Zynik

1 88 89 90

 Der Wolf im Schafspelz ist immer gemein

„«Dieter Bohlen – der Titan»” sagte einer meiner Freude zu mir, „das steht in der «Blöd-Zeitung»”.
„Vollkommen richtig”, bestätigte ich die Worte der Blöd-Zeitung, die Dieter Bohlen als „Titan” deklariert hatte.
„Warum?”, fragte mein Gegenüber.
„Bohlen ist ein Titan. Da haben Sie völlig recht”, bestätigte ich nochmals und meinte, als ich die fragenden Augen sah: „Ich werde Dir die Geschichte der Titanen erzählten.”
Mein Gegenüber hörte aufmerksam zu.
„Die Titanen sind ein griechisches Göttergeschlecht. Sie sind Kinder des Uranos – des Himmels – und der Gaia – der Erde. Im Einzelnen sind dies: Okeanos, Koios, Kreios, Hyperion, Iapetos, Theia, Rhea, Klymene, Themis, Mnemosyne, Phoibe, Tethys und Kronos.
Trotz und unbändiges Wesen zeichnen die Titanen aus.
Sie waren ihrem Vater verhasst und wurden deshalb im Erdinneren festgehalten.
Daraufhin entmannte Kronos seinen Vater.
In dem später entstehenden Kampf zwischen den Titanen und den olympischen Göttern unter Zeus’ Führung und im Bunde mit den Hekatoncheiren unterlagen die Titanen und wurde im Tartaros – der Unterwelt – eingeschlossen.
Zehn Jahre rangen die Titanen und die neue olympische Göttergeneration um die Macht.
Die Kämpfe fanden in Thessalien statt, wo die alten Götter die Stellung des Bergs Othrys hielten, während sich Zeus und seine Geschwister auf dem Olymp verschanzten.
Eine aussichtslose Lage, die durch den Eingriff der Hekatoncheiren gelöst wurde.
Diese wurden von Zeus aus der Tiefe der Erde befreit. Uranos hatte sie damals dahin verbannt.
Es waren riesengroße Ungeheuer, ein jedes mit fünfzig Köpfen und hundert Armen. Mit ihren kräftigen dreihundert Händen fassten sie dreihundert große Steine und warfen sie gegen die Titanen, die so übermannt wurden.
Ausschlaggebend aber waren die Blitze, die Zeus aus der Tiefe von den Kyklopen, die er befreit hatte, erhielt.
Nach der Niederlage wurden die Titanen gefesselt und tief in den Tartaros hinabgestoßen.”
Der Zuhörer meiner Worte lehnte sich zurück und fragte: „Wie geht es wohl weiter mit Bohlen?”
Ich grinste und nahm einen Schluck meines Lieblingstees – Earl Grey.
„Die reale Welt wird für ihn die Hölle sein”, meinte ich danach.
Als mein Gegenüber zustimmend mit dem Kopf nickte, fügte ich hinzu:
„Das antike Wort für Hölle ist Tartaros.”

Joker

Vater Staat und Mutter Natur

Während einer Diskussionsrunde ging es darum, wer von Arbeit profitiere, z.B. man selbst, der Partner, die Familienmitglieder, der Arbeitgeber etc.
Die Diskussionsleiterin fragte irgendwann: „Wer profitiert noch?“
„Vater Staat“, sagte jemand.
„Und gibt es noch jemand, der profitiert?“ hakte die Diskussionsleiterin nach.
Als spontane Antwort kam: „Mutter Erde.“

