
Heute, Donnerstag, den 19. Oktober 2023, waren wir wieder beim „Hitmach-Duell” beim SWR1 Baden-Württemberg anwesend, das diesmal zeitgleich in Lahr und in Rottenburg am Neckar stattfand.
Da wir am Mittwoch, den 18. Oktober 2023, bei dem Moderator Max Oehl waren, gingen wir nach Rottenburg am Neckar, um Benedict Walesch kennenzulernen.
Wir kamen gegen 14:30 Uhr an und machten uns bekannt.
Nach dem kurzen Gespräch und dem (obligatorischen) Selfie mit Benedict Walesch, das von ihm ausging, wurden wir von Jungen einer Schulklasse „belagert”. Sie waren etwa zehn bis zwölf Jahre alt.
Wir erklärten ihnen, dass wir Zeitreisende aus dem Jahre 1867 seien, was man unschwer an unserer Gewandung sehen könne.
Einer rief, dass es Zeitreisen nicht gebe.
Meine Erwiderung war, dass wir „natürlich” Zeitreisende seien, da wir sonst wohl nicht hier sein könnten. Das leuchtete einigen ein, aber von weiter hinten kam der Einwand, dass sich jeder solche „Klamotten” bei Amazon kaufen könne.
Wir fragten, worum es sich Amazon handle.
„Eine Webseite, wo man kaufen kann”, antwortete einer, „kennt doch jeder.”.
Wir, aus dem Jahre 1867 kommend, schauten uns verdutzt an und sagten, dass wir nicht wüssten, was eine Webseite sei.
„Isso im Internet und mit ’ner App”, wurden wir belehrt, was uns aber auch nicht weiterhalf.
Man konnte uns nicht erklären, was das Internet ist und worum es sich bei einer App handelt.
Dazwischen kamen wieder Rufe, dass die Sache mit uns Zeitreisende gar nicht stimme und wir lögen.
Wir ließen uns nicht aus der Fassung bringen, stellten uns „dumm” und hakten nach, was das denn für Dinge seien wie Amazon, ein Handy, eine App et cetera.
Die Kinder setzten voraus, dass wir das wissen müssten, während ein paar „Oberschlaue” wieder riefen, dass wir sie nur hochnehmen wollten oder lögen.
Die „Oberschlauen” mischten weiter undiszipliniert auf und die, die sich noch Bilder im Kopf gemalt hatten, zweifelten jetzt auch an unserer Erzählung, weil die „Oberschlauen” permanent mit ihren unqualifizierten „Einsprüchen” und Bemerkungen dazwischenfunkten.
Eine Lehrerin grätschte hinein und forderte die Kinder auf, sich vorzustellen, dass es stimmte, was wir erzählten.
Sie hatte damit keinen Erfolg, denn die „Oberschlauen” hatten lautstark die Gruppenführung übernommen und alle Schüler konterten, was das Zeug hielt.
Wir hielten uns wacker und spielten unsere Rolle der „Unwissenden” (wie immer) weiter. Wir konnten ja nicht wissen, was es im 21. Jahrhundert gibt, weil wir aus dem neunzehnten kamen.
Die Lehrerin versuchte den Schülern klarzumachen, dass wir nicht wüssten, was ein Handy sei und man es uns erklären solle.
Mit einem Handy könne man telefonieren, erklärte man uns.
Uns zu erklären, was Telefonieren ist, bekam niemand hin, denn „Wenn ich mit meinem Kumpel spreche” war eine Erklärung, die nichts-sagend war.
Irgendwann gab die Lehrerin auf, die Kinder motivieren zu wollen, sich vorzustellen, dass wir wirklich Zeitreisende wären und etwas so für Personen aus einer vergangenen Zeit zu erklären, dass sie dies auch verstünden. Auch sagte sie mehrmals, dass es in der Zeit, aus der wir kämen, das Internet, App und Handys nicht gab und wir dies alles folgerichtig nicht kennen.
Das funktionierte nicht, da man eins mit dem fast gleichem erklärte.
„Handy isso wie Telefonieren, nur anders.”
