Das Bild dort oben ist ein Selfie, zumindest meinen das viele Leute. Sie haben dabei vergessen, dass die Handys eine Kamera auf der Vorderseite haben. Sie posieren vor dem Spiegel und fotografieren sich mit dem Handy in der Hand. Das soll „super cool“ sein.
Die Rede ist hier, wie man sich vorstellen kann, von Selbstdarstellern und sogenannten „Influencern“ in sozialen Online-Netzwerken.
Diese „Spezies“ ist besonders penetrant und zudem sehr aktiv.
Sie sind auch der Meinung, dass sie die Superstars sind und eigentlich das Sagen haben, vor allem was Trends, Mode und so weiter angeht.
Soziale Themen inklusive Politik interessiert sie nicht. Es zählt nur die Selbstdarstellung und die eventuell damit verbundene Kommerzialisierung, auch des eigenen Egos.Das Handy mit der Vorderseite auf den Fußboden stellen und dann mit der Vorderseitenkamera Videos mit Aufnahmeverzögerung aufnehmen, aus der Froschperspektive ist bei ihnen auch sehr wichtig.
Dass Videos in Hochformat den Regeln widersprechen, ist ihnen egal.
Hauptsache, sie posten – veröffentlichen – irgendetwas.
Auch viele, die sich als gewiefte Profis und Alleskönner darstellen, haben nicht mal den Unterschied zwischen Hochkant‑ und Querformatbildern verstanden. Es wird geknipst und nicht fotografiert.
Es zählt nur, was man selbst empfindet und Regeln sind in deren Augen etwas für „Verlierer“.

Zudem kommt, dass sie in überheblicher Weise von sich überzeugt sind und sich auch als Vorbilder für andere sehen.
Dabei vergessen sie aber, dass das Sammeln von „LikesLiken Das sogenannte „Liken” ist das Klicken von „Gefällt mir” (Englisch: „I like it”), eines Herzchens oder einem erhobenem Daumen unter einem Beitrag, Foto und ähnlichem, wenn einem dieser gefällt.“ und „Followern“ nur ein kleiner Teil ist, was die sozialen Online-Netzwerke ausmachen.
Sie sonnen sich in der vereinfachten Online-Welt und kommen außerhalb – in der realen Welt – kaum klar.
Sie übertragen ihre „Erfahrungen“ aus der Online-Welt in die reale und kommen nicht damit klar.
Man bekommt eben nicht nur Lob, wenn man in der realen Welt an einem Tisch sitzt und Eis isst.
In der Online-Welt bekommt man Lob oder zumindest geheucheltes Lob, wenn man das Foto eines Eisbechers postet, in der realen Welt hebt niemand den Daumen, wenn man dort sitzt und jemand kommt vorbei.

Die Überheblichkeit, ein Online-Superstar zu sein, ufert darin aus, dass man nicht mit Kritik umgehen kann und sich Dramen abspielen.
„Das ist so niederträchtig, was mir die Leute schreiben“, berichtete eine sogenannte „Influencerin, „Hier steht: ‚Du gefällst mir nicht und für mich siehst Du auch nicht schön aus, wie manche meinen.“ Das ist so eine niederträchtige Beleidigung.“
Wo dies eine „niederträchtige Beleidigung“ ist, wurde erst klar, nach dem sie in die Lobeswelle eintauchte und sich wieder über diese „krass“ freute.

Aber sie beantworte alle „Persönlichen Nachrichten“ oder E‑Mails, wie sie weitererzählt, alleine schon aus Höflichkeit.
Sie rechtfertigt, dass andere sie loben und sie hübsch finden und das sagt sie auch den „niederträchtigen Beleidigern“, um in ihrer Sprach-Welt zu bleiben. Wenn die Mehrheit das sagt, gilt es eben für alle und das ist schließlich Balsam für ihre Seele.
Sie sagte auch, dass es besser wäre, dass solche „niederträchtigen Beleidigungen“ direkt gelöscht werden sollen, schließlich gebe es ja „diesen Paragrafen gegen Hate-Postings“.

Was die Intention der vielen selbsternannten „Superstars“ ist, muss sich einem nicht eröffnen.
Manche nutzen ihre Online-Präsenz, um Werbeverträge an Land zu ziehen und preisen dann Produkte an. Für die Werbewirtschaft eine gelungene Sache, denn so kommen sie indirekt in die Schulen hinein. Werbung in der Nähe von Schule und innerhalb dieser ist nämlich verboten.
Wenn aber eine Klassenkameradin ihre neue Shoppingtour mit Bildern und Videos posten, schauen dies die Klassenkameraden und kaufen etwas ein, um nicht „out“ zu sein.
Das Modediktat funktioniert so in zweifacher Hinsicht. Was die „Influencerin“ als „in“ bezeichnet, muss man aus dem Herden‑ und Mitschwimmertrieb mitmachen und zweitens fühlt sich die „Influencerin“ bestätigt, weil andere das Gleiche kaufen wie sie.
Die Werbetreibenden machen so gute Einnahmen.

Die Welt der „Influencer“ und „Superstars“ funkioniert.

Allerdings nur in eigenen Gesetzen, wobei Gesetze und Regeln ansonsten als „No Go“ gelten.

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