Arbeitsunterlassungsagentur

In Zeiten der Vorbereitung auf Vollbeschäftigung in unserem deutschen Lande lassen sich die Arbeitsagenturen und die „Arbeitsgemeinschaften Sozialgesetzbuch Teil II” (ARGE SGB II) tolle Reintegrationsmaßnahmen für Arbeitslose – politisch korrekt „Arbeitssuchende” – einfallen.
So gibt es die Ein-Euro-Jobs, die neuerdings – politisch korrekt – „Brückenjobs” heißen. „Brückenjobs” deshalb, weil man über eine Brücke Connections zu potenziellen Arbeitgebern aufbauen kann. Tolle Sache, wenn es so wäre!
Die meisten „Brückenjobber” werden pro forma beschäftigt, damit sie aus der Arbeitslosenstatistik – oder hieß sie „Arbeitssuchendenstatistik”? – herausfallen. Von der Sinnhaftigkeit und Vermittlungsquote solcher „Brückenjob” soll mal abgesehen werden, da sie gegen null laufen.
Es sollte aber auch dabei gesagt werden, dass es manchmal besser ist, für einen Euro pro Stunde einen „Brückenjob” zu machen als frustriert und gelangweilt zu Hause herumzusitzen.
Die neuste Maßnahme der Arbeitsagenturen und ARGEn ist „Job Plus”.
Darauf haben nur sog. Hartz-IV-Empfänger Anrecht, die schon ein Vierteljahr lang einen „Brückenjob” gemacht haben.
Und man wird in „Job Plus” förmlich hineinbugsiert … ob man will oder nicht.
„Job Plus” beginnt mit einem simplen Bewerbungstraining und geht dann über in die Lebensplanung der Probanden. Dann ist natürlich „Profiling” angesagt. Im Anschluss daran kommt die Praktikumsphase. Die Akquise dafür machen die Probanden natürlich selber.
Es wäre ja auch zu viel verlangt von den Maßnahmenträgern, den Probanden auch noch adäquate Praktikumsstellen zu besorgen.
Man setzt natürlich noch einen darauf, denn einmal pro Woche müssen die Probanden, die nun Praktikanten heißen, beim Maßnahmenträger melden, um in der Gruppe – „Anonyme Arbeitssuchende” ? – zu berichten, wie es läuft und ob der Betrieb, in dem das Praktikum vollzogen wird auch zufrieden ist.
Man sollte mal fragen, wie hoch die Vermittlungsquote solcher Maßnahmen ist.
Ist sie höher als die Produktivität der Vermittlung durch die Arbeitsvermittler – politisch korrekt „Jobagenten” ?
Das auf jeden Fall, denn auf null kommt jeder!

Über sein Aussehen erschrak er, als er die Leute ihn anschauen sah.

Späte Rache (?)

Der Professor, der Bücherwurm und der Generaldirektor saßen am Tisch und tranken Kaffee, als der Bücherwurm den Professor fragte: „Kommst Du heute Abend um halb sieben auch mit dem Anzug und der Krawatte?”
„Klar, komme ich so zur Weihnachtsfeier”, antwortete der Angesprochene und schaute an seinem Nobelzwirn herunter, „um achtzehn Uhr ist hier im Museum Feierabend und es lohnt sich nicht, nach Hause zu fahren.”
„Weihnachtsfeier?” horchte der Generaldirektor auf, „wieso bin ich nicht eingeladen?”
„Wurden wir zur Einweihungsfeier des Museums eingeladen?” fragten der Professor und der Bücherwurm gleichzeitig, als wäre es abgesprochen gewesen.

pisa-schueler

Neulich während einer Besprechung …

A :Mach erstmal die Planung, bevor Du anfängst!
B :Brauchichnich, geht au so.
A :Planung ist die Apriori-Form der Arbeit.
B :Du laberst vielleich ne Sch***
A :Na gut, um das zu verstehen, benötigt man natürlich Intellekt.
B :Ey, hömma, so n Sch*** Intellekt brauchichnich’

Ein Besuch bei der Arbeitsagentur

Mitwirkende

A – Arbeitssuchender
F – Fallmanagerin der Arbeitsagentur

A steht allein vor der Tür des Büros von F und wartet auf Einlass.
F sitzt allein im Büro auf der anderen Seite der Tür.
Nach geschlagenen fünfzehn Minuten steht F auf und bittet A hinein.

A : Guten Tag!
F : Tag! Ah, ja! Wir hatten uns ja verständigt, dass Sie sich alle acht bis zehn Wochen bei mir melden.
A : Ähm, ja, ich hatte mich eigentlich gerade an der Rezeption krank gemeldet und dachte mir, bei der Gelegentheit könne ich kurz mit Ihnen sprechen.
F : Gut, um was geht es denn?
A : … Ich bin erstmal krank geschrieben.
F : Haben Sie Ihren gelben Schein abgegeben?
A : Ja, natürlich, an der Rezeption.
F : Gut.

Einige Sekunden Stille.
A steht immer noch vor dem Tisch neben den Stühlen.
F tippt in den PC, dass A da war.
F dreht sich mit einer Geschwindigkeit von zwei (Winkel-)Grad pro Minute wieder in die Richtung von A.
Der manisch-depressive Gesichtausdruck von F hätte auch den noch so Motivierten in die pure Bedeutungslosigkeit gezogen.
A wendet eine Meditationstechnik an und die Woge der Demotivierung prallte an ihm sang- und klanglos ab.

F : Also, ich habe auch nichts.
A : Die Firma, bei der ich mich beworben habe – also das Jobangebot von vor vier Wochen – , hat sich noch nicht gemeldet.
F : Hm, die Firma sucht aber immer noch Leute.
A : Ich habe telefonisch nachgehakt, aber nichts erreicht.
F : Die Firma wird wohl noch Bewerbungen sammeln und auswählen.

F unterstreicht ihre Worte mit einer Gestik, die auch nicht mal Faultiere aus ihrer Ruhe gebracht hätte.

