Vor einigen Wochen war eine Sitzung unseres Journalisten-Kollektivs.
In solchen Sitzungen wird besprochen, welche Interviews, Berichte und möglicherweise investigative Recherchen wichtig sind und wer welchen Bereich abdecken wird.

„Du bist doch auch Jobcoach“, sagte der Leiter zu mir, „Du kannst doch bestimmt die Reputationen von Unternehmen auf Jobmessen erkunden.“

Das interessierte mich und ich habe ja immer wieder über „das Arbeitsleben“ berichtet.
Dann machte ich mich „auf die Socken“.

Ich besuchte ein paar Job- und Recruiting-Messen.
Einmal sprach ich offiziell als Reporter mit Firmenvertretern dort, ich gab mich aber auch als Jobsuchender aus und wurde von den Personalleitern interviewt.
Ich muss dazu sagen, dass ich immer Lebensläufe von mir dabei hatte.

In meiner beruflichen Laufbahn habe ich schon vieles gemacht, auch meine technische beziehungsweise handwerkliche Ausbildung direkt nach der Schule kam mir zugute, sowie das Studium und meine mannigfaltigen Beschäftigungen in vielen Bereichen.

Auf der Jobmesse in Stuttgart bin ich auf eine Firma aufmerksam geworden.
Diese suchten Personen, die sogenannte „Post-Prozessoren“ erstellen sollten.

Wenn jemand am Bildschirmarbeitsplatz eine technische Zeichnung von einem Werkstück erstellt, kann er die technische Zeichnung mit einem „Post-Prozessor” umwandeln lassen in einer Datei, die die Maschine, die das Teil herstellt, lesen kann.
Der „Post-Prozessor” überträgt auch die maschinenlesbare Datei mit den Arbeitsanweisungen an die Maschine.
In dieser Datei sind beispielsweise Anweisung zu finden, wie „Maschine an“, „Kühlmittel an“, aber auch welche Formen ( „Loch bohren” ) in ein Teil eingefräst werden sollen.

Die Aufgabe des Maschinenbedieners ist, das Rohmaterial in die Maschine einzulegen.
Die Maschine stellt aus dem Rohmaterial das fertige Werkstück her, zum Beispiel eine Anrtiebsache für ein Auto oder ein Teil für eine Türklinke et cetera.

Vor einigen Tagen war ich als Journalist undercover unterwegs – als Arbeitssuchender auf einer großen Jobmesse.
Was folgte, war ein Vorstellungsgespräch, das mir noch lange in Erinnerung bleiben wird – allerdings aus den „falschen” Gründen.

Der Termin war zwei Tage nach der Messe, um 10 Uhr morgens am Montag.

Kaum hatte ich im engen Büro Platz genommen, brach der Chef der Firma aus.
Er schimpfte lautstark mit seinem Personalverantwortlichen: „Wer setzt bitte ein Gespräch um 10 Uhr an? Das ist viel zu früh!“

Schon zu diesem Zeitpunkt war mir klar, dass dies kein gewöhnliches Gespräch werden würde.

Der Chef selbst wirkte äußerst unzufrieden sowie unfreundlich, und das ließ er auch an mir aus.
Als ich mich vorstellte und von meinen Erfahrungen erzählte, „glänzte” er durch abweisendes und abwesendes Verhalten.
Immer wieder warf er einen Blick auf sein Smartphone, während ich sprach, und zeigte keinerlei Interesse an dem, was ich zu sagen hatte.

Der junge Personalverantwortliche neben ihm hingegen zeigte keinerlei Regung – stumm und reglos saß er da.

Dann kam der Moment, der das Gespräch auf ein neues Tief beförderte: „Warum haben Sie eigentlich keinen Techniker gemacht? Oder sind Sie durchgefallen?“ fragte der Chef schnippisch.

Ich erklärte ruhig, dass ich einen bodenständigen Beruf in der Metallbranche gelernt, ein Studium absolviert und zahlreiche Weiterbildungen besucht hätte.
Aus meiner Sicht wäre ein zusätzlicher Techniker-Kurs nicht notwendig gewesen, doch statt einer sachlichen Diskussion folgten nur weitere Provokationen und der Versuch, meine Qualifikationen trotz sehr guter Zeugnisse in Abrede zu stellen.

Schließlich brach der Chef das Gespräch abrupt ab, ohne einen ersichtlichen Grund.

