
Der 30. Februar 1712 war ein besonderer Tag in der schwedischen Kalendergeschichte.
Er entstand durch eine missglückte Umstellung vom Julianischen zum Gregorianischen Kalender, die wegen eines Krieges und einer Volksangst nicht wie geplant durchgeführt werden konnte.
Der Julianische Kalender, der im Jahr 45 v. Chr. von Julius Cäsar eingeführt wurde, hatte einen Fehler: Er war zu lang, weil er alle vier Jahre einen Schalttag einfügte, ohne weitere Ausnahmen zu machen. Das führte dazu, dass sich die Jahreszeiten im Laufe der Zeit im Kalender verschoben. Um das zu korrigieren, führte Papst Gregor XIII. im Jahr 1582 den Gregorianischen Kalender ein, der einige zusätzliche Schaltregeln einführte, um das kalendarische Jahr näher an das Sonnenjahr anzupassen. Dabei wurden zehn Tage aus dem Kalender gestrichen, sodass auf den 4. Oktober 1582 der 15. Oktober folgte.
Nicht alle Länder machten diese Umstellung sofort mit. Schweden wollte den Gregorianischen Kalender schrittweise einführen, indem es von 1700 bis 1740 alle Schalttage ausfallen lassen wollte. So sollte die Differenz von zehn Tagen langsam ausgeglichen werden. Doch im Jahr 1700 brach der Große Nordische Krieg aus, der bis 1721 andauerte. Wegen der Kriegswirren vergaß man in Schweden, die Schalttage 1704 und 1708 ausfallen zu lassen. Außerdem fürchteten viele Menschen, dass ihnen durch die Streichung von Tagen Lebenszeit gestohlen werden würde.
Im Jahr 1711 beschloss König Karl XII., wieder zum Julianischen Kalender zurückzukehren, um die Verwirrung zu beenden. Doch nun war Schweden dem Julianischen Kalender um einen Tag voraus. Um das zu korrigieren, fügte man im Jahr 1712 nicht nur einen, sondern zwei Schalttage ein. So entstand der 30. Februar 1712, der nur in Schweden und dem damals zu Schweden gehörenden Finnland existierte. Erst im Jahr 1753 führte Schweden endgültig den Gregorianischen Kalender ein, indem es vom 17. Februar auf den 1. März sprang.
Der 30. Februar 1712 ist also ein Beispiel für die Komplexität und die Konsequenzen von Kalenderreformen, die versuchen, die Zeitrechnung an die Natur anzupassen. Er ist auch ein Zeugnis für die historischen, politischen und kulturellen Umstände, die die Kalendergestaltung beeinflussen können. Er ist schließlich ein Kuriosum, das bis heute die Fantasie von Kalenderliebhabern anregt.






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