Am Samstag, 27. Mai 2006, war Almuth Berger, Ausländerbeauftragte des Bundeslandes Brandenburg, im Interview bei D‑Radio. Es ging das leidige Thema Rechtradikale.
Frau Berger sprach Klartext, indem sie beschrieb, dass Ausländerhass nicht nur eine Randerscheinung sei, sondern sich in der Mitte der Gesellschaft befinde. Rechtes Gedanken-„Gut“ sei gegen anderen Behauptungen in der Gesellschaft verbreitet, es werde aber unter den Teppich gekehrt. Alte Menschen, die auch eine höhere Akzeptanz der rechten Gewaltbereitschaft besäßen, gäben diese Anschauung an ihre Enkel weiter.
Zu den Übergriffen auf besonders farbige Ausländer meinte sie, dass nicht hinter jedem Busch rechtradikale Schläger stünden. Zu Übergriffen komme es vor allem, wenn Farbige und/oder Asiaten sich nachts (allein) aufhielten.
Sie sprach sich für mehr Zielgruppenprojekte aus.
Dass gerade im Osten Deutschland mehr Ausländerfeindlichkeit herrsche, rühre vom Sozialismus her, in dem Intoleranz gegen Andersdenkende geherrscht habe. Weiterhin meinte Frau Berger, dass die Deutschen im Osten keine Erfahrung mit Ausländern hätten.
Bemerkenswert ist, dass Frau Berger kein Blatt vor den Mund nimmt, und sagt, was niemand auszusprechen wagt – der Schoß ist fruchtbar (noch).
Es gibt rechtes Gedanken-„Gut“, das viele Deutsche teilen, aber nicht darüber sprechen, vertuschen bzw. es relativieren.
Viele Politiker missfallen mir, weil sie die Rechtsradikalen als subkulturelle Erscheinung beschreiben.
Sie behaupten wider besseren Wissens, dass rechtes Gedanken-„Gut“ nur von einer kleinen Gruppe getragen wird. Hohe Ergebnisse rechter Parteien wie die NPD im sächsischen Landtag werden als Stimmen von „Protestwählern“ gewertet – besser gesagt – verschleiert.
Anscheinend haben viele Politiker Probleme damit, das „Kind” mit Namen zu benennen.
Kommt es davon, dass sie nicht zugeben wollen, dass sie mit schuldig an der Entwicklung des Rechtsradikalismus sind, dass sie nichts dagegen getan haben?
Wenn die NPD-Anhänger ihren rechten Sermon ablassen, sind die anderen Politiker erstmal geschockt, dass es sowas in diesem unseren Lande überhaupt gibt – jedes Mal. Sie wiederholen dabei ihre Standard-Floskeln „verabscheuungswürdig“, „kritikwürdig”, „zutiefst schockiert“,“ablehnenswert“, die allenfalls aussagen, dass diese Politiker nicht über das Problem nachdenken.
Es scheint sich um pawlowsche Hunde zu handeln, die auf einen Reiz eine Reaktion von sich geben, ohne darüber nachzudenken, was sie letztendlich tun.
Kann so ein Verhalten Rechtsradikalismus eindämmern, geschweige denn vertilgen?
Die Einsicht von Frau Berger ist der erste Schritt in eine Richtung, das Problem mit den Rechtsradikalen in den Griff zu bekommen. Man muss erstmal erkennen, dass Rechtsradikalismus KEINE Randerscheinung ist und dies hat Frau Berger getan.
So genannte „No-Go-Zonen“ zu deklarieren, in denen sich Ausländern nicht aufhalten sollten, weil die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass rechtsradikale Schläger sie verprügeln, haben nur ein Ziel, was die Rechtsradikalen als eine ihrer Aufgabe deklariert haben : „Wir vertrieben die Ausländer.“
Deutlicher bedeutet dies, dass Ausländern sich nicht dort aufhalten sollen, wo Herrschergebiete der Rechtsradikalen sind. Dies wäre genau, was diese Schwachköpfe doch wollten. Wo sie sind, sind keine Ausländer.
Eine Verdrehung von Ursache und Wirkung ist nicht mehr hinnehmbar.
Im Land der Dichter und Denker muss (wieder) (nach)gedacht werden.