Der Personalverantwortliche brachte mich wortlos zur Tür, er meinte leise, ich solle das Verhalten seines Chefs entschuldigen.
Meine Antwort war kurz und klar: „Nein!“

Ich verabscheidete mich höflich und ging – ohne mich umzusehen.

Dieses Vorstellungsgespräch war eine lehrreiche Erfahrung, die zeigt, dass sich nicht nur Bewerber, sondern auch Arbeitgeber einer kritischen Prüfung unterziehen sollten.

Etwas eine Woche später wendete sich das Blatt – zu meinen Gunsten.

Ich befand mich auf einer Job- und Ausbildungsmesse in der Nähe meines Wohnsitzes.
Besagte Firma suchte auch Auszubildende.

Nachdem ich mich etwas umgesehen hatte und mit ein paar Firmenvertretern gesprochen hatte, ging auch auf meinen „Bekannten“ zu.
Neben ihm stand eine ältere Person.
Ich schätze, es war der Ausbildungsleiter.
Vorgestellt hat er sich nicht und ein Namensschild trug er, wie viele Personalverantwortliche auf dieser Jobmesse, auch nicht.

Der Personalverantwortliche, der von mir vor etwa einer Woche verlangt hatte, dass ich das schlechte Benehmen seines Chefs mir gegenüber entschuldigen sollte, reagierte trotz meines freundlichen Grußes barsch, indem er direkt sagte: „Wir sind hier, um Auszubildende zu bekommen. Wir führen keine Gepräche, wenn es um Festeinstellungen geht.“

„Aber Herr Meier“, sprach ich ihn an, dessen realer Name bekannt ist, „seien Sie doch nicht so unfreundlich. Es reicht, wenn ihr Vorgesetzeter, Herr Härberle (realer Name bekannt), schon sehr ungehobelt in seinem Benehmen herüberkam.“

Herr Meier fragte mich sehr unfreundlich, was ich von ihm noch wolle, da ja alles gesagt sei, und ich griff in meine Brieftasche, um ihm meinen Presseausweis zu zeigen. 

Ich wollte unbedint eine Spitze gegen ihn fahren.

Auch dem anderen Herrn (neben ihm) zugewandt stellte ich mich vor und sagte, dass ich im Auftrag eines Wirtschaftsmagazins Jobmessen besuchen, beobachten und auch darüber berrichten solle, wie eventuelle Vorstellungsgespräche abliefen.
Herrn Meier fiel daraufhin die Kinnlade herunter.

Der andere Herr, der mir immer noch nicht seinen Namen verraten hatte, nachdem ich mich Sekunden vorher mit Namen und meiner Redaktion vorgestellt hatte, forderte mich auf, dass ich keinen Bericht über ein Vorstellungsgespräch schreiben dürfe wegen Privatssphäre und zudem meinte er, handele es sich um Firmeninterna und Geschäftsgeheimnisse.
Während Herr Meier weiterhin schwieg, weil er anscheinend nicht wusste, wie er sich verhalten sollte, meinte sein Kollege mir vorschreiben zu müssen, ich dürfte nichts über ihre Firma berichten.

Ich machte ihn daraufhin auf Artikel 5 Abs 1 des Grundgesetzes aufmerksam.

„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten“, begann ich und kam auf das Daraufolgende zu sprechen, “Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“

Er schaute mich erstaunt und zugleich zornig an, worauf ich rhetorisch fragte: „Sie wollen doch nicht Artikel 5 des Grundgesetzes außer Kraft setzen?“

Er murmelte irgendwas Unverständliches in seinen nicht vorhandenen Bart.

Ich entschied mich, dass ich die Messe verlassen werde, denn es waren mehrere Schulklassen angekommen, die die Messe betraten und es war sehr voll und ungemütlich eng geworden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kalender
März 2026
MDMDFSS
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
3031 
Kategorien
Editorial

Die durch die Seitenbetreiber erstellten Inhalte und Werke auf diesen Seiten unterliegen dem Urheberrecht bzw. dem Copyright des explizit gezeichneten Autoren.

Beiträge und Materialien Dritter sind als solche gekennzeichnet.

Die Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und jede Art der Verwertung bedürfen der expliziten, schriftlichen Zustimmung des jeweiligen Autors bzw. Urhebers bzw. Erstellers und des Herausgebers.

Downloads und Kopien dieser Seite sowie Konvertieren in andere Darstellungen bzw. Darstellungsformen sind nicht gestattet.

Beachten : Haftung und Recht