Sarkasmus

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit größtem unpersönlichem Bedauern muss ich Ihnen mitteilen, dass ich Ihr überaus großzügiges Angebot, Teil Ihres zweifellos herausragenden Unternehmens zu werden, leider ablehnen muss.

Bitte verstehen Sie, dass diese Entscheidung keinesfalls die Qualität Ihres Unternehmens oder die Kompetenz Ihrer Mitarbeiter infrage stellt.

Ich bin mir sicher, dass Ihre einzigartigen Arbeitsbedingungen und Ihr beeindruckendes Betriebsklima für viele andere Bewerber eine perfekte Umgebung darstellen werden.

Es liegt definitiv nicht an Ihnen.

Es liegt an mir und dem Unternehmen, das mir eine weitaus bessere Offerte gemacht hat.

Ich habe einfach den Luxus, aus einem Pool von überdurchschnittlich attraktiven Jobangeboten wählen zu können, die alle mindestens sechs Wochen Jahresurlaub, ein siebenstelliges Gehalt, Weihnachts- sowie Urlaubsgeld und die Möglichkeit bieten, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Inklusive vieler Give-Aways.

Ich wünsche Ihnen für Ihre weitere Suche nach geeigneten Kandidaten alles Gute und viel Erfolg bei der Besetzung dieser Position.

Vielleicht finden Sie ja jemanden, der Ihre zweifellos vorhandenen Qualitäten als Arbeitgeber zu schätzen weiß – im Gegensatz zu mir.

Mit freundlichen Grüßen,

Dietmar Schneidewind

(der leider keinerlei Interesse an Ihrem Arbeitsangebot hat)

P.S.:

Sollten Sie in Zukunft ein Angebot haben, das meinen bescheidenen Ansprüchen gerecht wird, zögern Sie bitte nicht, mich erneut zu kontaktieren.

Ich werde Ihre Nachricht dann selbstverständlich mit der gleichen Sorgfalt ignorieren, mit der Sie vermutlich die Bewerbungen Ihrer Kandidaten prüfen.

Dieser Text ist selbstverständlich sarkastisch gemeint.

Als Jobcoach habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Unternehmen in großem Stil standardisierte Absagen an Bewerber verschicken. 

Diese Absagen, die inhaltlich oft nur minimal variieren, wirken meist unpersönlich und mechanisch. 

Es scheint, als ob viele Unternehmen auf vorgefertigte Textbausteine zurückgreifen, die womöglich aus einer Art „Absage-Baukasten“ stammen.
Diese auffällige Uniformität in den Formulierungen deutet darauf hin, dass es in der Praxis gängige Methoden oder Vorlagen gibt, die von einer Vielzahl von Unternehmen verwendet werden. 

Es ist fast, als ob diese Standardtexte unter den Personalabteilungen weitergereicht werden, wodurch individuelle Rückmeldungen an den Bewerber zur Seltenheit werden.

Im krassen Gegensatz dazu steht das Bewerbungstraining, das Kandidaten durchlaufen, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. 

Hier wird von den Bewerbern erwartet – nein, es wird sogar von ihnen gefordert! –, dass sie sich intensiv mit der Erstellung ihrer Bewerbungsunterlagen auseinandersetzen. 

Dies beinhaltet vor allem das sogenannte Motivationsschreiben, das individuell und passgenau auf das jeweilige Unternehmen zugeschnitten sein soll. Bewerber sollen sich tiefgehend mit der Philosophie, den Werten und den Anforderungen des Unternehmens beschäftigen, um ihre Motivation glaubhaft und überzeugend darzustellen. 

Der Zeitaufwand, der damit verbunden ist, ist erheblich, und oft wird von den Kandidaten erwartet, dass sie neben beruflichen Qualifikationen auch ihre Persönlichkeit und ihre langfristigen Ziele in dieses Schreiben einfließen lassen.

Diese Diskrepanz zwischen der Sorgfalt und Mühe, die von Bewerbern verlangt wird, und den formelhaften Standardabsagen, die sie oft als Antwort erhalten, ist schwer nachvollziehbar. 

Wenn man als Bewerber mit diesen nüchternen, fast schon lieblosen Absagen konfrontiert wird, stellt sich unweigerlich die Frage: Ist der enorme Aufwand, den man in seine Bewerbung steckt, wirklich gerechtfertigt? 

Die Frustration wird noch größer, wenn man bedenkt, wie viel Energie in das individuelle Bewerbungsdossier fließt, nur um im Gegenzug eine Absage zu erhalten, die in keinster Weise auf die eigene Person oder Bewerbung eingeht.

Diese Erfahrung lässt bei manchen Bewerbern den Wunsch aufkommen, die Rollen irgendwann einmal umzudrehen. 

Man stellt sich vor, wie es wäre, wenn man selbst in der Position des Unternehmens wäre und die Möglichkeit hätte, standardisierte Absagen zu verschicken. 

Die Ironie wäre perfekt: Nachdem man so viel Mühe und Herzblut in die Bewerbung gesteckt hat, könnte man die Gelegenheit nutzen, um den Spieß umzudrehen und den Unternehmen dieselbe Art von Standardabsage zu senden, die man selbst erhalten hat. 

Dies mag eine hypothetische Reaktion sein, aber sie verdeutlicht die Frustration, die bei vielen Bewerbern angesichts der Diskrepanz zwischen ihrem Engagement und der oft unpersönlichen Reaktion der Unternehmen entsteht.

Insgesamt wird deutlich, dass hier ein Ungleichgewicht besteht, das nicht nur frustrierend ist, sondern auch Fragen zur Fairness im Bewerbungsprozess aufwirft. 

Es wäre wünschenswert, wenn Unternehmen ihre Rückmeldungen genauso ernst nehmen würden wie die Bewerber ihre Bewerbungen. 

Eine individuellere und wertschätzendere Kommunikation könnte dazu beitragen, die Motivation der Kandidaten zu stärken und den gesamten Bewerbungsprozess menschlicher und respektvoller zu gestalten.

Das Untertage-Camp – Die ultimative Herausforderung für Memmen und Heulsusen

Endlich ist es so weit! 

