Liana und Roland waren seit vielen Jahren verheiratet.
Nach außen hin schien alles harmonisch.
Liana arbeitete als Krankenschwester, kümmerte sich liebevoll um die Familie und vertraute blind auf die Entscheidungen ihres Mannes. 

Roland, der über das Geld verfügte und sich um die Finanzen kümmerte, hatte stets das letzte Wort.
Ihre Ehe war geprägt von klaren Rollenverteilungen:
Liana nahm alles hin, was Roland vorgab, und stellte seine Entscheidungen nicht infrage.
Ebenso hatte sie sich darauf eingelassen, nur eng bemessenes Haushaltsgeld zu bekommen, obwohl sie selbst Geld verdiente.

Doch vor einigen Monaten verlor Roland seinen Job.
Das änderte für ihn wenig. 

Er lebte weiter auf großem Fuß, als wäre nichts geschehen. 

Seine teuren Angewohnheiten und sein großspuriges Auftreten blieben unberührt, auch wenn das Geld knapp wurde. 

Lianas Kolleginnen begannen sich Sorgen zu machen.
Sie versuchten, sie zu warnen, denn Rolands Anspruch auf Arbeitslosengeld würde bald erlöschen und er bekäme kein Bürgergeld – wegen Lianas Einkommen.

Doch Liana wollte davon nichts hören. 

Sie glaubte an ihren Mann, daran, dass er irgendwann wieder die Kontrolle übernehmen würde.

„Roland wird das schon regeln”, sagte sie immer beschwichtigend, „Wir können ja vom Ersparten leben.”

Ein Vorfall hätte Liana die Augen öffnen können. 

Roland war an einem Tag mit dem Auto in einer anderen Stadt unterwegs, um ihren Sohn von der Schule abzuholen. 

Eine Kollegin hatte sich später gewundert, warum er nicht den Einkauf erledigt hatte.
Schließlich hatte er doch den ganzen Tag Zeit gehabt. 

Liana sprach ihn abends darauf an. 

Roland hatte eine Erklärung parat, die ausweichend und wenig überzeugend klang.
Er sagte, er habe das Auto an diesem Tag schon oft genug gestartet, und es wäre nicht gut gewesen, es erneut anzulassen.
Daher sei er direkt nach Hause gefahren.

Für Liana war diese Ausrede offenbar plausibel genug. 

Sie nahm sie hin, ohne sie zu hinterfragen, und ging am Abend selbst einkaufen. 

Ihrer Kollegin erzählte sie, dass ihr eigenes Auto an diesem Tag viel weniger beansprucht worden sei als das von Roland, als wäre das eine sinnvolle Ergänzung zu seiner Erklärung.

Liana erkannte nicht, was alle anderen längst sahen: Roland hatte es sich in seiner Rolle bequem gemacht. 

Statt aktiv Verantwortung zu übernehmen, lebte er sorglos weiter und ließ Liana die Last des Alltags tragen. 

Er kümmerte sich um die Finanzen, während Roland sich darauf verließ, dass sie alles Andere regeln würde. 

Er spielte weiterhin den dominanten Ehemann, der Entscheidungen traf, obwohl er längst jegliche Verantwortung abgegeben hatte.

Doch Liana war nicht bereit, diese Wahrheit zu akzeptieren. 

Sie hielt an dem Bild fest, das sie sich von ihrem Mann gemacht hatte – loyal bis zur Selbstaufgabe. 

Ihre blinde Treue und ihr Glaube daran, dass Roland nur eine schwierige Phase durchlebte, ließen sie die Realität ignorieren. 

Roland hatte sich längst in der Bequemlichkeit seiner Arbeitslosigkeit eingerichtet und sah keinen Grund, daran etwas zu ändern. 

Und Liana, in ihrer Rolle als treusorgende Ehefrau, war nicht bereit, sich einzugestehen, dass sie von ihrem Mann zum Hausmütterchen degradiert worden war.

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