Mit diesem Beitrag möchte ich darstellen, mit welchen perfiden Tricks Leute von Call-Centern versuchen, mit Aussicht auf (große) Gewinne, Verträge für Zeitungsabonnements zu verkaufen. Viele Ahnungslose oder welche, die sich nicht unbedingt mit Finanzen auskennen, sind bestimmt schon darauf hereingefallen oder haben zugesagt, weil sie eingeschüchtert und genötigt wurden oder Angst hatten.

Ich möchte dazu beitragen, dass Leute nicht auf solche perfiden Dinge hereinfallen.

Heute bekam ich nämlich einen Anruf und mir wurde mitgeteilt, dass ich bei einem Gewinnspiel gewonnen hätte.
Es ging darum, dass ich ein Probierpaket von Süßigkeiten, Gebäck, Schokolade und ähnliches bei Milka gewinnen wollte und am Vortag an einem Online-Gewinnspiel teilgenommen hatte.

Das Gewinnspiel geht übrigens noch bis zum 31.12.2019.

Der Mann am anderen Ende der Telefonverbindung teilte mir mit, dass ich auf jeden Fall schonmal 1000 Euro gewonnen hätte. Dann ging es darum, ob ich bei der Hauptverlosung lieber Autos gewinnen würde oder das Geld haben möchte. Wir hakten dies nach einigen Minuten ab.

Nun trat er mit einer Bitte an mich heran.
Da ich die 1000 Euro in zwei Monaten „auf jeden Fall“ ausbezahlt bekäme, müsste er noch etwas klären.
In Deutschland, erklärte er mir, müsse man auf Gewinne ab 500 Euro zwanzig Prozent Steuern bezahlen. Der Gewinn liege aber bei 1000. Man könne die „Gewinnabgeltungssteuer“ aber umgehen, indem man mir einen Sponsoren zuteile. Denn, so sagte er, könnte ich mir die Steuern sparen.
Es sollte so funktionieren. Als Sponsor habe er mir „Hörzu“ – die Fernsehzeitschrift – zugeteilt. „Hörzu“ gebe mir einen Gutschein über 100 Euro bei IKEA. Dafür bekäme ich ein Jahr lang die „Hörzu“. Ich bräuchte auch nur zweimal bezahlen, 62 Euro im ersten und 62 Euro im zweiten Halbjahr. Das wäre alles.
Ich hörte es mir geduldig an.

1000 Euro, weil ich zu den ersten Mitspielern gehörte!

„Dann bräuchte ich noch ihre IBANIBAN Internationale Kontonummer (international bank account number)-Nummer“, sagte er mir.
„Zu welchem Zweck?“
„Weil sie ja einen Sponsoren für die 1000 Euro haben müssen und vor allem, weil wir Ihnen ja das Begrüßungsschreiben zusenden.“
„Und dazu brauchen Sie meine IBAN?“
„Ja, damit der Gewinn an Sie überwiesen werden kann. Die 1000 Euro haben Sie ja auf jeden Fall gewonnen. Die IBAN muss ich ja dem Sponsor geben, damit Sie die Steuern nicht bezahlen müssen.“
„Oh, es tut mir leid. Wie Sie hören, fahre ich mit dem Auto und spreche über die Freisprecheinrichtung mit Ihnen. Ich kann jetzt gerade nicht schauen, weil ich auf meinem Portemonnaie sitze.“
„Haben Sie die nicht im Kopf?“
„Nein. Und ich kann momentan auch nicht von der Autobahn herunter.“
„Aber die Kontonummer und die Bank kennen Sie doch bestimmt, die kann ich dann für Sie im Internet zusammenbasteln lassen zur IBAN.“
Ich entschuldigte mich dafür, dass ich mir generell Zahlen nicht merken könne, nicht mal meine eigene Telefonnummer, die ich im Handy zwar hätte, aber mehr nicht. Er schlug dann vor, dass er mich nochmals zurückrufen wolle, wenn ich wieder zu Hause wäre.

Er war sich sicher, dass ich angebissen hatte.

Im 14 Uhr klingelte mein Handy wieder.

Ich fragte nochmal, warum er denn meine IBAN haben müsste. Er erklärte es mir geduldig. Es sei deswegen so, dass Gewinne ab 500 zu versteuern wären, wenn man aber einen Sponsor hätte eben nicht. Der Sponsor überweise mir schließlich die 1000 Euro.
Ich intervenierte, dass ich nicht verstehe, dass ich ein Abo abschließen müsse.
Das sei ja kein Abo, sondern ich bezahlte ja nur zweimal.
„Ich bezahle zweimal 62 Euro.“
„Aber dafür müssen Sie keine Steuern bezahlen, weil dann die Abgeltungshöhe auf 10 000 Euro hochgeht. Und sie bekommen ja nur eintausend. 10 000 ist ja höher“, erklärte er mir.

„Ach, Sie meinen die ‚Gewinnabgeltungssteuer‘?“, fragte ich. Diesen Begriff hatte er ja beim ersten Telefonat benutzt.
„Ja, weil Sie die sonst bezahlen müssen.“

Ich referierte kurz darüber, dass die Firma, die Gewinnspiele ausrichteten, dem Finanzamt mitteilen müsse, dass sie auf das Konto mit IBAN XYZ von der und der Person so und soviel Euro Gewinn überweise. Dann würde das Finanzamt sich an mich wenden mit einer Aufforderung, Steuern von zwanzig Prozent zu zahlen.