Wenn man dachte, das „Dschungelcamp“ sei der absolute Höhepunkt an Absurdität und Zähigkeit, dann hat man die Rechnung ohne die kreativen Köpfe der Privatsender gemacht.
Die gleichen Menschen, die uns einst mit solch visionären Formaten wie „Frauentausch“, , „Temptation Island”, „Bauer sucht Frau” oder „Mitten im Leben“ den Geist vernebelten, haben ein neues Projekt aus der Taufe gehoben, das das Wort „unterirdisch“ auf ein vollkommen neues Niveau hebt: 

Das Untertage-Camp!

Ja, richtig gehört. 

Wer dachte, das Wühlen in Kakerlaken und Maden im Dschungel wäre das Nonplusultra des Reality-TV-Terrors, der sollte sich warm anziehen. 

Hier, tief unter der Erdoberfläche, beginnt die wahre Herausforderung. 

Denn was ist schon ein tropischer Dschungel mit seiner lästigen Natur und dem gelegentlichen Monsun, wenn man sich stattdessen in eine staubige Grube ohne Handyempfang und Sonnenlicht einsperren lassen kann? 

Da freuen sich die Memmen und Heulsusen des Reality-TV. 

Endlich eine echte Bewährungsprobe für ihre Nerven und ihre Thrombose-Strümpfe.

Statt bei 30 Grad im Schatten Ekelprüfungen zu absolvieren, wird nun 300 Meter unter der Erde geackert. 

Man kriecht durch enge, feuchte Stollen, stemmt sich gegen einstürzende Schächte, und die einzige Nahrung besteht aus einem rätselhaften Gemisch aus Grubenwasser und dem, was sich so in den Ecken der ehemaligen Kantine zusammenfindet. 

Natürlich gibt es auch Prüfungen, aber diesmal haben es die Produzenten wirklich geschafft, die Messlatte noch tiefer zu legen. 

Wer schafft es, 48 Stunden in absoluter Dunkelheit zu überstehen, ohne einen Nervenzusammenbruch zu erleiden? 

Wer wird beim Zubetonieren des Ausgangs den letzten Atemzug tun? 

Und wer erträgt es, sieben Stunden lang den kläglichen Monologen eines abgehalfterten C-Promis über dessen verpasste Chancen im Showgeschäft zu lauschen?

Aber Moment mal, warum eigentlich „Untertage-Camp“?

Nun, man könnte meinen, dass die Idee, Prominente in ein dunkles, klaustrophobisches Labyrinth aus Tunneln zu schicken, tief aus den Hirnwindungen eines verzweifelten Produzenten gegraben wurde, doch die Antwort ist viel einfacher. 

Die Macher der Privatsender haben schlicht erkannt, dass ihr Nachmittagsprogramm ohnehin schon „unterirdisch“ ist. 

Warum also nicht gleich ganz in die Tiefe gehen und das Konzept wortwörtlich nehmen? 

Wenn sich die Zuschauer schon durch Stunden von Gerichtsshows und Scripted Reality quälen, dann wird ein Untertage-Camp doch als echtes Highlight empfunden. 

Schließlich passt der Sender damit perfekt zu dem Niveau, das er seit Jahren erfolgreich zu verteidigen weiß.

Natürlich wird auch hier niemand freiwillig hingehen, denn genau wie im Dschungel bleibt auch das Untertage-Camp ein Ziel für Menschen, die irgendwo zwischen 15 Minuten Ruhm und dem totalen Absturz balancieren. 

Man kann die Casting-Briefe der Teilnehmer quasi schon hören: 

„Ich bin ein Star, holt mich hier … oh Moment, es gibt ja keinen Empfang!“

Am Ende bleibt nur eines festzuhalten: 

Die Sendung mag vielleicht eine „dunkle“ Zukunft haben, aber eines ist sicher – sie wird uns erneut beweisen, dass es keinen Abgrund gibt, der für das Privatfernsehen zu tief ist.

Viele Menschen wollen ja aus Prinzip keinen E‑Book-Reader benutzen.

In einer Diskussion hörte ich eine dumm-dämliche Bemerkung:

„Alt ist, wenn du dich in einer völlig ernst gemeinten Diskussion darüber wiederfindest, welcher E‑Book-Reader am wenigsten weh tut, wenn er dir beim Lesen im Bett aufs Gesicht fällt.“ 

Dies lässt einen auf den ersten Blick vielleicht schmunzeln, doch hinter dieser humorvollen Anekdote verbirgt sich ein tiefsinnigerer Gedanke, der sowohl den Alterungsprozess als auch unsere Beziehung zu moderner Technik und dem alltäglichen Komfort aufgreift.

Früher saß man vielleicht in einem bequemen Sessel, ein dickes Buch auf dem Schoß, und las stundenlang, versunken in Geschichten und Welten, die durch nichts unterbrochen wurden – außer vielleicht durch das Umblättern der Seiten oder das angenehme Rascheln des Papiers, doch die Welt hat sich verändert, und mit ihr auch unsere Lesegewohnheiten. 

Das klassische Buch aus Papier ist vielerorts einem elektronischen Gerät gewichen. 

Dem E‑Book-Reader. 

Diese Geräte bieten zahlreiche Vorteile. 

Sie sind leicht, handlich, bieten Platz für tausende Bücher, und man muss sich keine Sorgen mehr über den knappen Platz im Bücherregal machen.
Sie sind der Inbegriff des modernen Lesens, angepasst an die Bedürfnisse einer Welt, die immer mobiler und digitaler wird. 

Aber eben auch an die Bedürfnisse eines Körpers, der sich verändert.

Der eigentliche Kern des Themas „Welcher E‑Book-Reader tut am wenigsten weh, wenn er dir beim Lesen im Bett aufs Gesicht fällt?“ ist eigentlich ein Ausdruck davon, wie sich der Alterungsprozess und Komfortansprüche auf scheinbar banale Alltagsaktivitäten auswirken. 

In jungen Jahren denkt man selten über die Folgen nach, wenn man ein Buch – oder in diesem Fall einen E‑Book-Reader – über längere Zeit in der Hand hält, doch mit den Jahren nimmt die Bequemlichkeit eine immer größere Rolle ein, und man beginnt, seine Handlungen zu überdenken und zu optimieren. 

Das Lesen im Bett ist ein Paradebeispiel dafür. 

Während man in der Jugend vielleicht locker stundenlang ein schweres Buch über dem Kopf halten konnte, merkt man im Laufe der Jahre, dass die Arme schneller müde werden und das Gerät irgendwann einfach herunterfällt. 

