Stuttgart

An der Kasse in einem Supermarkt, kurz vor Ladenschluss.
Die Kassiererin versuchte verzweifelt, einen „Energie-Drink” über den Scanner zu ziehen.
Versucht, denn es klappt nicht.
Sie rief hilfesuchend nach ihrer Kollegin.
Ein Kunde, der in der immer längerwerdenden Schlange stand, hatte plötzlich den Durchblick, warum es mit dem Einscannen nicht klappen konnte:
„Der Energie-Drink verleiht Flügel. Deswegen schwebt er über den Scanner.”

Heute hat es das erste Mal geschneit.

Gestern bin ich von Dettenhausen wieder nach Beckum gefahren, um hier Ostern – vor allem mit Devil – zu verbringen.
Mein Chef hat mir erlaubt, dass ich wegen des Osterreiseverkehrs schon um 14:30 Uhr fahren durfte.
In der Nähe von Stuttgart war ich im Stau, dann wieder beim Kreuz Leonberg etwas weiter entfernt.
In Pforzheim wieder …
Insgesamt waren es – trotz Umfahrungen – sechs Staus.
Auf der A45 machte ich Halt an einer Raststätte im Siegerland, wo der Kaffee teuer war.
Als ich wieder auf der Autobahn weiterfuhr, begann es erst zu regnen – das dachte ich. Es war aber Schnee, der in starkem Maße zunahm und dafür sorgte, dass Matsch und Schnee sowie stellenweise Eis auf der Autobahn herrschte.
Auf der Autobahn waren Leuchtschilder mit dem Eis-Symbol (Eiskristall mit roten Dreieck) eingeschaltet.
Man konnte maximal sechzig bis achtzig km/h fahren, manchmal auch nur 50.
So tröpfelte die Zeit dahin.
Wegen eines Staus von 21 Kilometern auf der A1 machte ich einen Schlenker und war dann im Dunkeln in Beckum.
Um 22:30 Uhr!
„Dank” des Osterreiseverkehrs und des „Winters” …

Am Samstag machte ich mich gegen zehn Uhr auf den Weg nach Stuttgart.
Im Radio SWR 3 wurde den ganzen Morgen über das Orkantief „Emma” berichtet.
Als ich durch Waldenbuch, Nachbarstadt von Dettenhausen, durchgefahren war, wurde im Radio darauf aufmerksam gemacht, dass das Orkantief momentan über Stuttgart ziehe.
Nachdem ich Steinenbronn hinter mir gelassen hatte, wechselte der Regen in ein heftiges Graupel- und Hagelschauer. Ich fuhr instinktiv langsamer. Ich hatte auch Angst, dass Bäume bzw. Äste auf die Straße vor mir oder auf mein Auto fallen könnten.
In Leinfelden-Echterdingen angekommen, machte ich in einem Café Pause, um das Graupel- und Hagelschauer abwarten. Der Wind wurde auch heftiger.
Nach knapp dreißig Minuten hatte sich das Schauer verzogen, aber es war kälter geworden. Der Regen war auch weg.
Ich entschloss mich, weiter Richtung Stuttgart zu fahren.
Auf der Bundesstraße 27 hatte es einen Unfall gegeben. Ein Kombi war einem Kleinwagen vorne hineingefahren. Der Kleinwagen hatte die Kotflügel und die Motorhaube verloren.
Ab Stuttgart-Degerloch bis ins Zentrum von Stuttgart hatte sich der Graupel bzw. Hagel als knapp drei Zentimeter dicke Schicht auf die Straße gelegt.
Autofahrer ohne M+S-Reifen hatten stellenweise massive Probleme mit dem Lenken und Fahren, da man von oben in Stuttgart hineinkommt und Stuttgart selbst in einem Tal liegt.
In Stuttgart angekommen, fuhr ich in ein Parkhaus nahe der Landesbank und begab mich erstmal zur „Arnulf-Klett-Passage”, einer unterirdischen Einkaufspassage.
Als ich nach knapp einer halben Stunde die Passage verließ, war das Unwetter weg.
Ich trank in einem Café einen Cappuccino.
Als ich wieder auf der Einkaufstraße war, kam ab und zu die Sonne durch.
Das war mein kleines Erlebnis mit bzw. im Orkantief „Emma” …
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Gleich geht es los …
Zwischen fünf und sechs Uhr steige ich mich in mein Auto und werde mich Richtung Stuttgart in Bewegung setzen.
Ich wohne in Dettenhausen, zu anfangs in einem möbelierten Zimmer.
Die IT-Firma, für die ich arbeiten werde, ist in Dettenhausen ansässig.
Mir ist schon etwas mulmig bei dem Gedanken, dass ich alles hinter mich lasse.
Devil bleibt bei meinen Eltern.
Da war er ja auch, wenn ich arbeiten musste.
Leider kann ich ihn nicht mitnehmen, denn ganz alleine den langen Tag in einer Bude in fremder Umgebung ist er nicht gewöhnt.
Er hatte immer Leute um sich, meine Eltern, Nachbarn, mich … (mich ja nicht mehr)
Vor allem die Trennung von Devil liegt mir schwer im Magen.
Es ist ja kein Abschied für immer. Ich werde ja alle zwei Wochen zurück nach Beckum kommen und Devil sowie meine Eltern besuchen.
Der Kleine hat es gut bei meinen Eltern.
Von innen drücken die Tränen, um sich einen Weg nach außen zu bahnen.
Ich hätte nie gedacht, dass es so schwer wird, ohne Devil um mich herum.
Alleine schon der Gedanke, auf meinen besten und treuesten Freund verzichten zu müssen und ihn nur noch ab und zu – beim Vorübergehen – zu sehen.
Er ist bei meinen Eltern gut aufgehoben. Er kennt sie ja, solange er auch mich kennt.
Die Freundschaft ist ja nicht aufgehoben.
Ich werde das Foto, auf dem er und ich am Strand von Norden-Norddeich sitzen, mitnehmen.
Ich muss dadurch. Ich habe keine andere Wahl. Auch wenn es unendlich weh tut, einen Freund zu verlassen, den liebsten, besten, treuesten Freund.
Wir sehen uns ja bald wieder, zwar nur für knapp einen bzw. zwei Tage, aber wir sehen uns immer wieder.
Am 15. Februar komme ich ja für ein Wochenende wieder!
Armes Kleinchen!
Wenn du doch verstehen könntest, warum das alles so ist!
Ich habe dich unendlich lieb.
Lieber Devil!
Du wirst immer und ewig mein bester und treuester Freund bleiben.
Du wirst nicht verstehen, warum ich gehe.
Es gibt kein zurück mehr für mich, leider.
„Warum nimmst du mich nicht mit nach Stuttgart?”, wirst du mich fragen, doch ich kann dir nur sagen, dass es besser so ist für dich, wenn du bei „Mutti” und „Vati” in Beckum bleibst.
Ich habe leider keine andere Wahl, als nach Stuttgart zu gehen, dort, wo ich dich nicht mitnehmen kann. Dort wärest du den ganzen Tag allein, denn ins Büro könnte ich dich nicht mitnehmen.
Und den ganzen Tag allein in der Bude!
Du würdest nur traurig sein und weinen, weil du ganz alleine bist, alleine in einer unbekannten Umgebung, wo du niemand kennst, wo dich niemand kennt.
So bist du bei „Mutti” und „Vati” in Beckum und kennst auch Mechtild, Uwe, Kerstin, Michael und deine Hundefreude Basti, Jenna und wie sie alle heißen.
In Beckum bist du nicht allein.
Und ich bin doch nicht für immer weg, sondern komme schon am 15. Februar wieder für knapp zwei Tage, in denen wir spielen, knuddeln und kuscheln werden.
Und unser Freundschaft wird bestehen bleiben.
Verzeih mir, dass ich gehen muss!

