qualifizierung, langfristige Begleitung.
Und ein System, das Zeit für den Menschen einplant – nicht nur für seine Akte.
Bis dahin bleibt die „Bundesagentur für Arbeit” oft das, was sie vor zwanzig Jahren schon war: eine Institution im Reformkostüm, die viel verspricht, aber wenig hält.
Das „Arbeitsamt“ lebt weiter – unter neuem Namen, aber mit alten Mustern.






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