Dies ist nicht nur unangenehm, sondern in manchen Fällen auch schmerzhaft, besonders wenn der E‑Book-Reader eine harte Kante hat oder ein schwereres Modell ist. 

Doch warum überhaupt diese Diskussion? 

Warum hat das Gewicht oder die Beschaffenheit eines E‑Book-Readers überhaupt so viel Bedeutung? 

Hier zeigt sich, wie sehr unser Leben inzwischen von der Technik durchdrungen ist. 

E‑Book-Reader sind heute so selbstverständlich wie damals das Taschenbuch.
Sie sind handlich und praktisch, aber sie bringen eben auch ihre eigenen „technischen“ Probleme mit sich – vor allem, wenn es um Fragen wie Gewicht, Ergonomie und Handhabung geht.

Während früher vielleicht die Position im Bett oder das weiche Kopfkissen das größte Komfortproblem beim Lesen war, dreht sich die Diskussion heute um die ideale Größe und das Gewicht eines Geräts. 

Es geht um Dinge wie den Rand, an dem man den Reader bequem halten kann, ohne dass die Finger verkrampfen, oder um die Frage, ob die Bildschirmbeleuchtung die Augen im Dunkeln zu sehr anstrengt.

Und ja, es geht eben auch um den Falltest: Was passiert, wenn man einschläft und das Gerät ins Gesicht rutscht?

Vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis, die aus dieser Diskussion hervorgeht, die Fähigkeit, über das eigene Altern zu lachen. 

Alt zu werden bedeutet nicht nur, dass der Körper sich verändert – es bedeutet auch, dass man lernt, diese Veränderungen mit einer gewissen Leichtigkeit und Selbstironie zu betrachten. 

Wenn wir uns ernsthaft über den „weniger schmerzhaften“ E‑Book-Reader unterhalten, dann ist das weniger ein Zeichen für Schwäche, als vielmehr ein Ausdruck dafür, dass wir die kleinen Unannehmlichkeiten des Alltags mit Humor und Gelassenheit nehmen.

Das Lachen über die eigenen Schwächen und Macken gehört zum Älterwerden dazu. 

Es zeigt, dass man sich selbst nicht allzu ernst nimmt, dass man gelernt hat, die Unvollkommenheiten des Lebens zu akzeptieren und sich an den kleinen Dingen zu erfreuen – selbst, wenn es nur die Erleichterung ist, dass der E‑Book-Reader, der auf dein Gesicht fällt, wenigstens nicht so schwer oder so kantig ist.

Was jedoch nicht übersehen werden sollte, ist der tiefergehende Wunsch nach Komfort, der mit dem Alter immer stärker wird. 

Während in der Jugend oft Abenteuerlust und die Bereitschaft zu Kompromissen vorherrschen, gewinnt mit den Jahren die Bequemlichkeit zunehmend an Bedeutung. 

Dies zeigt sich nicht nur in der Wahl des E‑Book-Readers, sondern in vielen Bereichen des Lebens – sei es der Kauf von ergonomischen Möbeln, die Entscheidung für bequemere Kleidung oder eben die Anpassung von Gewohnheiten, um das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten.

Diese Diskussion ist daher auch ein Symbol dafür, wie das Alter die Prioritäten verschiebt. 

Was früher vielleicht als Nebensächlichkeit abgetan wurde, wird im Laufe der Zeit zu einem zentralen Punkt. Komfort wird zum Schlüssel für Lebensqualität, und die Auswahl des richtigen E‑Book-Readers – der leicht genug ist, um nicht unangenehm zu werden – ist ein Ausdruck dieser veränderten Perspektive.

In der humorvollen Anekdote über den E‑Book-Reader, der auf das Gesicht fällt, steckt mehr Wahrheit, als es auf den ersten Blick scheint. 

Sie ist ein Sinnbild für das Älterwerden und für die kleinen Anpassungen, die man im Laufe des Lebens vornehmen muss, um den Alltag so angenehm wie möglich zu gestalten.
Dabei spielt nicht nur die Technik eine Rolle, sondern auch der Umgang mit den eigenen körperlichen Veränderungen und die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen.

Letztlich geht es darum, dass wir lernen, mit den Herausforderungen des Alterns umzugehen, ohne unsere Lebensfreude zu verlieren. 

Egal, ob wir uns über ergonomische Sofas unterhalten, über die beste Matratze für unseren Rücken diskutieren oder eben den leichtesten E‑Book-Reader wählen – es sind diese kleinen Entscheidungen, die unser Leben ein Stück weit einfacher und angenehmer machen. 

Und vielleicht ist genau das der wahre Kern des Alterns: die Fähigkeit, die Dinge mit einem Augenzwinkern zu betrachten und dabei trotzdem das Beste für sich herauszuholen.

Das Jugendwort des Jahres 2024: „Aura” – Ein Meilenstein in der Sprachkultur

Gestern war wieder soweit! 

Das heiß erwartete Jugendwort des Jahres wurde auf der Frankfurter Buchmesse gekürt.

Und die Ehre geht an.

Trommelwirbel

Aura

Ja, richtig gehört, „Aura” ist das Jugendwort 2024. 

Ein Begriff, der gleichzeitig tiefgründig, spirituell und irgendwie schick daherkommt. 

Die Jugend von heute spricht eben nicht mehr einfach von Ausstrahlung oder Vibes – nein, es muss schon die „Aura” sein.

Man fragt sich, was genau den Unterschied macht, aber irgendwie scheint es, als ob „Aura” alles umfasst, was man in einer Person spüren, aber nicht sehen kann.
Diese unsichtbare Präsenz, die jemanden umgibt, ist nun der Maßstab für Coolness.

Und mal ehrlich, mal was ganz Neues, oder? 

Man könnte fast meinen, es handele sich um ein philosophisches Schlagwort. 

Wer in den 1990ern noch „cool” oder in den frühen 2000ern „fresh” war, kommt sich jetzt fast ein wenig banal vor. 

Denn wer heute keine Aura hat, ist irgendwie abgehängt. 

Es ist fast so, als hätte man keinen Zugang zur nächsten spirituellen Dimension. 

So wie man früher die richtige Markenjeans haben musste, braucht man heute eben die richtige Aura, um im sozialen Gefüge mitzuschwimmen. 

Die Konkurrenz um den Thron war übrigens hart. Besonders die „Stein” hatte wohl noch gute Chancen, es in die Endrunde zu schaffen.

