
In den Niederungen der deutschen Fernsehunterhaltung gibt es vieles, was ich nicht kenne.
Vor kurzem lief am Fernseher, während ich Arbeiten am PC verrichtete, eine Episode einer „Heile-Welt-Serie”.
Ich bekam nicht alles mit, was auch gut war, doch die Essenz der Episode reichte vollkommen, um mich doch sehr nachdenklich werden zu lassen.
Nachdenklich darüber, wie viel Schrott es wohl noch geben mag!
Die Handlung der Episode ist schnell erzählt.
Eine reiche Familie wohnt standesgemäß auf der Insel Sylt und hat eine blonde Tochter, die gerade in der Pubertät steckt und – Wie sollte es bei solchen verwöhnten Gören auch anders sein? – reiten will.
Die Eltern verbieten dies der Tochter, da sie sich ein Pferd nicht leisten können, aber auch, weil die Tochter zu zerbrechlich ist fürs Reiten. Die Tochter hat sich natürlich in das Pferd, das sie in einem Reiterhof gesehen hat, unsterblich verliebt und denkt gar nicht daran, dass sie auf ihre Eltern hört.
Sie quengelt permanent herum und terrorisiert die Eltern, die vermeintlich versuchen, sie davon abzubringen, reiten zu wollen.
Und es kommt das, was man vermutet hat.
Irgendwann knallt es gewaltig zwischen den Eltern und der ungezogenen Göre, die nach dem Streit Hausarrest bekommt.
Sie reißt nachts aus, versteckt sich beim Pferd im Stall und reitet nach Tagesanbruch mit dem Pferd aus.
Die Eltern und deren Bekannte suchen währenddessen ihre Tochter und mischen halb Sylt auf. Die Mutter wird zusehendst hysterischer.
Durch Zufall bekommt der Besitzer des Pferdhofs davon Wind und erzählt in einem Nebensatz, dass eins seiner Pferde verschwunden sei.
Die Tochter reitet unterdessen mit dem Pferd irgendwo in Sylt spazieren. Irgend ein Vogel schreit plötzlich auf und das Pferd erschreckt sich. Die Göre kann sich nicht halten und fällt vom Rücken des sich aufbäumenden Pferdes, schlägt auf den Boden und bleibt bewusstlos liegen.
Die Mutter, die mit den Nerven fast am Ende ist, besinnt sich des Betens.
Der Vater und der Reiterhofbesitzer machen sich gemeinsam auf den Weg und finden das verunfallte, bewusstlose Mädchen und bringen es ins Krankenhaus.
Die Mutter erzählt am Krankenbett, während das Gör nach Röntgen und allerlei anderer Untersuchungen immer noch bewusstlos ist, ihren Mann mit leuchtenden Augen, dass ihre Gebete erhört wurden. Als der Mann sie in den Arm nimmt, erwacht die Tochter und fragt als erstes, wie es dem Pferd gehe.
Während den Eltern, vor allem der Mutter, die Tränen ins Gesicht schießen, quengelt das Gör wieder herum und quasselt davon, dass sie reiten will und deswegen schnell gesund werden will.
Dass sie einen Beinbruch und einen gebrochenen Arm hat, interessiert sie nicht. Sie faselt weiter von dem Pferd, wenn die Eltern sie besuchen, was dazu führt, dass die (genötigten) Eltern ihr schließlich das Reiten erlauben, sie aber auch gleichzeitig ermahnen, so etwas wie vorgefallen nicht noch einmal zu tun, also auszureißen.
Unten steht der Reiterhofbesitzer mit dem Pferd. Die Göre kommt mir dem Oberkörper schwerfällig nach oben, weil sie anscheinend eine außersinnliche Wahrnehmung hatte, und ruft emotionsgeladen den Namen des Pferdes.
Friede, Freude, Eierkuchen!
Grauenhaft!
Die bockige Göre hat in keiner Weise dazugelernt. Die Eltern aber auch nicht.
Ja, ihre Tochter ist das Einzige, was sie haben und deswegen darf die Tochter tun und lassen will und bekommt jeden Wunsch erfüllt.
Dass diese Geschichte vollkommen realitätsfern war, spielt keine Rolle.
Heile Welt im deutschen Fernsehen!






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