Bezüglich der aktuellen Bauernproteste kursiert ein Video.
Es zeigt einen Bauern, der offenbar auf einer der Protestkundgebungen zu sein scheint.
Der Bauer schaut eher zufällig in einer Kamera und sagt. „Wir haben Euch ein Geschenk gemacht. 75 Jahre Frieden, denn Ihr hattet immer etwas zu essen. Was wäre wohl passiert, wenn Ihr nichts zu essen gehabt hättet? Es wäre zum Bürgerkrieg gekommen. Zudem haben wir die Preise immer stabil gehalten. Es ist ein Geschenk für Euch. Danke schön!“

Uff!

Nach diesem Statement musste ich mich ganz kurz erholen und dann reflektieren.

Diese Bauer heuchelt und hascht nach Sympathie für die Bauernproteste. Er versucht Stimmung gegen das eigene Volk zu machen, denn er und seinesgleichen – Bauern – haben dem Volk laut seiner Aussage Frieden gebracht.

Dies lasse man sich langsam auf der Zunge zergehen.

Dieser Bauer glorifiziert sich und die anderen Bauern zu Friedensengel.
Gleichzeitig rechtfertigt er die Proteste aus „hinnehmbar“, egal wie sie sich entwickeln.
Auch hätten er und die anderen dafür gesorgt, dass die Preise seit zig Jahren stabil seien.

Von stabilen Preisen ist mir nichts bekannt.
Jedes Jahr steigen die Preise von landwirtschaftlichen Erzeugnissen: einmal, weil es zu viel regnet, ein anderes Mal, weil zu wenig Regen war … oder weil das Wetter da war oder manchmal fehlte.

Was er schwafelt, tut weh.

Einzige allein die Bauern hätten den Frieden garantiert, sagt er.
In seiner Parallel-Realität mag das so sein.

Er hat wohl folgendes vergessen, dass es Abrüstungs- und Friedensverträge gab:

Um es ihm ins Gedächtnis zu rufen, sind hier die wichtigsten (für Deutschland und Europa relevante) aufgelistet.

  • Potsdamer Abkommen (1945):
    Zwischen den Alliierten und Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg
  • NATO-Vertrag (1949):
    Gründung der Nordatlantikpakt-Organisation zwischen den westlichen Demokratien
  • Pariser Verträge (1954):
    Beendigung des Besatzungsstatus für die Bundesrepublik Deutschland und Integration in die NATO
  • Römische Verträge (1957):
    Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), Vorläufer der Europäischen Union.
  • Vertrag von Moskau (1970):
    Verbesserung der deutsch-sowjetischen Beziehungen
  • Helsinki-Abkommen (1975):
    Standards für die Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und Milderung des „Kalten Kriegs”
  • Deutsch-Deutscher Grundlagenvertrag (1972):
    Regelung der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR).
  • Pariser Frieden von 1991:
    Beendigung des Zweiten Golfkrieg und Auswirkungen auf die Sicherheit und Stabilität in Europa.
  • Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa (CFE) (1990):
    Obergrenzen für konventionelle Waffen in Europa
  • Maastricht-Vertrag (1992):
    Grundlagen für die Europäische Union, einschließlich der Wirtschafts- und Währungsunion
  • Vertrag von Amsterdam (1997):
    Aktualisierung der Verträge der Europäischen Union, um die institutionelle Struktur zu stärken und die Integration zu fördern
  • Vertrag von Lissabon (2007):
    Reform der EU-Verträge, um die Effizienz und Transparenz der Institutionen zu verbessern.

Dies hatte er wohl vergessen, vielleicht weil er nervös war, weil eine Kamera auf ihn gerichtet war.

Nun möchte ich gemein sein!

Der Friedensengel schweigt davon, dass sein Betrieb, wie alle anderen landwirtschaftlichen Betriebe auch, permanent vom Staat subventioniert werden.
Er erwähnt auch nicht, dass die beiden zurückliegenden Jahren für die Bauern eine 45-prozentige Gewinnsteigerung gebracht haben, teils durch höher Abgabepreise an Großhändler und dadurch bedingt höhere Endverbraucherpreise.
Umgerechnet würde der Wegfall der Subventionierung des Diesels beim Milchpreis ein bis zwei Cent ausmachen.
Jeder landwirtschaftliche Betrieb hat im Jahr durchschnittlich 2900 Euro an Dieselzuschuss bekommen, der nun wegfiele. Dies wären knapp 240 Euro pro Monat „Verlust“.

Diese 240 Euro muss er jedoch wieder „ausgleichen”.

Kann es sein, dass er Preise für seine Produkte erhöhen müsste?

So, jetzt ist der selbst-deklarierte Friedensengel dran!

P.S.:
Mein Großvater war, nebenbei bemerkt, Bauer und hatte Getreide-Anbauflächen von 125 Hektar.

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