Aber, wie das Sprichwort schon sagt: „Schere, Stein, Papier …” und diesmal hat die „Aura” eben gewonnen, weil „Aura” auf dem Papier stand.
Zudem wickelt ja Papier den Stein ein und gewinnt somit.

Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass in einer immer digitaler werdenden Welt die spirituelle und emotionale Ebene an Bedeutung gewinnt.

Jetzt stellt sich natürlich die große Frage: 

Was kommt nächstes Jahr? 

Vielleicht „Tortenheber” – das klingt doch schon fast nach einem logischen Schritt.

Aber warum sich auf nur einen Teil der Besteckschublade beschränken? 

Nächstes Jahr könnte ja auch „Messer” das Rennen machen.
Schließlich hat das mindestens genauso viel Biss! 

Oder vielleicht doch „Löffel”?

Wer weiß – wenn wir Glück haben, stehen uns noch tiefergehende Küchenmetaphern bevor. 

Vielleicht wird es auch etwas völlig Unerwartetes wie „Wissenschaft” oder „Bildung”.

Aber, eins nach dem anderen – heute dreht sich alles um die „Aura”.

Aura – ein Allround-Talent. 

Der Begriff bringt so viel mit sich! 

Von der spirituellen Bedeutung, die uns mit einem unsichtbaren Glanz umhüllt, bis hin zur neurologischen Komponente: 

Migräne mit Aura – wer kennt es nicht? 

Das ist doch mal ein Gefühl … ähm … Lebensgefühl. 

Kopfschmerzen kriegen jetzt ein Upgrade, wenn man plötzlich auch noch bunte Lichtblitze sieht und dazu eine Aura bekommt.
Esoteriker hätten Spaß daran, sich gegenseitig die Aura zu fotografieren.
So wird man abgelenkt von den bohrenden Kopfschmerzen.

Theoretisch könnte man das ja auch als eine Art Superkraft betrachten, nicht wahr? 

Die Aura kann also sowohl etwas mystisch Erhabenes als auch etwas ganz Alltägliches sein.

Und dann ist da noch der historische Touch, der fast schon an römische Zeiten erinnert. 

Vielleicht kommt im nächsten Jahr ein jugendliches „Veni, vidi, vinci” daher. 

Warum nicht?

In Zeiten von Social Media könnte das Motto doch gut lauten: „Ich kam, sah und postete.”

Oder noch besser: „Ich kam, sah und ging viral.” 

Ein Slogan, der die Generation prägt und gleichzeitig verschiedene Ebenen anspricht.

Am Ende bleibt eins sicher: 

Aura” ist mehr als nur ein Wort – es ist ein Zustand, eine Haltung, vielleicht sogar ein Lebensstil. 

Die Jugendlichen von heute haben eine Aura, die über den bloßen Raum hinausreicht und uns alle mitzieht. 

Es ist fast, als ob die Aura die Grenze zwischen der physischen und der digitalen Welt auflöst, uns in eine Sphäre eintauchen lässt, in der beide Ebenen nahtlos ineinander übergehen. 

Und nächstes Jahr? 

Nächstes Jahr wird sich zeigen, ob wir die perfekte Attitüde für den Tortenheber dafür haben. 

Bis dahin genießen wir erst mal die erhabene „Aura” dieses Moments und lassen uns von ihrer Magie einhüllen. 

Schließlich ist die Aura das, was uns verbindet, das unsichtbare Netz, das uns alle in dieser verrückten Welt zusammenhält.

Über die Paradoxie der grünen Löcher – Eine metaphysische Betrachtung

Was bedeutet es, wenn ein Loch grün ist?

Auf den ersten Blick mag diese Frage banal erscheinen, doch sie öffnet ein Portal zu einer unermesslichen Tiefe philosophischer und metaphysischer Überlegungen. 

Sie führt uns direkt ins Herz der Ontologie, der Lehre vom Sein, und zwingt uns, die Grenzen unseres Verständnisses von Materie und Leere, von Existenz und Nichtexistenz zu hinterfragen.

Ein Loch, so simpel es scheint, stellt ein faszinierendes Paradoxon dar. 

Es ist, wie wir wissen, die Abwesenheit von Materie, ein Bereich, in dem etwas fehlt – eine Leere im Sein, doch plötzlich fügen wir dieser Abwesenheit eine Eigenschaft hinzu, die normalerweise der Präsenz, der Existenz, vorbehalten ist: die Farbe Grün. 

Hier beginnen die ersten Risse im Gewebe unserer herkömmlichen Wahrnehmung. 

Wie kann das Fehlen von etwas eine Farbe haben? 

Wie kann die Leere, das Nichts, das Loch, mit einer Qualität behaftet sein, die wir sonst nur mit dem Sichtbaren, dem Fassbaren assoziieren?

Um diesen Gedanken weiter zu entfalten, müssen wir tiefer in das Wesen des Lochs eintauchen. 

Was genau definiert ein Loch? 

Es ist weder Objekt noch Subjekt, weder Ding noch Materie.
Es ist vielmehr ein Konzept, eine Grenze, die durch das bestimmt wird, was sie umschließt. 

Ein Loch existiert nur in Relation zu seinem Umfeld – zu dem, was es nicht ist. 

Es ist die Abwesenheit von Materie innerhalb eines Bereichs, der von Materie umgeben ist, doch jetzt fragen wir uns: 

Wenn ein Loch durch seine Abwesenheit definiert ist, wie kann es dann eine Farbe annehmen?

Ist das nicht ein Widerspruch?

Ein Loch grün zu nennen, scheint auf den ersten Blick ein fundamentaler Widerspruch zu sein. 

Schließlich ist Farbe eine Eigenschaft von Dingen, von Objekten, die existieren. 

Wie kann also ein Nichts, eine Leere, eine solche Eigenschaft besitzen? 

Ist es nicht widersinnig, der Abwesenheit von Materie eine Qualität der Materie zuzuschreiben?

Doch vielleicht, und hier betreten wir den Bereich der metaphysischen Spekulation, offenbart uns dieser scheinbare Widerspruch eine tiefere Wahrheit über die Natur unserer Wahrnehmung und die Beschaffenheit unseres Seins. 

Vielleicht liegt in dieser Paradoxie die Aufforderung, unsere Vorstellung von Realität und Existenz neu zu überdenken.

Betrachten wir die grünen Löcher als eine Metapher, so können sie uns dazu anregen, über die Grenzen unseres dualistischen Denkens hinauszublicken. 