Man hört es ja in den Medien, vom Hörensagen und ähnlichem …
Nun ist es auch mir passiert bzw. passiert mir am 1. Februar 2008.
Am 31. Januar siedele ich über in die Nähe von Stuttgart.
Ich bin traurig, dass ich meinen kleinen wuscheligen Freund Devil nicht mitnehmen kann, auch nicht später, aber er ist ja bei meinen Eltern auch glücklich.
Schlimmer wäre es, wenn er in ein Tierheim müsste.
Das brächte ich nicht übers Herz. Dann bliebe ich in Beckum.
Mitnehmen kann ich ihn nicht. Er ist es nicht gewöhnt, den ganzen Tag alleine zu bleiben und ab und zu Gassi zu gehen und das in ungewohnter Umgebung.
Er würde eingehen.
Bei meinen Eltern fühlt er sich ja wohl, und er kennt die Gegend. Als ich arbeiten musste, war er ja auch mit meinen Eltern zusammen. Er kennt es nicht anders.
Aber Freunde bleiben er und ich ja. Ich werde alle zwei, drei Wochen nach Beckum kommen.
Es wird eine harte Zeit dort im Süden. Einarbeitung in neue (alte) Themen.
Ich muss ein CAD-System kennenlernen. Das werden die ersten drei, vier Wochen sein.
Mit dem System kann man Aluminium-Profile „zeichnerisch bearbeiten”, also technische Zeichungen anfertigen, z.B. Löcher bohren, Langlöcher, Sägeschnitte, Aussparungen für Schlösser, Scharniere etc.
Diese Zeichnungen werden dann umgerechnet und als Programm an eine CNC-Fräse gesandt.
Das technische Zeichenprogramm (CAD) generiert aus den Bearbeitungsfolgen (Bohren, Fräsen, Schneiden) Arbeitsanweisungen für eine Fräse.
Die Fräse arbeitet dann automatisch die CNC-Arbeitsanweisungen ab.
Im ersten Beruf bin bzw. war ich Bauschlosser und habe auch CNC gelernt.
Mittels CNC kann man eine Fräse oder andere Maschine programmieren. Dann drückt man eine Taste und die Maschine legt los. Einige Zeit später ist das Teil fertig bzw. nach den CNC-Anweisungen bearbeitet.
Das ist fast zwanzig Jahre jetzt her bei mir, doch Befehle wie „Mache eine Bohrung mit dem 6‑Millimeter-Bohrer 20 Millimeter tief. Beginne 100 Millimeter von rechts und 30 Millimeter von unten.” verlernt man nicht.
Dann muss ich das „Innerste” des Zeichenprogramms lernen – welche Programmteile was machen.
Ich werde Code lesen lernen, diesen lernen anzuwenden.
Dann werde ich betraut sein, die Codes weiterzuentwickeln.
Ein harte Zeit!
Heimweh!
Denken an meinen kleinen Freund, dem ich hoffentlich nicht so sehr fehlen werde und der hoffentlich nicht so leiden wird.
Es ist ja kein Abschied für immer. Ich werde ja alle zwei Wochen freitags nach Beckum fahren und sonntags wieder in den Süden zurück.
Wenn ich Urlaub habe, werde ich Devil ja ein paar Wochen besuchen.
Ein Sprung ins kalte Wasser, für alle Beteiligten!