„Wie anders?”
„Handy, eben.”
„Was ist ein Handy?”
„Sie haben doch eins.”
„Nein! Ich weiß nicht mal, was Du meinst, weil ich das Wort zum ersten Mal gehört habe.”
„Telefonieren eben”, kam einer der „Oberschauen” aus sich heraus.
„Telefonieren durch ein Kabel”, half ich nach und versuchte, einen Anstoß zu geben.
„Nee”, kam zurück, „Sie kennen doch Telefon.”
„Klar, das wurde zu meiner Zeit, also 1861, erfunden.”
„Schon wieder ’ne Lüge.„
So ging es die ganze Zeit.
Da es etwas regnete, hatten wir Schirme aufgespannt.
Ein anderer „Oberschlauer” meinte, erkannt zu haben, dass die Regenschirme „falsch” wären, denn die Automarke Mercedes habe es gar nicht bei uns gegeben.
Ich machte ihm klar, dass Bertha Benz schon im Jahre 1888 mit dem Gefährt ihres Mannes von Mannheim nach Pforzheim gefahren war und dass es die Marke „Mercedes” schon seit 1905 gab, der Mercedes-Stern seit 1909 den Gebrauchsmusterschutz innehabe und seit 1911 im Warenzeichenregister eingetragen sei.
Da verstummte er für einen Augenblick, weil er wohl nicht verstanden hatte, was ich sagte,
Ein „Oberschlauer” warf uns vor, dass es Schirme zu unserer Zeit noch nicht gegeben habe.
Da lag er falsch, denn Schirme hatte es schon vor viertausend Jahren laut Zeichnungen und Überlieferungen aus China gegeben, aber das sagte ich ihm nicht.
Der Regenschirm, so wie man ihn heute kennt, geht übrigens auf das Jahr 1715 zurück, aber wurde erst 1852 alltags- und gebrauchstauglich. Dies sagte ich ihm allerdings.
Der „Oberschlaue” sagte plakativ: „Das stimmt nicht.”
Ich erzählte, dass wir aus unserem Luftschiff ausgestiegen wären und auf unserem Weg hierher habe es angefangen zu regnen.
Deswegen hätte man uns freundlicherweise zwei Schirme im benachbarten Restaurant geliehen.
Der „Oberschlaue” meinte, dass man das dort gar nichts ausleihen könne.
Auf mein Nachhaken musste er zugeben, dass er nie in dem Restaurant gewesen sei, worauf ich dann erwiderte, er könne dort nach einen Schirm fragen, wenn er mal dort essen gehe.
Ich machte ihm weis, dass uns jemand vom Restaurant gesehen habe und uns zwei Schirme mit den Worten „Damit Eure teure Kleidung nicht nass wird” in die Hand gedrückt habe.
Da verstummten die Schüler wieder mal.
Die Lehrerin hörte nur noch zu, weil sie mit ihrem Latein anscheinend am Ende war.
Man versuchte weiter, uns permanent der „Lüge” zu bezichtigen, anstatt sich auf das „Kopf-Kino” einzulassen.
Die „oberschlauen” Krakeeler übertünchten mit ihrem Unwissen, ihren Bezichtigungen und ihrer lauten Stimme jede Kommunikation.
Wir überhörten das immer wiederkehrende „Das stimmt gar nicht.” oder „Das ist eine Lüge.” und andere Totschlagargumente, die darauf hinwiesen, dass die Schüler keine Fantasie hatten.
Kurz wurden die Schüler zu Benedict Walesch gerufen, der mit ihnen „on air” war und ihr Jubeln an die Radiohörer geschickt hatte.
Sie schienen sich wohl abgesprochen zu haben, wie man uns „besser” aus der Reserve locken könnte, denn bevor sie zu uns kamen, tuschelten sie miteinander und schauten immer wieder zu uns, während ein paar von ihnen nickten.
Einige fragte meine Gattin etwas und andere fragten mich das Gleiche.
Wenn beides nicht genau stimmte, bezichtigte man uns der Lüge.