Die strikte Trennung zwischen Sein und Nichtsein, zwischen Präsenz und Absenz, zwischen Substanz und Leere könnte sich als allzu simplistisch erweisen. 

In der Tat ist unsere gesamte Existenz von solchen Dualismen durchdrungen, doch was, wenn diese Kategorien nicht ausreichen, um die Komplexität der Realität zu erfassen? 

Was, wenn die Leere – symbolisiert durch das Loch – in Wirklichkeit nicht leer ist, sondern voller unentdeckter Qualitäten, die jenseits unserer üblichen Wahrnehmung liegen?

In der modernen Physik, insbesondere in der Quantenmechanik, kennen wir das Phänomen der Vakuumfluktuation. 

Selbst im vermeintlich absoluten Nichts, in der tiefsten Leere des Raums, entstehen und vergehen unablässig Teilchen. 

Dieses Phänomen legt nahe, dass die Leere nie wirklich leer ist.
Sie ist voller Potenzial, voller Möglichkeiten, die sich unserem Bewusstsein entziehen. 

Könnte es also nicht sein, dass auch das Loch – als Abwesenheit von Materie – in Wirklichkeit eine Präsenz besitzt, die wir nur nicht erfassen können? 

Könnte das grüne Loch uns nicht lehren, dass die Leere stets voller Bedeutung, voller Möglichkeiten, ja sogar voller Farbe ist?

Die grünen Löcher stellen eine Herausforderung für unsere Wahrnehmung dar. 

Sie fordern uns auf, die Kategorien, in denen wir normalerweise denken, zu hinterfragen und über ihre Grenzen hinauszuschauen. 

Sie lehren uns, dass die Dialektik von Anwesenheit und Abwesenheit, von Substanz und Leere, von Sein und Nichtsein komplexer ist, als wir vielleicht angenommen haben. 

In der Vorstellung des grünen Lochs könnte eine tiefere Wahrheit über die Natur der Realität verborgen sein – eine Wahrheit, die sich uns nur erschließt, wenn wir bereit sind, unsere konventionellen Vorstellungen loszulassen.

Vielleicht sind die grünen Löcher sogar ein Hinweis darauf, dass unsere Realität nicht in den einfachen Dichotomien gefangen ist, die unser Denken so oft bestimmen. 

Vielleicht gibt es eine Zwischenwelt, eine Zone jenseits von Sein und Nichtsein, eine Ebene der Existenz, in der Leere und Fülle, Abwesenheit und Anwesenheit, in einem ständigen Wechselspiel miteinander verbunden sind.

Letztlich führt uns die Frage nach den grünen Löchern zurück zu einer der grundlegendsten Fragen der Philosophie. 

Ist die Welt wirklich so, wie wir sie sehen? 

Oder sind unsere Wahrnehmungen und Konzepte nur grobe Vereinfachungen einer viel komplexeren Realität? 

Die scheinbare Absurdität der grünen Löcher – dieser Versuch, der Leere eine Farbe zuzuweisen – enthält vielleicht eine tiefere Weisheit über die Natur der Realität. 

Sie fordert uns auf, über das Offensichtliche hinauszusehen, über die Grenzen unseres Denkens hinauszugehen und die Möglichkeit zu akzeptieren, dass die Welt, die wir kennen, nur ein Fragment einer viel größeren, vielschichtigeren Wahrheit ist.

In dieser Hinsicht sind die grünen Löcher keine bloßen philosophischen Spielereien, sondern tiefgründige Symbole für die Grenzen und Möglichkeiten unserer Erkenntnis. 

Sie laden uns ein, die Natur des Seins, der Leere und der Farben in einem neuen Licht zu betrachten – und wer weiß, vielleicht sehen wir am Ende tatsächlich, dass die Leere nicht nur grün, sondern voller Leben ist.

Ein Spaziergang in der Nähe eines Gymnasiums – eine wunderbare Gelegenheit, über das Leben, die Gesellschaft und die unaufhaltsame Evolution des Homo sapiens nachzudenken.

Wenn ich heutzutage dort herschlendere, überkommt mich gelegentlich eine philosophische Erkenntnis, die gleichzeitig so simpel wie tragisch ist.

Ein einziges Kondom, ja, dieses unscheinbare Gummiding, hätte so unendlich viel verhindern können.

Da sieht man sie, die Jugend von heute, wie sie mit ihrem strammen Gang, dem markanten Blick auf das Smartphone und dem tief sitzenden Hosenbund durch die Straßen zieht.

Die Stimmen klingen oft wie eine ferne, unverständliche Melodie – man fragt sich, ob es überhaupt noch menschliche Sprache ist, die da gesprochen wird.

Ein Gespräch, wenn man es denn so nennen kann, besteht aus Bruchstücken von Wörtern, die so beiläufig aneinander gereiht werden, dass man fast meinen könnte, der Sprechende wolle einen tiefen Gedankengang verbergen – oder er hat schlichtweg keinen.

Aber drei Sätze hintereinander?

Eine kohärente Aussage?

Utopie!

Und da stellt sich doch die Frage …

Wo hätte man all das verhindern können?

Genau, ein simples Gummiding, nicht mehr und nicht weniger.

Ein Moment der Vorsicht, ein kurzes Zögern in der Hitze des Augenblicks, und siehe da – vielleicht hätten wir eine Generation von Philosophen und Poeten.

Stattdessen stehen wir hier und lauschen Gesprächen, die sich auf ein „Alter, Digger, so krass, ey!“ beschränken, und man kann nur seufzen.

Hätten wir doch nur … ach, lassen wir das.

Es war einer dieser Tage, an dem man sich im Wartezimmer des Arztes fragt, ob die Uhr tatsächlich stillsteht oder ob die Zeit in medizinischen Einrichtungen anders funktioniert. 

Nachdem ich aufgerufen wurde und mein Rezept vom Arzt erhalten hatte – nein, natürlich kein altmodisches Papierrezept, sondern ein schickes, zeitgemäßes E‑Rezept – ging es für mich direkt zur Apotheke.

„Einfach Ihre Krankenkassenkarte einlesen lassen“, hatte mein freundlicher Arzt gesagt, als wäre das die einfachste Sache der Welt. 

Und ja, es IST die einfachste Sache der Welt. 

Aber das sollte ich erst im Laufe dieses Tages noch einmal eindrucksvoll bestätigt bekommen.

