Sehr geehrte Damen und Herren,

mit größtem unpersönlichem Bedauern muss ich Ihnen mitteilen, dass ich Ihr überaus großzügiges Angebot, Teil Ihres zweifellos herausragenden Unternehmens zu werden, leider ablehnen muss.

Bitte verstehen Sie, dass diese Entscheidung keinesfalls die Qualität Ihres Unternehmens oder die Kompetenz Ihrer Mitarbeiter infrage stellt.

Ich bin mir sicher, dass Ihre einzigartigen Arbeitsbedingungen und Ihr beeindruckendes Betriebsklima für viele andere Bewerber eine perfekte Umgebung darstellen werden.

Es liegt definitiv nicht an Ihnen.

Es liegt an mir und dem Unternehmen, das mir eine weitaus bessere Offerte gemacht hat.

Ich habe einfach den Luxus, aus einem Pool von überdurchschnittlich attraktiven Jobangeboten wählen zu können, die alle mindestens sechs Wochen Jahresurlaub, ein siebenstelliges Gehalt, Weihnachts- sowie Urlaubsgeld und die Möglichkeit bieten, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Inklusive vieler Give-Aways.

Ich wünsche Ihnen für Ihre weitere Suche nach geeigneten Kandidaten alles Gute und viel Erfolg bei der Besetzung dieser Position.

Vielleicht finden Sie ja jemanden, der Ihre zweifellos vorhandenen Qualitäten als Arbeitgeber zu schätzen weiß – im Gegensatz zu mir.

Mit freundlichen Grüßen,

Dietmar Schneidewind

(der leider keinerlei Interesse an Ihrem Arbeitsangebot hat)

P.S.:

Sollten Sie in Zukunft ein Angebot haben, das meinen bescheidenen Ansprüchen gerecht wird, zögern Sie bitte nicht, mich erneut zu kontaktieren.

Ich werde Ihre Nachricht dann selbstverständlich mit der gleichen Sorgfalt ignorieren, mit der Sie vermutlich die Bewerbungen Ihrer Kandidaten prüfen.

Dieser Text ist selbstverständlich sarkastisch gemeint.

Als Jobcoach habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Unternehmen in großem Stil standardisierte Absagen an Bewerber verschicken. 

Diese Absagen, die inhaltlich oft nur minimal variieren, wirken meist unpersönlich und mechanisch. 

Es scheint, als ob viele Unternehmen auf vorgefertigte Textbausteine zurückgreifen, die womöglich aus einer Art „Absage-Baukasten“ stammen.
Diese auffällige Uniformität in den Formulierungen deutet darauf hin, dass es in der Praxis gängige Methoden oder Vorlagen gibt, die von einer Vielzahl von Unternehmen verwendet werden. 

Es ist fast, als ob diese Standardtexte unter den Personalabteilungen weitergereicht werden, wodurch individuelle Rückmeldungen an den Bewerber zur Seltenheit werden.

Im krassen Gegensatz dazu steht das Bewerbungstraining, das Kandidaten durchlaufen, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. 

Hier wird von den Bewerbern erwartet – nein, es wird sogar von ihnen gefordert! –, dass sie sich intensiv mit der Erstellung ihrer Bewerbungsunterlagen auseinandersetzen. 

Dies beinhaltet vor allem das sogenannte Motivationsschreiben, das individuell und passgenau auf das jeweilige Unternehmen zugeschnitten sein soll. Bewerber sollen sich tiefgehend mit der Philosophie, den Werten und den Anforderungen des Unternehmens beschäftigen, um ihre Motivation glaubhaft und überzeugend darzustellen. 

Der Zeitaufwand, der damit verbunden ist, ist erheblich, und oft wird von den Kandidaten erwartet, dass sie neben beruflichen Qualifikationen auch ihre Persönlichkeit und ihre langfristigen Ziele in dieses Schreiben einfließen lassen.

Diese Diskrepanz zwischen der Sorgfalt und Mühe, die von Bewerbern verlangt wird, und den formelhaften Standardabsagen, die sie oft als Antwort erhalten, ist schwer nachvollziehbar. 

Wenn man als Bewerber mit diesen nüchternen, fast schon lieblosen Absagen konfrontiert wird, stellt sich unweigerlich die Frage: Ist der enorme Aufwand, den man in seine Bewerbung steckt, wirklich gerechtfertigt? 

Die Frustration wird noch größer, wenn man bedenkt, wie viel Energie in das individuelle Bewerbungsdossier fließt, nur um im Gegenzug eine Absage zu erhalten, die in keinster Weise auf die eigene Person oder Bewerbung eingeht.

Diese Erfahrung lässt bei manchen Bewerbern den Wunsch aufkommen, die Rollen irgendwann einmal umzudrehen. 

Man stellt sich vor, wie es wäre, wenn man selbst in der Position des Unternehmens wäre und die Möglichkeit hätte, standardisierte Absagen zu verschicken. 

Die Ironie wäre perfekt: Nachdem man so viel Mühe und Herzblut in die Bewerbung gesteckt hat, könnte man die Gelegenheit nutzen, um den Spieß umzudrehen und den Unternehmen dieselbe Art von Standardabsage zu senden, die man selbst erhalten hat. 

Dies mag eine hypothetische Reaktion sein, aber sie verdeutlicht die Frustration, die bei vielen Bewerbern angesichts der Diskrepanz zwischen ihrem Engagement und der oft unpersönlichen Reaktion der Unternehmen entsteht.

Insgesamt wird deutlich, dass hier ein Ungleichgewicht besteht, das nicht nur frustrierend ist, sondern auch Fragen zur Fairness im Bewerbungsprozess aufwirft. 

Es wäre wünschenswert, wenn Unternehmen ihre Rückmeldungen genauso ernst nehmen würden wie die Bewerber ihre Bewerbungen. 

Eine individuellere und wertschätzendere Kommunikation könnte dazu beitragen, die Motivation der Kandidaten zu stärken und den gesamten Bewerbungsprozess menschlicher und respektvoller zu gestalten.

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