
Weltkongress der Prokrastination verschoben – Neuer Termin: 2030
Zum Bedauern mancher und zum stillen Amüsement vieler ist der mit Spannung erwartete Weltkongress der Prokrastination, ursprünglich für von 27. Juni bis zum 29. Juni 2025 geplant, offiziell auf das Jahr 2030 verschoben worden.
Der Kongress, der in den letzten Jahren eine zunehmende Aufmerksamkeit auf sich zog, hätte erstmals Prokrastinations-Expert:en, Forscher und Praktiker aus aller Welt in einem großen Forum zusammengebracht, um die Bedeutung des Aufschiebens für das menschliche Verhalten, die Kreativität und die Produktivität zu erörtern.
Die Veranstalter versprechen jedoch, dass das Warten sich lohnen wird.
„Der Kongress wird irgendwann stattfinden – versprochen“
Die Ankündigung erfolgte am 9. November 2024 in einem Statement der Organisation „Global Delay Society“, die für die Ausrichtung des Kongresses verantwortlich ist.
In der Erklärung hieß es:
„Die Vorbereitungen haben Fortschritte gemacht, allerdings fühlen wir, dass wir noch einige Jahre zusätzliche Planung und Reflexion benötigen, um der Veranstaltung das Format und die Bedeutung zu verleihen, die sie verdient.“
Der Sprecher der Gesellschaft, Dr. Augustin Tardia, äußerte sich auf Nachfrage in gewohnt gelassener Manier:
„Es wäre viel zu übereilt gewesen, den Kongress bereits 2024 abzuhalten. Schließlich ist die Kunst des Aufschiebens nichts, was man unter Zeitdruck tun sollte.“
Ein Kongress im Geiste des Aufschiebens
Der Weltkongress der Prokrastination sollte ursprünglich ein zweitägiges Programm umfassen, das von Vorträgen und Diskussionsrunden bis hin zu praktischen Workshops reichte.
Geplante Themen waren unter anderem: „Die verborgenen Vorteile des Aufschiebens“, „Das kreative Potenzial der letzten Minute“ und „Die Wissenschaft der Prokrastination: Mythos oder evolutionäre Notwendigkeit?“.
Auch ein Panel zum Thema „Kulturelle Unterschiede im Aufschieben – Weltweit ähnliche Muster?“ war angedacht.
Viele Teilnehmer:innen, darunter renommierte Psychologen, Soziologen und Neurowissenschaftler, hatten bereits zugesagt und ihre Teilnahme bestätigt – allerdings nur unter der Bedingung, dass ihre Vorträge flexibel verschoben werden könnten.
„Ein ehrliches Fest der Aufschieberitis“
Viele der angemeldeten Teilnehmer begrüßen die Verschiebung des Events.
So erklärte etwa die bekannte Verhaltenspsychologin Dr. Elisa Langzeit:
„Ein Kongress über Prokrastination kann nur authentisch sein, wenn er selbst immer wieder verschoben wird. Wir schaffen damit Raum für wahre Reflexion und können den inneren Dialog des Aufschiebens zelebrieren.“
Sie sieht die Verzögerung als wichtigen Bestandteil des Kongress-Erlebnisses, das die Mentalität der Prokrastination auf einer tiefen Ebene verankern soll.
Im Kreise der Prokrastinations-Forscher wächst jedoch eine Sorge, dass die Verschiebung möglicherweise das Interesse am Thema mindern könnte.
Dies weist der Kongress-Vorsitzende Dr. Tardia allerdings zurück:
„Ganz im Gegenteil! Die Leute, die sich wirklich für das Thema begeistern, werden darauf warten, egal wie lange es dauert. Sie sind geübt darin, sich Dinge für später aufzusparen. Es ist das Wesen der Prokrastination, den Moment auszudehnen und die Erwartung aufrechtzuerhalten.“
Ein Ausblick auf das Programm (… vielleicht)
Nach Aussagen der Organisatoren wird das Programm im Jahr 2030 noch umfangreicher ausfallen.
Neben den ursprünglich geplanten Vorträgen und Workshops wird derzeit an neuen Formaten gearbeitet, darunter ein „Aufschiebe-Marathon“, bei dem die Teilnehmer:innen versuchen sollen, eine Aufgabe möglichst lange nicht zu erledigen.
Hierfür könnten Preise wie „Längstes Zögern“ und „Kreativstes Hinauszögern“ vergeben werden.
Für Entspannungspausen, die ausschließlich dafür vorgesehen sind, dass die Teilnehmer sich vor geplanten Aufgaben drücken, ist ebenfalls ausreichend gesorgt.
Ein weiteres Highlight soll der „Prokrastinations-Battle“ werden, bei dem sich Teilnehmer gegenseitig in kreativen Formen des Aufschiebens übertrumpfen können.
Hier sind Reden zu erwarten, die durch unterbrochene Gedankengänge und Abschweifungen bestechen und so das Thema auf charmante Weise repräsentieren.
Abgerundet wird das Ganze durch die „Galerie der Unvollendeten Werke“, eine Ausstellung, die Werke aus aller Welt zeigen wird, die in verschiedenen Stadien der Unvollständigkeit stecken geblieben sind.
Von halbfertigen Gedichten bis zu unfertigen Gemälden und halb programmierten Apps sollen hier die Schönheit und der Charme des Unvollendeten zelebriert werden.
Eine Veranstaltung in der Schwebe
Während die „Global Delay Society“ versichert, dass das Interesse und die Unterstützung der Community für die Verschiebung hoch sind, gibt es Stimmen, die den Beschluss kritisch betrachten.
So äußerte der schweizerische Soziologe Dr. Hans Späterlii seine Bedenken:
„So sehr ich die Idee des Kongresses schätze, so frage ich mich, ob die fortlaufenden Verzögerungen nicht ein strategisches Mittel sind, um das Thema weiter zu mystifizieren und die Aufmerksamkeit in der Schwebe zu halten. Die Prokrastination ist ein Phänomen, das man durchaus ernst nehmen sollte – besonders in einer Welt, die immer schneller wird.“
Doch ungeachtet solcher Einwände verspricht die „Global Delay Society“, dass der Kongress ein Ereignis wird, das die Welt des Aufschiebens für immer prägen wird – wann immer es schließlich stattfinden wird.
Ausblick auf die Zukunft des Prokrastinations-Kongresses
Mit dem neuen Termin im Jahr 2030 hoffen die Organisatoren, genügend Zeit zu haben, um ein bahnbrechendes Event auf die Beine zu stellen.
Für all diejenigen, die sich bereits eingehend mit dem Thema beschäftigt haben und nun enttäuscht sind, bietet die „Global Delay Society“ jedoch eine aufmunternde Botschaft:
„Man kann nie früh genug damit anfangen, sich Zeit zu lassen. Lassen Sie sich nicht entmutigen, sondern genießen Sie den Moment des Wartens – schließlich ist das die wahre Kunst der Prokrastination.“
Ob die Veranstaltung tatsächlich 2030 stattfinden wird oder dann erneut verschoben wird, bleibt offen.
Bis dahin bleibt der Weltkongress der Prokrastination ein amüsantes, doch immer ernstzunehmendes Symbol unserer Beziehung zur Zeit, zu den eigenen Erwartungen – und zum Zauber der unerledigten Dinge.






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