Er sagte, dass das etwas anders sei, weil der Sponsor ja das Geld an mich überweise.
Dafür bräuchte er eben meine IBAN und eben auch für die SEPASEPA vereinheitlichtes europäisches Verfahren zur Überweisung von Zahlungen oder Geld innerhalb der Europäischen Währungsunion-Lastschrift, weil ich ja zweimal die „Hörzu“ bezahlen müsse.

„Guter Mann“, begann ich, „Ich habe übrigens als Nebenfach Wirtschaftswissenschaften studiert. Und ich bin Journalist. Es gibt definitiv in Deutschland keine Gewinnabgeltungssteuer. Das habe ich übrigens nochmals recherchiert, als ich auf ihren Anruf wartete.“
„Dann sind Sie ein schlechter Journalist.“
„Werden Sie mal nicht beleidigend. Es könnte Ihnen doch egal sein, ob ich 200 Euro Steuern für den Gewinn bezahlen müsste.“
„Das ist aber so. Und Sie haben die AGBAGB Allgemeine Geschäftsbedingungen von uns bestätigt.“
„In den AGB, die ich sehr genau gelesen habe, steht eindeutig, dass ich nicht mal zustimmen muss, dass meine Daten an Sponsoren weitergegeben werden dürfen. Und in Artikel 3 steht, dass der Gewinn von der Einwilligung unabhängig ist.“
„Sie haben aber den Link in der E‑Mail angeklickt und bestätigt, dass sie mit den Sponsoren einverstanden sind.“
„Ich habe gar keine Mail bekommen.“

Er erzählte mir nochmal gebetsmühlenartig die Sache mit der „Gewinnabgeltungssteuer“ und erwähnte wieder die Sache mit der „Hörzu“, die ich ja nur zweimal bezahlen müsste.
„Guter Mann“, holte ich aus, „Der Mann, der mir gegenüber sitzt und die ganze Zeit mithört, weil ich mein Handy lautgestellt habe, fällt gleich vor Lachen von seinem Stuhl und er schüttelt auch die ganze Zeit den Kopf. Der Mann sitzt mir hier im Polizeirevier gegenüber.“
Ich fügte noch hinzu, dass er sich seine Telefonnummer schon aufgeschrieben habe und sich fortlaufend Notizen mache.
Der Mann am anderen Ende der Leitung faselte eine Adresse mit Namen, die es komischerweise gar nicht gab, Vor allem passte auch der Ort nicht mit Telefonvorwahl und Postleitzahl überein, ebenso gibt es die Straße auch nicht in dem Ort.
Dieses Gebaren soll lediglich unterstützen, dass das, was der Mann erzählt, authentisch wirkt.
Er sagte noch, dass alles legal sei und schnauzte mich dann an: „Wollen Sie den Gewinn jetzt oder nicht? Dann brauche ich Ihre IBAN.“
„Ich möchte den Gewinn, den Sie mir zugesichert haben, laut der AGB von ihrer Firma mit Sitz in Singapur, in denen vermerkt ist, dass eine Weitergabe von Daten an Sponsoren den Gewinn nicht schmählere“, sagte ich, „Übrigens ist der Gewinn auf der Webseite ein Probierpaket von Milka und nicht wie Sie mir sagten ein Auto.“
Er sagte mir, dass ich den Gewinn wohl nicht wolle.

„Guter Mann, ich will keinen Gewinn, bei dem ich etwas bezahlen muss. Sie wissen, dass dies unlauteres Geschäftsgebaren ist. Sie täuschen etwa vor und versuchen dann, mir etwas aufzuschwatzen und machen es abhängig von der Gewinnauszahlung, was aber nirgends auf der Webseite steht. Dies ist unlauter.“

Er betete wieder seinen Sermon herunter und wurde etwas lauter und aggressiver.
Ich war unbeeindruckt: „Ich möchte Ihnen mitteilen, dass ich direkt, nachdem Sie heute Vormittag aufgelegt hatten, mit Milka bzw. Mendelez gesprochen habe und diese nichts von solcher Art Gewinnspielen wissen. Diese sagten mir, dass man nie Abos z.B. von ‚Hörzu‘ anpreisen würde oder zu einer Bedingung mache. Ebenso wissen sie nichts von Sponsoren. Auf der Webseite von Mendelez wurde auch vor gefälschten Gewinnspielen gewarnt.“

„Sie wollen also den Gewinn nicht“, rief er laut ins Telefon.

Ich antwortete: „Laut Datenschutzgrundverordnung der EUEU Europäische Union fordere ich Sie hiermit auf, dass Sie meine Daten löschen und es dürfte klar sein, dass Sie mir postalisch oder per Mail mitteilen müssen, dass Sie meine Daten gelöscht haben. Das bestätigt mir auch gerade der Polizeibeamte vom Wirtschaftdezernat.“

Er legte einfach auf, ohne sich zu verabschieden.

Ich habe bei Milka bzw. Mendelez angerufen, um mich zu erkundigen, ob es diese Art von Gewinnspielen gibt. Mendelez teilte mir mit, dass sie solche Machenschaften nicht gutheißen und sowas nie tun würden. Sie baten mich, dass ich Ihnen alles schicken solle, was ich von dem Gewinnspiel hätte. Ich sagte zu und tat dies.

Bitte, liebe Leser, lassen Sie sich nicht auf Gewinnversprechen ein, bei denen Sie in Vorkasse gehen müssen. 
Man muss auch keine Gewinnabgeltungssteuern bezahlen. Diese gibt es nämlich nicht.

Wenn man bei ihnen anruft, notieren Sie sich die Telefonnummer, die Sie anruft und melden Sie sich direkt an die Polizei!

Bildquelle: pixelio/Rainer Sturm

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