Dort, wo wir wohnen, ist zwischen den Häusern Radfahren verboten. 
Um das nahe gelegene Gymnasium darf man dies allerdings.
An den Wegen zu den Häusern stehen blaue Schilder, die eindeutige anzeigen, wo genau die Fußgängerwege – Amtssprache: „Gehwege“ – beginnen.

Beim Schild 239 handelt es sich um ein reines Fußgänger-Schild. Der Weg darf nur als Gehweg von Fußgängern genutzt werden. Es handelt sich hier um einen Sonderweg für Fußgänger.
Kinder bis zehn Jahren dürfen in diesem Bereich mit dem Rad fahren.

Uns nervt es ungemein, wenn man dort zu Fuß geht und von Fahrradfahrern belästigt wird, weil sie eine vermeintliche Abkürzung nehmen wollen.

Einige Jugendliche, die weit über zehn Jahre waren, fuhren wieder in den Weg ein. Zudem hatte ich noch Cora an der Leine.

„Hier ist kein Fahrradweg“, sagte ich zu einem Mädchen, das vor Cora gebremst hatte. Cora stand dort, hatte aber weder gebellt, noch irgendwas anderes gemacht. Sie schaute es nur abwartend an.

Ich wiederholte, dass hier kein Fahrrad gefahren werden dürfe. Das Mädchen sagte: „Ich weiß.“, blieb aber auf dem Rad sitzen, abwartend, dass ich Cora wohl zu mir näher hole.
„Wenn Du es weißt, dann stiege ab!“, sagte ich, „Du kannst Dein Fahrrad hier durchschieben.“
Ein paar andere hatten auch angehalten und warteten vor der gespannten Leine von Cora, die sich hingesetzt hatte, mit ihrer Rute wedelte und auf etwas Spannendes hoffte.
„Hier ist kein Fahrradweg, denn das blaue Schild mit der Mutter und dem kleinen Kind bedeutet, dass hier ein reiner Gehweg ist. Ihr könnt hier alle gerne schieben.“
„Das weiß ich“, meinte wieder das eine Mädchen.
„Leute, Ihr könnt es Euch aussuchen. Entweder steigt Ihr ab und schiebt oder Ihr fahrt an der Bäckerei her.“
Cora hatte währenddessen den Weg freigemacht und war ein kleines Stückchen den Weg zu unserem Haus hereingegangen.
Die fünf Kinder schauten mich völlig ratlos und verwirrt an. Sie waren wohl überfordert.

Dann kam ein Erwachsener von der anderen Seite und fuhr langsam an mich heran.
„Sie wissen aber schon, dass hier nur ein Gehweg ist und dass hier Radfahren verboten ist“, stellte ich eine Frage.
„Das weiß ich“, antwortet er mit hämischem Blick.
„Sie sind ein schlechtes Beispiel für die Kinder hier“, intervenierte ich, doch er fuhr neben mir her, auf zwei Kinder zu und quetschte sich durch diese respektlos durch. Die meisten Kinder blieben stehen, während einige einfach neben mir her fuhren.

Soviel also zu Verkehrsregeln!

Die Situation ist, im Nachhinein betrachtet, eher irreal gewesen.
Als ich den Kindern erzählt hatte, dass hier Radfahrverbot gelte, schauten diese mich an, als wäre ihnen ein Außerirdischer erschienen.
Sie kamen nicht damit klar, dass ein Fremder ihnen klarmachte, was „Gesetz“ ist.
Das Mädchen zu Anfang hat in keinster Weise begriffen, um was es ging. Es sagte zwar, dass es wisse, dass man nicht mit dem Rad fahren dürfe, hat aber nicht verstanden, dass sie im Mittelpunkt stand und gemeint war.

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