Doch bevor ich mich auf den Weg machte, musste ich noch einen Termin am Tresen bestätigen. 

Es war genau in diesem Moment, als „sie“ auftauchte – die Frau, die den Ablauf des E‑Rezepts nicht so ganz … nun ja, eigentlich … gar nicht … verstanden hatte.
Sie stand bereits das x‑te Mal vor der Sprechstundenhilfe, die geduldig und mit Engelsgeduld erklärte: „Nein, wir geben keine Rezepte mehr auf Papier heraus, das läuft jetzt alles elektronisch.“

Die Frau nickte. So wie man nickt, wenn man nicht zuhört, sondern in Gedanken bereits den Kuchen fürs Wochenende plant. 

Dann wandte sie sich mir zu, mit diesem leicht panischen Ausdruck im Gesicht, der deutlich sagte: „Elektronisch? Komjuter? Hab ich keine Ahnung von!“ 

Freundlich, wie ich nun mal bin, bot ich ihr an, sie zur Apotheke zu begleiten. 

Vielleicht konnte ich helfen, dachte ich mir. 

Und vielleicht auch nicht, dachte ich mir wenig später.

In der Apotheke lief es wie am Schnürchen. 

Meine Krankenkassenkarte wurde eingelesen, und wie von Zauberhand erschienen auf dem Bildschirm meine verschriebenen Medikamente.
Der Apotheker, gewohnt sachlich, reichte mir die Packungen, als wäre es das Normalste auf der Welt. 

Kein Papier, kein Kugelschreiber, kein Durchschlag. 

Einfache digitale Magie. 

Ich war beeindruckt, aber vor allem froh, dass es schnell ging.

Die Frau neben mir jedoch – sie war weniger beeindruckt und dafür umso mehr verwirrt. 

Sie schaute sich den Vorgang an, als hätte ich gerade einen Zaubertrick vorgeführt. 

Mit großen Augen und leichtem Kopfschütteln stand sie da. 

„Mit Komjutern kenne ich mich nicht aus“, murmelte sie zum Apothekenangestellten, der daraufhin einen freundlich-professionellen Gesichtsausdruck aufsetzte. 

Diesen Ausdruck lernt man wohl am ersten Tag der Apothekenlehre, in dem Moment, in dem der Satz fällt: „Haben Sie vielleicht was Homöopathisches für mein Bluthochdruckproblem?“

Die Frau bestand darauf, dass der Arzt ihr kein Rezept ausgestellt habe. 

„Er hat sich geweigert“, sagte sie mindestens dreimal und fügte hinzu, dass sie dringend ihre Medikamente brauche, da sie chronisch krank sei. 

Sie zählte mehrmals die Medikamente auf.

Der Apotheker, gewohnt souverän, scannte ihre Krankenkassenkarte und – welch Wunder! – da war es, das mysteriöse, unsichtbare Rezept, das sich hartnäckig geweigert hatte, in Papierform zu erscheinen.

„Hier sind Ihre Medikamente“, sagte der Apotheker schließlich, als wäre das alles ganz normal. 

Die Frau jedoch schüttelte noch immer den Kopf. 

„Das ist doch nicht richtig“, murmelte sie. „Ich verstehe das nicht. Kein Papier. Einfach so. Elektronisch. Komjuter…“ 

Der Apothekenangestellte lächelte tapfer weiter.

Nachdem die Frau die Medikamente in den Händen hielt, bedankte sie sich überschwänglich. 

Nicht etwa bei mir, der heldenhaft die Vermittlerrolle gespielt hatte, sondern bei dem Apotheker. 

„Sie haben mir sehr geholfen“, sagte sie, als hätte man ihr soeben die Geheimnisse des Universums offenbart. 

Dann folgte der finale Akt dieses kleinen Dramas: „Ich überlege, den Arzt zu wechseln“, sagte sie empört. „Das ist doch unterlassene Hilfeleistung!“

Während ich die Apotheke verließ, überlegte ich, ob ich in Zukunft vielleicht ein Schild um den Hals tragen sollte: 

„E‑Rezepte für Anfänger – Beratung kostenlos.“ 

Aber vielleicht sollte ich den „Komjuter“ auch einfach für mich behalten.

Es ist schon faszinierend, wie viele Menschen heutzutage mit einer Smartwatch am Handgelenk durch die Welt schreiten, während sie fest behaupten, sie ließen sich von diesem technischen Wunderwerk keineswegs kontrollieren. 

Schließlich, so betonen sie stets mit Nachdruck, sei die App lediglich ein praktisches Werkzeug, um den Überblick zu behalten, aber keinesfalls eine Autorität, die ihr Leben bestimmt. 

Nein, nein, sie lassen sich nicht von einer App vorschreiben, wie sie ihren Tag gestalten sollen! 

Sie laufen nur, weil sie Lust darauf haben, völlig unabhängig, ganz nach Gutdünken und Laune.

Es ist dabei reiner Zufall, dass ihre täglichen Spaziergänge häufig auf den Punkt genau die mystische Grenze von 10.000 Schritten erreichen – diese angeblich von Wissenschaftlern festgelegte magische Zahl, die einem angeblich ewige Gesundheit und Fitness verleiht. 

Natürlich betonen sie, dass ihnen diese Zahl völlig egal ist. 

Sie laufen mit dem Hund, weil sie es gerne tun, und nicht, weil eine App ihnen sagt, wie viele Schritte sie noch zu machen haben.
Und doch, wenn man genauer hinhört, erfährt man beiläufig in fast jedem Gespräch, dass sie heute schon 7.832 Schritte gemacht haben und vielleicht noch ein kurzer Abendspaziergang nötig ist, um die runde 10.000 zu knacken. 

Aber das ist, wie gesagt, reiner Zufall und keineswegs eine Verpflichtung. 

Sie könnten genauso gut 9.876 Schritte machen und wären damit völlig zufrieden. 

Kein Zwang, keine Kontrolle!

Besonders amüsant wird es, wenn sie betonen, dass es ihnen absolut egal sei, ob sie nun 5.000 oder 15.000 Schritte laufen. 

Die Zahlen seien schließlich nur das Ergebnis dessen, was sie ohnehin tun würden – ein kleiner Nebeneffekt, nichts weiter.
Dennoch zieht es sie, wie von unsichtbarer Hand geleitet, abends noch einmal auf eine „ganz spontane“ Runde durch die Nachbarschaft, wenn das Ziel von 10.000 Schritten noch nicht erreicht wurde. 