A : Mal eine Frage … Wie soll ich jemals beweisen, dass ich mich bei der Firma beworben habe, wenn ich von ihr, wie bei vielen anderen auch, keine Rückantwort bekomme?
F : Kopieren Sie Ihre Bewerbung und zeigen Sie sie mir, das reicht.

A stutzt und denkt kurz nach. 

A : Haben Sie nicht irgend etwas? Ich werde langsam wahnsinnig zu Hause. Ich weiß schon nicht mehr, was ich den ganzen Tag machen soll.

F schaut mit emotionslosem Gesicht – wie immer – in die Richtung von A und schüttelt den Kopf.

F : Ich habe nichts.

F tippt irgend etwas in den PC.
A verlagert das Gewicht von einem Fuss auf den anderen.

A : Kann ich eine Fortbildung machen? Viele Firmen suchen C#. Wenn ich mich in diesen Bereich fortbilden könnte…
F : Tut mir Leid. Wir haben kein Geld.

A bemerkt, wie seine Gehirnflüssigkeit zu kochen beginnt und atmet tief ein und aus.
Der Kochprozess stoppt daraufhin.

A : Es muss doch irgend etwas geben…
F : Wenn ich etwas hätte, würde ich Ihnen etwas geben.
A : Haben Sie eine Liste mit Internetadresse, wo man Jobs finden kann? Ich stöbere schon bei …

A zählt einige (viele) Firmen auf und macht dabei ein heroisches Gesicht.
F beschleunigt sehr träge die Bewegungen und klickt lahm im PC herum.
Der Drucker spuckt (widerwillig) vier DIN A4 Seiten aus.
F nimmt im Zeitlupentempo die Seiten aus dem Drucker, nachdem dieser seine Arbeit beendet hat, und klammert die Seiten im Schneckentempo zusammen.
Während F die Blätter A reicht, rezitiert A Rilkes Gedicht „In meinem wilden Herzen”.

A : Danke!
F : Gut. Einige Firmen sind nicht aktuell, aber probieren Sie es mal! Gibt es sonst noch etwas?
A : Nööö … Ich werde mir dann gleich die Web-Seiten anschauen und schauen, ob ich etwas finde.
F : Denken Sie daran, dass Sie sich in acht bis zehn Wochen wieder melden! Wenn Sie eine Stelle haben, sagen mir Bescheid!

A stutzt und verharrt einen Moment bewegungslos auf der Stelle, auf der er immer noch steht.
F muss es wie eine Ewigkeit vorgekommen sein.

A : Ähm, ja, natürlich. Bis dann … Tschüss.
F : Wiederseh’n.

A verlässt das Büro von F und schließt die Tür hinter sich.

„Vielen Dank für den Motivationsschub, den konnte ich jetzt wirklich gebrauchen.”

Dies spricht A natürlich nicht aus, sondern denkt dies nur, und taucht in einer Woge Zynismus ab.

Gesucht wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie diverser anderer kriegerischer Handlungen und Nichteinhaltung internationaler Konventionen

Bild von George Bush

GOERGE W. BUSH
* 6.7.1946
Mitglied der Geheimgesellschaft Skull & Bones
Seien Sie vorsichtig, wenn Sie diesen Mann treffen!
Er befindet sich im Irrglauben, der demokratisch gewählte Präsident der USA zu sein.
Provozieren Sie ihn nicht!
Er ist mit Nuklearwaffen bewaffnet.
Verhalten Sie sich völkerrechtlich einwandfrei und verständigen Sie den Internationalen Gerichtshof!

Huch!

Google muss wegen unlauteren Wettbewerbs und Begünstigung von Markenfälschung eine Strafe von 300 000 Euro zahlen.
Bei der Suche nach Suchbegriffen der Luxusmarke „Louis Vuitton” hatte Google auch Suchergebnisse von diesbezüglichen Produktpiraten angezeigt. Dies galt insbesondere für die Suchbegriffe „Imitation” und „Vuitton”.
Das Berufungsgericht von Paris urteilte, Google sei das Ausfiltern durchaus möglich, was das Filtern politisch unerwünschter Seiten in China zeige.

1 88 89 90
Kalender
Mai 2026
MDMDFSS
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
25262728293031
Kategorien
Editorial

Die durch die Seitenbetreiber erstellten Inhalte und Werke auf diesen Seiten unterliegen dem Urheberrecht bzw. dem Copyright des explizit gezeichneten Autoren.

Beiträge und Materialien Dritter sind als solche gekennzeichnet.

Die Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und jede Art der Verwertung bedürfen der expliziten, schriftlichen Zustimmung des jeweiligen Autors bzw. Urhebers bzw. Erstellers und des Herausgebers.

Downloads und Kopien dieser Seite sowie Konvertieren in andere Darstellungen bzw. Darstellungsformen sind nicht gestattet.

Beachten : Haftung und Recht