Einer fragte meine Gattin, woher sie käme. Sie antwortete: „Stolberg”.
Als ich auf die Frage, wo ich herkäme, „Beckum” sagte, riefen die „Oberschlauen”, dass wir lögen, weil „sie” etwas anderes gesagt hatte.
Ich klärte auf, dass wir in Böblingen wohnten, meine Gattin in Stolberg (NRW) geboren sei und ich in Beckum (NRW). Wir also aus Stolberg und Beckum kämen, wenn man es so wolle, wir aber nun in Böblingen zusammen wohnten. Heute seien wir zusammen von Böblingen hierher nach Rottenburg am Neckar gekommen.
Das verstanden sie nicht und wurden noch „heftiger” mit ihrer verbaler „Bedrängung”, die uns aber kaltließ, da wir uns auf unsere Intuition und Spontanëität verlassen können.
Die „Oberschlauen” beobachteten links und rechts, was wir sagten und / oder bekamen gesagt, was wir geantwortet hatten. Das nahmen sie als „Aufhänger”.
Andere von ihnen wiederholten immer die gleichen Fragen, was auch darauf schließen ließ, dass sie „Lügen” suchten, wenn eine Antwort anders ausfiel als vorher oder sie hörten nicht zu beziehungsweise es interessierte sie nicht, was meine Gattin sagte.
Wir blieben ruhig und gelassen und ließen uns nicht provozieren.
Niemand kann uns „moderne Geschichtenerzähler” aus der Ruhe bringen kann.
Wir waren jedoch froh, als die Klasse endlich weg war.
Kurioserweise gehörte die Lehrerin, die sich eingemischt hatte, gar nicht zu der Klasse, sondern sie betreute an ihrem freien (Schul-)Tag mit ihrem Mann und den Kindern zusammen das Volleyball-Feld, auf dem das „Hitmach-Duell” stattfand.
An diesem Tag mussten die Anwesenden Weitsprung machen, inspiriert von dem Van-Halen-Song „Jump”.
Je nachdem, wie viele Meter zusammenkamen, entschied dies für den Sieg, entweder für Rottenburg oder für Lahr.
Die Lehrerin und der Lehrer, die ihre Klasse zum Volleyball-Feld gebracht hatten, sprachen nicht mit uns und schienen sich auch nicht für uns zu interessieren. Möglicherweise hielten sie uns für „Kinderbelustiger”, die der SWR in ihren Augen engagiert hatte.
Sie standen auch abseits der Schlange der Schüler, die sich im Weitsprung betätigten, und motivierten sie nicht wirklich.
Die Lehrerin, die geblieben war, erzählte uns, dass sie es schlimm fände, dass die Kinder nicht mehr kreativ und fantasievoll seien. Ihr Sohn baue sehr viel mit LEGO und würde von den Mitschülern nicht ernst genommen, weil er nicht so viel Zeit am Smartphone oder am PC verbringe wie die Anderen.
Ihr Sohn war sehr froh, als ich ihm sagte, dass ich (als Erwachsener) auch LEGO baue.
Dieses Gehabe der Kinder kennen wir zur Genüge. Sehr oft sind aber die Eltern daran schuld, dass die Kinder ihrer Fantasie keinen freien Lauf lassen (dürfen), denn schließlich müsse man realistisch denken und handeln.
Was Kreativität angeht, sehen wir für die Zukunft schwarz.
Ein kleines Highlight gab es doch.
Als die Rasselbande der „Verleugner” und „Fantasielosen” endlich weg war, unterhielten wir uns mit zwei Mädchen.
Diese kannten auch Jules Verne, denn eine von den beiden hatte ein Referat über „Reise zum Mittelpunkt der Erde” gehalten. Sie wussten, wovon wir sprachen und worum es ging.
Sie fanden es ganz toll, sich mit uns unterhalten zu haben.
Die Fantasie ist nicht bei allen verloren.
Nachtrag:
Gestern beim „Hitmach-Duell” hat Rottenburg am Neckar mit 1 635 Metern gewonnen.
In Lahr kamen 1 264 Meter zusammen.






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