Wie steht er da vor den Verdunkelungen
des Regenabends, jung und rein;
in seinen Ranken schenkend ausgeschwungen
und doch versunken in sein Rose-sein;

die flachen Blüten, da und dort schon offen,
jegliche ungewollt und ungepflegt:
so, von sich selbst unendlich übertroffen
und unbeschreiblich aus sich selbst erregt,

ruft er den Wandrer, der in abendlicher
Nachdenklichkeit den Weg vorüberkommt:
Oh sieh mich stehn, sieh her, was bin ich sicher
und unbeschützt und habe was mir frommt.

Rainer-Maria Rilke – aus: Die Gedichte 1922 bis 1926

Langsam reicht's!

Vorigen Mittwoch bekam ich eine E‑Mail, in der eine russische Firma einen Finanzchef suchte.
Die Firma stellte sich als ebay-Partner vor und machte deutlich, dass ihr Umsatz permanent steige, was auch daher rühre, dass sie laut Bewertung eines Wirtschaftsinstituts zu den zwanzig Unternehmen gehöre, die an der Spitze, was Wachstum betreffe, lägen.
Die Arbeit als Finanzchef gestaltete sich ganz einfach, man könne dies in der Freizeit erledigen (geringer Zeitaufwand) und es erfordere nicht viel, nur einen PC, eine Internetverbindung und ein Konto in Deutschland.
Die Aufgabe der Firma ist es, bei, über bzw. mit ebay Geschäfte zu machen. Man suche eben deutsche Partner, die dies erledigten. Beim Verkauf von Dienstleistungen bzw. Waren über ebay bzw. an ebay werden die Beträge auf das Konto des Finanzchefs transferiert, weil dies einfacher ist als direkt nach Russland zu überweisen. Der Finanzchef verdiene laut E‑Mail 500 bis 1000 Euro pro Woche, was aber nur vorsichtig geschätzt sei.
Bei mir läuteten sofort die Alarmglocken.
Eine Firma will also über einen (?) deutschen „Finanzchef“ Geld nach Russland transferieren.
Diese Taktik ist bekannt, denn so wird Geld, das Phisher erbeutet haben, über mehrere Knoten transferiert, um die Rückverfolgung zu erschweren.

Phisher sind Personen, die anderen gefälschte E‑Mail von Banken zuschicken, in denen die vermeintlichen Bankkunden aufgefordert werden, auf einen Hyperlink (angeblich ein (neues) Sicherheitssystem der Bank) zu klicken, um eine oder mehrere Transaktionsnummern, die Kontonummer, Bankverbindung und das Passwort zu „Sicherheitszwecken” bei der Bank zu hinterlegen. Phisher (Passwort-Fischer) loggen sich dann mit den gestohlenen Daten ein und überweisen an sich Geld, fischen also in (trüben )„Geld-Teichen“.

Damit das ergaunerte Geld schnell auf ihre Konten überwiesen werden können, muss man sich etwas einfallen lassen, z.B. Strohmänner einrichten, und das erbeutete Geld über mehrere Knoten verschieben.
Dies ist die Absicht der o.g. E‑Mail, die ich bekam.

Mit schrillenden Alarmglocken ging ich zur Polizeiwache und nahm ein paar Ausdrucke der Anwerbe-E-Mail mit.
Ich erklärte der Polizistin, worum es ging und sie schaute erstmal einige Minuten in ein E‑Mail-Programm im Computer vor ihr.
Sie wusste nicht, was sie von meinem Bericht halten sollte und meinte dann, sie müsse erstmal ihren Vorgesetzten um Rat fragen.
Nach einigen Minuten kam sie wieder und erklärte mir, dass die E‑Mail eindeutig keine Phishing-Mail sei, da man mich darin ja nicht auffordere, Kontoinformationen preiszugeben.
Das hatte ich auch schon vorher gewusst, aber mein Anliegen war ein anderes, das ich nochmals wiederholten und mit anderen Worten beschrieb.
Die Polizistin sagte mir, dass die E‑Mail eindeutig nicht kriminell sei, aus dem gleichen Grund, den sie kurz vorher beschrieben hatte.
Ich sagte ihr, dass ich IT-Spezialist sei und diese E‑Mail eindeutig ein Anwerbeversuch darstelle, um gestohlenes Geld über mehrere Knoten von Strohmännern zu einem Phisher zu transferieren.
Sie wiederholte ihren Satz, dass es sich um keine Phishing-Mail handle.
Ich versuchte nochmals, sie von meinem Anliegen zu überzeugen, doch es brachte nichts.