Aber nein, das habe natürlich nichts mit der App zu tun! 

Sie wollten ohnehin noch einmal raus und den Sonnenuntergang genießen. 

Die Schritte?

Ach, das wäre ja bloß eine nette Zusatzinfo.

Und so geht es weiter. 

Die Smartwatch am Handgelenk vibriert sanft und informiert sie über die Anzahl der Kilometer, die sie heute zurückgelegt haben. 

„Wirklich? Schon 7 Kilometer? Interessant, aber wie gesagt, ich achte da gar nicht so genau drauf.“

Natürlich nicht.

Es ist bloß ein Zufall, dass sie immer ganz genau wissen, wie viele Schritte oder Kilometer sie am Tag gemacht haben und dass sie mit fast schon mathematischer Präzision diese Informationen in jedes zweite Gespräch einfließen lassen. 

„Heute Morgen bin ich mit dem Hund herausgegangen, ach, das waren so ungefähr 4.300 Schritte. Aber das ist ja eigentlich unwichtig.“

Und dann diese Momente, wenn sie stolz verkünden, dass sie „ganz ohne Zwang“ ihren Tag gestaltet haben. 

„Ach, ich war heute einfach unterwegs, habe mich treiben lassen – und siehe da, am Ende des Tages waren es zufällig 10.023 Schritte. Aber wie gesagt, das spielt für mich überhaupt keine Rolle!“ 

Natürlich nicht, das wäre ja geradezu absurd. 

Schließlich wird jeder Mensch täglich von einem inneren Drang erfasst, abends noch einmal um den Block zu spazieren, ganz unabhängig von der kleinen Zahl auf dem Bildschirm, die einem verrät, dass noch 1.167 Schritte fehlen.

Es bleibt also festzuhalten, dass die Smartwatch-Besitzer keineswegs von ihren Geräten beherrscht werden. 

Sie leben frei und ungezwungen, völlig unabhängig von den schleichenden Einflüssen einer App, die nur hin und wieder ein paar nützliche Informationen liefert. 

Sie gehen spazieren, weil sie es wollen, nicht weil sie müssen, und wenn sie am Ende des Tages zufällig die 10.000er-Marke überschreiten, dann ist das eben so mit nochmaligem „An-der-frischen-Luft-Spazieren-Gehen”.

Man muss ihnen fast gratulieren zu dieser Disziplin, die es ihnen ermöglicht, ihren Tagesablauf völlig zufällig so zu gestalten, dass er exakt den Empfehlungen der Smartwatch entspricht. 

Aber lassen wir uns nichts vormachen: 

Das ist natürlich reiner Zufall und hat nichts, aber auch gar nichts mit Kontrolle durch eine App zu tun.

Ein Besuch auf der Job- und Ausbildungsmesse: Ein Abenteuer in Schwarz auf Schwarz

Heute war ich also auf der vielgepriesenen Job- und Ausbildungsmesse in Herrenberg, um über das Getümmel der Zukunftshoffnungen zu berichten.
Eine Erfahrung, die irgendwo zwischen stillem Kaffeekränzchen und einer stillen, schwarzen Theateraufführung stattfand.

Und was für ein Spektakel das war!

An einigen Ständen, wo man von Dynamik und Innovationskraft nur so hätte erschlagen werden sollen, ging es gemütlich zu.

Es schien, als hätten sich einige Firmen nicht für potenzielle Auszubildende gerüstet, sondern für das perfekte Selfie mit Cappuccino in der Hand.

Die wichtigste Frage des Tages für diese Personen war bestimmt: „Wie viele Instagram-Likes bekomme ich für diesen Post?“

Ein weiteres Highlight war die farbliche Gestaltung der Stände – also, für diejenigen, die es lieben, unsichtbare Menschen zu entdecken.

Da gab es einen Stand mit einem schwarzen Hintergrund. Davor standen Mitarbeiter, gekleidet – na klar – in Schwarz!

Es war ein Augenschmaus für jeden Fan von optischen Illusionen.

Du fragst dich, wo die Ansprechpartner sind?

Tja, die Antwort lautet: Sie sind direkt vor dir, wenn du genau hinschaust!

Ein bisschen wie das Computerspiel „Wo ist Walter?“ aus den 1980-er-Jahren, ebenfalls in monochrom.

Wer gesagt hat, dass Kreativität in der Farbwahl überbewertet ist, hat definitiv hier gearbeitet.

Aber kommen wir zum eigentlichen Höhepunkt des Tages.

Und nein, es sind nicht die Unternehmen, die mit ihrer bahnbrechenden Innovationskultur punkten wollten.

Es war eine Gruppe Schüler, die sich auf die Messe verirrt hatte, während ihre Lehrer draußen noch tief in einer pädagogischen Denkpause versunken waren – inklusive Zigarette.

Als die Schüler bereits nach ein paar Minuten wieder aus der Messe herauskamen, entspann sich folgender brillanter Dialog:

Die Lehrerin fragte sichtlich erstaunt: „Was ist denn los? Warum seid ihr schon wieder draußen?“ 

Eine Schülerin schaute sie mit einem Anflug von Verzweiflung an und wollte wissen: „Was sollen wir denn fragen?“ 

Die Lehrerin versuchte zu retten, was theoretisch hätte gerettet werden können und antwortete: „Na, du weißt doch, welchen Beruf du lernen möchtest! Frag doch die Firmen, ob sie sowas ausbilden.“ 

Die Schülerin war völlig unbeeindruckt und erwiderte: „Ach so! Das habe ich nicht gewusst.“

Man muss die Logik hier einfach bewundern.

Warum sollte man im Vorfeld überlegen, was einen interessiert oder gar was man fragen könnte?

Und warum sollte man sich auf einer Messe, die explizit für Berufsinformationen konzipiert ist, überhaupt mit der lästigen Angelegenheit von Fragen befassen?

Schließlich ist der Schritt in die Berufswelt nicht weniger als ein weiterer Level in einem Computerspiel: Man startet ohne Anleitung und hofft, dass irgendwo ein versteckte Code zum Weiterkommen herumliegt.

Nur, dass die Lehrerin diesen Code wohl auch nicht parat hatte – sie war ja draußen beschäftigt.

Es bleibt mir also nur festzuhalten, dass die Messe ein voller Erfolg war.

Für wen genau?

