
Bis in die 1920-er-Jahre hinein war „Mumia” war ein anerkanntes Heilmittel.
Es wurde aus zermahlenen ägyptischen Mumien hergestellt.
Man nannte es auch „Pulvis mumiae”, „Mumiya” oder „Mumienpulver”.
Es wurde als „Mumia vera aegyptiaca” verkauft, sogar von großen pharmazeutischen Unternehmen.
Neben seiner medizinischen Verwendung wurde es auch als brauner Farbstoff ( „Mumienbraun” ) genutzt.
Heutzutage wird die Verwendung von „Mumia” aus ethischen Gründen nicht mehr unterstützt.
Es ist wichtig zu betonen, dass „Mumia” nicht mit „Mumijo” verwechselt werden darf, einem traditionellen Naturprodukt, das in der Volksmedizin Zentralasiens als Heil- und Stärkungsmittel angewendet wird.
Es stimmt, wir essen keine Menschen – Kannibalismus gilt als ein längst überwundenes Relikt aus vergangenen Zeiten, besonders aus der Kolonialzeit, doch tatsächlich fand vor etwa 400 Jahren auch in der westlichen Welt eine spezielle Form von Kannibalismus statt – und das aus medizinischen Gründen.
Das Mumienpulver wurde als eine Art Universal-Heilmittel betrachtet und fand Anwendung bei einer Vielzahl von Beschwerden.
Es wurde gegen verschiedenste Leiden eingesetzt, wie zum Beispiel Milzstechen, Blähungen oder Menstruationsbeschwerden. Aber auch bei Lähmungserscheinungen, Epilepsie und Schwindel kam es zum Einsatz.
Eingesetzt als Ohrentropfen sollte es Ohrenschmerzen lindern.
Ebenso wurde es zum Gurgeln empfohlen, um chronischen Husten zu stillen.
Darüber hinaus glaubte man an seine Wirksamkeit gegen Kopfschmerzen, Skorpionstiche, Blutungen oder Inkontinenz – die Mumien-Arznei schien vielseitig einsetzbar zu sein.
Es ist erstaunlich, aber viele Bestandteile des menschlichen Körpers fanden einst Verwendung als Heilmittel und gehörten zum Inventar jeder hochwertigen Apotheke: Knochen, Schädel, Haut, Fett oder sogar Blut.
Diese wurden in winzigen Mengen pulverisiert oder getrocknet und dann entweder als Trank für Wunden oder als Zugabe zu Tees eingenommen.
Zu jener Zeit war die orale Einnahme im 16. Jahrhundert die gebräuchlichste Methode, um überhaupt Medizin in den Körper zu bringen.
Diese menschlichen Präparate entsprachen voll und ganz dem damals aktuellen Wissensstand in der Medizin.
Sie waren verbunden mit Paracelsus’ Signaturenlehre, nach der Ähnliches mit Ähnlichem behandelt werden sollte.
Da der Mensch als von Gott gewolltes, am höchsten entwickeltes Tier angesehen wurde, waren solche Präparate wie eine Verheißung.
Es schien, dass es kaum ein Leiden gab, das nicht mit „Mumia” behandelt werden konnte.






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