Anfang 2020 navigierten wir zum sogenannten „Darknet“, dem mehr oder weniger geheimen und mysteriösem Teil des Internets. Es war nicht so einfach, diesen Bereich zu „betreten“.
Vorher hatten wir uns noch ein Konto für die virtuelle Währung Bitcoins eingerichtet.
Nach ein paar Tagen des Stöberns im „dunklen Teil“ des Internets fanden wir schließlich die Pressestelle der PLO. Dort akkreditierten wir uns und bekamen über kuriose Wege unsere Unterlagen für die Berichterstattung über die „Explo 2020“, der „Messe für Terrorismus und Anschläge“.

Als wir ein paar Wochen später nach Islamabad flogen, erwartete uns eine neue Herausforderung.
Wir hatten eine Adresse „Behind the Main Post Office at the Car Spare Compartment”, mehr aber auch nicht.
Arabischkenntnisse hatten wir nicht, hofften aber, dass Englisch oder Russisch gesprochen wurde. Unser Englisch hatten wir vom amerikanischen Slang, den man in deutschen Schulen lernt, befreit, da wir wussten, dass Amerikaner nicht gut angesehen waren.

Also liefen wir die Straße, die an der Haupt-Post vorbeiführte, auf und ab.
Ein Mann in tradioneller arabischer Kleidung winkte uns zu. Er machte eine Handbewegung, ihm zu folgen. Wir kamen an dem Auto-Ersatzteil-Lager vorbei. Er wies uns in die Werkstatt. Von dort aus ging es eine schmale Gasse zu einem größeren Grundstück, auf dem geräumige Häuser standen. Vor einem saßen Bettler, die direkt aufstanden, als sie uns sahen. Der Mann, der uns hingeführt hatte, drehte sich um und verschwand. Die Bettler verneigten sich.
„Guten Tag!“, sagte einer zu uns, „Willkommen bei der Explo 2020. Mein Name ist Ali.“
„Warum sprechen sie deutsch?“, fragten wir verwundert.
„Ach, wissen Sie“, winkte er ab, „der Terrorismus ist längst international geworden.“

Nach der Kontrolle unserer Unterlagen wurden wir von bewaffneten Leute mit tief in die Gesichter gezogenen Turbanen und Kufias in die Presse-Lounge des Messe-Zentrums eskortiert.
Links und rechts daneben standen Raketenwerfer, die auf die Presse-Lounge gerichtet waren, alles für eine freie Presse!

Von weitem hörten wir Mündungsfeuer.
„Das sind ehemalige KGB-Agenten“, sagte unser Begleiter Ali, „die sind jetzt im Waffengeschäft und führen die neuesten Kalaschnikows vor. Die schießen zwar mit scharfer Munition, aber es sind so gut wie nie welche zu Schaden gekommen …“ er grinste breit „…zumindest nicht hier auf dem Messegeläände.“

Nach einer kleinen Stärkung ging es dann mit unserem Führer und Dolmetscher zu den einzelnen Hallen.

In Halle 1 gab es die neuesten Panzerfahrzeuge zu bestaunen.
„Die haben wir aus – ich sage mal Beständen der Armee – ‚geschenkt‘ bekommen“, erklärte uns ein missmutig dreinschauender Endzwanziger an einem Stand der Iraner, „aber jetzt gehören die eben uns.“
Er ließ uns den Panzer betreten und zeigte uns voller Stolz die Zieleinrichtungsapparaturen und die Kanonenrohre.

Die Stände in Halle 2 bildeten reale Entführungen ab.
Es war auch eine kleine Wohnung aufgebaut, vor dem Kameras standen. Auf dem Stuhl auf der anderen Seite des Tisches saß ein Mann, der sehr mitgenommen aussah.
„Der ist kampferprobt“, meinte Ali, „dem kann ein Gewehrhieb nichts anhaben.“
Dann ging es los. Der Kameramann nahm Aufstellung. Eine Filmklappe wurde zugeschlagen, dann begann es.
Zwei Verkleidete und bis zu den Zähnen Bewaffnete traten von der Seite neben das Entführungsopfer.
Sie legten einen bedruckten Bogen Papier auf den Tisch und stupsten den Mann an.
„Lies, Ungläubiger!“
„Mein Name ist Don Smith. Ich bin Diplomat der Vereinigten Staaten von Amerika.“
Bei dem Wort „Amerika“ wurde einige Gesichter der Umstehenden sehr bösartig und Flüche wurden ausgestoßen.
„Der Großmut Allahs will mich verschonen, wenn Amerika sich aus dem Konflikt in Irak und Syrien zurückzieht.“
Die beiden bewaffneten Männer lugten in die Kamera hinein und zischten in die Ksmera, dass Amerika der Feind der Gläubigen sei und vernichtet werden müsste.
„Mister President, lassen Sie mich nicht sterben. Meine Kinder Mary und Kevin und meine liebe Ehefrau Sandra zittern schon jetzt vor Angst, dass mir etwas zugestoßen wäre.“
Das wurde mit einem Hieb mit dem Gewehrkolben bestraft.
Das Opfer spuckte Blut.

In Halle 3 lautete das Thema „Combat and Man Hunting“.
Männer in grünen Camouflage-Uniformen und Patronengürtel verfolgten eine Frau, die in Schwarz gekleidet war.
Diese sprang hinter eine Barrikade und verschanzte sich. Die paramilitärischen Soldaten folgten ihr. Dann ging ein Schwall Rauch hoch und eine Sirene ertönte.
„Meine Herren!“, sagte eine Lautsprecherstimme, „Sie wären von der Schwarzen Witwe mit in den Tod gerissen worden. Sie können von Glück reden, dass dies nur ein Spiel ist und sie nicht im Südwesten Syriens sind. Dort wäre sie wahrscheinlich nicht bis zur nächsten Häuserecke gekommen.“
Die Männer maulten herum und legten ihre Waffen ab und gingen.
„Die haben die Aufnahmeprüfung nicht bestanden“, kommentierte dies Ali.

Halle 4 bestach durch die Aussteller verschiedenster Art.
Hier und da gab es Reisebüros, die Reisen über das Mittelmeer nach Europa anboten – Stichwort Paradies Lampedusa.
An bunten Ständen konnte man Dynamitstangen mit Einhorn-Deko kaufen.
Damit es nicht so weh tut.
Fliegende Händler wollten uns Patronengürtel andrehen.
Zwischendurch sahen wir leere Stände.
„Das sind Drogendealer“, sagte Ali, „die möchten nicht gesehen werden.“

Die Pressekonferenzen der großen Organisationen waren sehr aufschlussreich. So wissen wir jetzt, welche Länder als nächstes übernommen werden.

Alles in allem eine neue Erfahrung für uns.

Wir haben auch neue Freunde kennengelernt, wie zum Beispiel Männer der Geheimdienste, die uns beschützen. Sie sind seit der „Explo2020“ immer in unserer Nähe.

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