Gute Frage.

Die Lehrer?

Die Schüler?

Die Firmen, die ihren Kaffee genossen haben?

Oder doch die fleißigen Messegestalter, die mit ihren schwarzen Hintergründen für unsichtbare Highlights sorgten?

Vielleicht war es auch ich, der am Ende die größte Erkenntnis mit nach Hause nahm:

Fragen stellen ist völlig überbewertet – besonders auf einer Messe, die darauf aufbaut, Antworten zu geben.

Manchmal sitzt man vor dem Fernseher, kurz vor den Abendnachrichten, und hat das unheimliche Gefühl, man sei auf einen anderen Planeten gebeamt worden.

Da stehen diese Typen in Menschengestalt – ja, sie haben Arme, Beine, und manche tragen sogar Krawatten – und sie sprechen eine Sprache, die entfernt an Deutsch erinnert.
Doch irgendwie wirkt sie, als wäre sie von einer fernen Galaxie direkt ins heimische Wohnzimmer übertragen worden.

„Die Märkte sind nervös“, sagen sie mit ernster Miene.

Aha.

Die Märkte sind also nervös.

Was genau sind das für Märkte?

Sind das Wochenmärkte, auf denen nervöse Tomaten hektisch von einem Stand zum anderen rollen?

Oder ist es der Viehmarkt, auf dem panische Kühe sich gegenseitig die neuesten Kursentwicklungen ins Ohr muhen?

Man weiß es nicht.

Man weiß nur: Die Märkte sind nervös.

Immer.

Offensichtlich leiden sie an chronischem Lampenfieber.

Dann folgt das Wort „Volatilität“, als wäre es die Lösung für alle Probleme.

Es ist erstaunlich, wie oft sogenannte „Börsenanalysten“ dieses Wort verwenden, ohne jemals wirklich zu erklären, was es bedeutet.

Es klingt wichtig.

Es klingt wie die Art von Wort, die man benutzt, um auf einer Cocktailparty Eindruck zu schinden, wenn man sich über den langweiligen Smalltalk hinwegschwindeln will.

„Ja, die Volatilität am Markt, wissen Sie, hat sich in letzter Zeit signifikant erhöht.“

Und zack, schon hat man die Aufmerksamkeit der Runde. Dabei könnte

„Volatilität“ genauso gut ein seltenes tropisches Virus sein, das nur auf den Börsenparketts der Welt wütet.

Überhaupt, diese sogenannten „Analysten“ – man könnte meinen, sie seien hochgebildete Wirtschaftsexperten, aber in Wirklichkeit wirken sie eher wie rückwärtsgewandte Wahrsager.

Sie „analysieren“ nicht wirklich die Zukunft, nein, sie beschäftigen sich hauptsächlich damit, das Geschehene zu deuten, als hätten sie vorher schon alles gewusst.

Natürlich wussten sie, dass der DAX gestern abgestürzt ist – jetzt, wo es passiert ist!

Ihre Aufgabe ist es, uns im Nachhinein zu beruhigen: „Keine Sorge, der Markt hat nur eine Korrektur durchlaufen.“

Ach so, eine Korrektur!

Es war also ein simpler Fehler im System, der nun „korrigiert“ wurde.

Aber Moment mal, wenn der Markt ständig korrigiert werden muss, wer hat ihn dann falsch programmiert?

Wirklich absurd wird es, wenn sie uns die Gründe für die Bewegungen auf den Märkten erklären wollen.

Da heißt es dann, „die Unsicherheiten auf dem chinesischen Baumwollexportmarkt haben die globalen Finanzen ins Wanken gebracht“.

Aha, natürlich!

Die chinesische Baumwolle.

Wie konnte man das übersehen?

Es ist immer etwas Exotisches, Fernes, das die Marktteilnehmer angeblich in Panik versetzt.

Irgendwo, weit weg, fällt eine Baumwollkugel um, und bei uns brechen die Kurse ein.

Man könnte fast meinen, die Börse sei ein riesiges, empfindliches Ökosystem, in dem ein kleiner Flügelschlag eines exotischen Schmetterlings einen finanziellen Tornado auslöst.

Und dann kommt das Beste: die „Tipps“.

Man könnte ja fast meinen, diese „Analysten“ hätten wirklich einen Plan.

„Investieren Sie in Technologieaktien“, raten sie einem. „Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt.“

Fünf Minuten später kommen die neuesten Zahlen rein und plötzlich ist die Technologiebranche angeblich dem Untergang geweiht.

„Haben wir so nicht kommen sehen, aber es lag auf der Hand“, murmeln sie, während sie hastig in ihren Akten blättern.

Ein besonders herrliches Beispiel für die Kunst der sogenannten „Börsenberatung“ ist die Geschichte des Bauern Heinrich.

Heinrich war ein einfacher Mann, der sein Geld mit dem Verkauf von Eiern und Hühnern verdiente.
Eines Tages traf er auf einen dieser selbst deklarierten „Börsenexperten“, der ihm flüsterte: „Heinrich, der Sommer kommt, und mit ihm die steigende Nachfrage nach exklusivem Hühnchenfleisch. Du musst jetzt unbedingt in teure, edle Hühnerrassen investieren. Die Gourmets werden Schlange stehen! 100 Prozent sicher!“

Heinrich, geblendet von der Aussicht auf Reichtum, tat, was jeder kluge Bauer tun würde: Er setzte sein gesamtes Erspartes ein und kaufte sich diese überteuerten Edel-Hühner.

Eine prächtige neue Scheune ließ er bauen, extra für seine neue, schicke Geflügelherde.

Alles sah gut aus – bis, ja, bis es in der Nacht zum ersten Sommerregen kam.
Ein Unwetter zog auf, und die neue, teure Scheune stellte sich als zu dicht heraus.

Das Wasser strömte von oben herein, und die armen Hühner, die nun weder edel noch lebendig waren, tranken und tranken … und starben.

Verzweifelt stand Heinrich am nächsten Morgen in einer Pfütze aus Wasser vor seinem kostspieligen Hühnerträumen.
Der „Börsenexperte“ kam vorbei, schaute sich das Dilemma an und zuckte nur mit den Schultern.

„Tja“, sagte er mit einem süffisanten Lächeln, „du hättest besser Enten nehmen sollen. Die können schwimmen.“

So ist das eben mit den „Börsenweisheiten“ – im Nachhinein ist man immer klüger.

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