
Auch in der Tiermedizin existieren zahlreiche Geschichten und Legenden.
Eine davon handelt von einem Pferdeapfel, der Hunden angeblich schaden kann, doch diese Geschichte ist tatsächlich wahr.
Es ist wichtig zu betonen, dass dies äußerst selten vorkommt und nur unter ganz spezifischen Bedingungen geschieht, die zwei bestimmte Voraussetzungen erfordern:
Der betroffene Hund muss einen sogenannten MDR1-Defekt aufweisen.
Das Pferd muss mit dem Wirkstoff IVERMECTIN entwurmt worden sein.
Bei Hunden, die den MDR1-Defekt aufweisen, zeigt sich eine gestörte Funktion der sogenannten Blut-Hirn-Schranke.
Diese Schranke verhindert bei gesunden Hunden, dass zirkulierende Stoffe im Blut, einschließlich Medikamente, in das Gehirn gelangen.
Beim Vorhandensein des MDR1-Defekts ist diese Schranke jedoch durchlässig, was vielen Substanzen ermöglicht, ins Gehirn einzudringen.
Dadurch entfaltet das Medikament eine Wirkung im Gehirn des betroffenen Hundes, was sich unter anderem durch Lähmungserscheinungen oder Störung des Zentralen Nervensystems äußern kann.
Der Wirkstoff IVERMECTIN wird zur Bekämpfung einer breiten Palette von Parasiten im Magen-Darm-Trakt verwendet.
Beim Pferd erfolgt der vorwiegende Einsatz von Ivermectin im Zeitraum von November bis Dezember zur Behandlung von Fliegenlarven.
Die Verabreichung des Entwurmungsmittels erfolgt typischerweise in Form einer oralen Paste.
Hierbei kann es dazu kommen, dass in den Pferdeäpfeln potenziell ausreichend hohe Konzentrationen von Ivermectin enthalten sind.
Unter normalen Bedingungen der intakten Blut-Hirn-Schranke ist die Anwendung unbedenklich.
Diese könnten bei Hunden mit MDR1-Defekt nach Aufnahme zu deutlichen Symptomen oder sogar zum Tod führen.
Die unerwartete Wirkung dieses Stoffs wurde in den 1990er-Jahren zufällig entdeckt, als die Krankenstationen der Tierkliniken förmlich überfüllt waren mit Hunden, die von den Fliegenlarven befallen waren.
Zu jener Zeit wurden Präparate mit diesem Stoff routinemäßig zur Entwurmung von Hunden eingesetzt, jedoch war der MDR1-Defekt zu dieser Zeit noch unbekannt und führte zu unerwarteten Reaktionen.






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