Mir ist nicht klar, ob die Polizei überhaupt wusste, was ich von ihr wollte.

Eins liegt der Polizei Beckum nicht am Herzen – Aufklärung und Verfolgung von Phishing-Fällen.

Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung
an der Wiesen aufgedecktes Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,

greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit ins Land und zeigens.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.

Rainer-Maria Rilke – aus: Die Gedichte 1922 bis 1926

Gib deinem Herzen ein Zeichen,
daß die Winde sich drehn.
Hoffnung ist ohne gleichen
wenn sie die Göttlichen sehn.

Richte dich auf und verharre
still in dem großen Bezug;
leise löst sich das Starre,
milde schwindet der Bug.

Risse entstehn im Verhängnis
das du lange bewohnt,
und in das dichte Gefängnis
flößt sich ein fühlender Mond.

Rainer-Maria Rilke – aus: Die Gedichte 1922 bis 1926

13. Mai 1981: Attentat auf Papst Johannes Paul II.

Papstattentat

Am 13. Mai 1981 jubelten Zehntausende Johannes Paul II. auf dem Petersplatz in Rom zu.
Wie immer suchte er den Kontakt zu den Menschen, lachte, winkte, schüttelte Hände.
Und dann geschah es.
Aus der Menge der fröhlichen Gläubigen schoss der Attentäter Ali Agca auf den Papst.
Sicherheitsbeamte warfen sich schützend über Johannes Paul II., der Täter wurde an Ort und Stelle überwältigt.

Ali Agca gestand die Tat – doch wer waren die Hintermänner, die Auftraggeber?
Angeblich wollte der bulgarische Geheimdienst im Auftrag Moskaus Johannes Paul II., den Antikommunisten und polnischen Patrioten, beseitigen.
Ali Agca schweigt bis heute.

Ein Jahr nach der Tat besuchte der Papst den Täter im Gefängnis und vergab ihm.
Eine große Geste – auch ein politisches Signal?
Nichts an dieser Tragödie war Zufall, aber vieles bleibt bis heute Spekulation.

Leicht sauer

Ministerin Zypries hat für eine Überraschung (franz.: surprise (sprich: „sürpries”)) in der Integrationsdiskussion gesorgt.
So ist sie auf ein Allheilmittel gestoßen, das vermeiden würde, dass Schülerinnen und Schüler (weiter) diskrimiert würden.
Sie schlug vor, dass alle Schülerinnen und Schüler Schuluniformen tragen sollten.
Alle sähen dann gleich aus und fühlten sich auch gleich, unabhängig vom Glauben, Nation, Weltanschauung u.s.w.
Ein Vorteil sei natürlich auch, dass es dann keinen Markennamen-Wahn bzw. – Fetischismus mehr gäbe.
Die Sache mit den Schuluniformen kann man getrost darauf schieben, dass es über das Wochenende plötzlich sonnenbedingt warm geworden ist und dadurch in manchen Köpfen das Wasser verdunstet ist. Anders kann man diesen Anflug von „Ideenreichtum” nicht erklären.
Glaubt Ministerin Zypries wirklich an ihre Worte oder ist sie wohlmöglich davon überzeugt?
Anscheinend ist es in ihrer Gedankenwelt nicht möglich, dass man ein Kopftuch aufsetzt, wenn man die Schuluniform trägt.
In Bonn, wo sich zwei Schülerinnen mit einer Burka provokativ ganzkörperverhüllt hatten, ist dies dann auch nicht mehr möglich. Wegen der Schuluniform!
…glaubt zumindest Ministerin Zypries.
Die Schuluniform als Allheilmittel auch gegen den Markenwahn!
Wenn Schülerinnen und Schüler einmal mit den Schuluniformen vertraut sind, werden sie auch keine Markenjeans u.ä. mehr tragen.
Auch nicht außerhalb der Schulzeit … zumindest nicht in Zypries Gedankenwelt!

Herr, lass Hirn regnen!

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