
„Ich bin in einem psychischen Ausnahmezustand“, sagte er, „Meine Frau hat mich verlassen.“
„Dann will ich mal darüber hinwegsehen, dass Sie mich angerempelt haben“, erwiderte sein Gegenüber, „aber meinen Kaffee, der jetzt auf der Straße liegt, ersetzen Sie mir.“
Er machte eine kleine Sprechpause, in der er den Rempler anschaute, und entschied sich, weiter seines Weges zu gehen und es mit dem Kaffee auf sich zu belassen. Ein paar Sekunden später hatte er die Sache schon vergessen …
Für den Rempler ist diese Sache auch erledigt, irgendwie, aber das Andere noch lange nicht.
Seine Ehe war schon lange kaputt, und seine Frau hat ihn vor mehr als zwei Jahren verlassen, aber er will nicht aus dem temporären Fragment des immer wiederkehrenden Selbstmitleids heraus, denn es ist so schaurig schön, immer wieder das „Gleiche“ zu „erleben“.
Jemand, auf dem man nach eigener Einbildung immer zählen konnte, spielt plötzlich nicht mehr mit, und sozialismusgleich bricht das ganze System in sich zusammen.
Schwelgen in Erinnerungen, in böse Erinnerungen!
Um sich selbst zu bemitleiden, kommt auch immer und immer wieder der an sich selbst gerichtete Standardspruch: „Es war nicht alles schlecht.“ Das war es ja auch nicht.
Gebetsmühlenartig wird diese Floskel jedes Mal aufs Neue aufgegossen, wenn man wie jeden Tag (mehrmals) mit Kollegen oder Nachbarn über sein „Unglück“ spricht.
Was mit guten Vorsätzen angefangen hat, ist immer und immer mehr dank der Selbst- und Fremdblendung den Bach heruntergegangen; aus süßem Nektar wurde saurer Essig.
Nicht war „plötzlich“ mehr so, wie es mal war.
Der verlassene Ehemann!
Sie hat sich aus heiterem Himmel getrennt und ihn verlassen!
Es war zwar schon lange absehbar, das Ende, doch man wollte es nicht wahrhaben.
Nicht die „böse“ Ehefrau war schuld!
Nein!
Der eigene Narzissmus!
Alkohol benebelt.
Kinder gehören zu ihrer Mutter.






Schreibe einen Kommentar