Tagesarchive: 30. Juli 2021

Im Internet, besonders in den (un)sozialen Onlinenetzwerken, kursieren Beiträge über angeblich 600 während der Flutkatastrophe ertrunkener Kinder.
Auch ein privater Nachrichtensender soll darüber berichtet haben.

Ein Reporter berichtete vor einigen Tagen davon, dass ein ertrunkenes Kind angespült worden sei.
Es stand aber nie die Zahl 600 im Raum.

Auch sagte der Sprecher der Feuerwehr, der auch Mitglied im Organisationsstab bezüglich der Flutkatastrophe ist, dass vereinzelt Kinder, wie auch Erwachsene angespült worden seien, diese Zahl sei aber unter fünf.
Bestattungsunternehmen berichteten ebenso, dass es keine große Anzahl zu Schaden gekommener Kinder gab. 

In verschwörungstheoretischen Gruppen in (un)sozialen Onlinenetzwerken kursiert trotz besseren Wissen weiterhin die horrende Zahl von 600.

Wie kommen die Leute, die diese Zahl verbreiten, dazu?

Man muss wissen, dass viele davon der zum Himmel schreienden Verschwörungstheorie namens „QAnon“ angehören.
Bei „QAnon“ wird behauptet, dass es sogenannte „Eliten“ gebe. Diese setze sich aus hohen Politikern, Prominenten, Reichen und ähnlichen zusammen. Wer diese Personen sind, weiß niemand.
Diese planten – Wie sollte es auch anders sein? – die Weltherrschaft.
Die Weltherrschaft zu erlangen, ist keine Aufgabe von einigen Jahren. Sie muss von langer Hand vorbereitet werden.
Damit die „Elite“ möglichst lange lebt, werden von deren Handlagern Kinder gestohlen und in Kellern gefoltert. Aus dem Blut der gepeinigten Kinder wird dann eine Chemikalie beziehungsweise ein Nebenprodukt des menschlichen Stoffwechsels namens „Adrenochrom“ gewonnen. Diese soll angeblich die „ewige Jugend“ bringen, was bedeutet, dass die „Elite“, die „Adrenochrom“ konsumiert, sehr lange lebt.
Der Widerspruch an der Sache ist, dass „Adrenochrom“ sehr billig auf synthetischem Weg hergestellt werden kann. Man kann diese Chemikalie auch, ohne lange zu suchen, legal im Internet bestellen und kaufen.
Anstatt sich billig „Adrenochrom“ legal zu besorgen, foltern die „Eliten“ aber Kinder, um es zu gewinnen.
Die mögliche „Sinnhaftigkeit“ dieses offensichtlichen Widerspruchs verstehen nur Anhänger von „QAnon“.

Da – wie oben beschrieben – viele Anhänger von „QAnon“ diese Fake-NewsFake-News gezielt eingesetzte Falschnachrichten von den 600 angeblich angeschwemmten Kleinkindern veröffentlichen und teilen, kann man von folgendem ausgehen.
Sie suchen immer einen Grund, ihre verworrenen Märchen erneut ins Spiel zu bringen, um angebliche „Beweise“ zu erbringen, dass sie doch recht haben.
Bei ihren Fake-News schwingt nämlich auch mit, dass wieder mal etwas vertuscht werden soll.
Deswegen können sie weiter ihren „Irrsinn“ zusammenspinnen.
Sie sagen, dass die 600 ertrunkenen Kinder in einer Turnhalle aufgebahrt seien, aber dies niemand wissen dürfe, also vertuscht werden solle.
Das passt genau in deren Verschwörungstheorie-Unfug wie immer, denn die „Eliten“ würden alles tun, damit niemand weiß, was sie angeblich insgeheim tun. 

Das Mittel, sich selbst zu rechtfertigen und dafür auch schlimme Katastrophen zu missbrauchen´, ist absolut pervers.

Heute war ich wieder im Krankenhaus, um einen Freund zu besuchen.
An der Einlasskontrolle war die studentische Hilfskraft tätig, die mir beim vorigen Mal eine seltsame Geschichte erzählt hatte. 

Sie hatte einen Oberarzt freundlich darauf hingewiesen, er möge bitte seinen Mund-Nasen-Schutz aufsetzen. Dieser hat sie etwas später vor anderen Ärzten vorgeführt.
Der Vorgesetzte der studentischen Hilfskraft hatte ihr allerdings Eskalation vorgeworfen und sie gerügt. 

„Sie sind doch der nette Herr“, begrüßte sie mich, „Die Sache, die ihnen voriges Mal erzählt habe, hat eine positive Wendung für mich genommen.“ 

Ich schaute sie fragend an und sie machte eine Geste, zu folgen: „Es kommt ja momentan kaum jemand. Das schafft mein Kollege alleine hin.“ Wir gingen ein paar Meter von ihrer Arbeitsstelle in die Nähe einer Sitzecke.
Dann berichtete sie mir. 

Noch am selben Tag kam eine Ärztin zu uns und brachte uns die Liste mit den genehmigten Besuchern.
Ich wunderte mich, dass sie mich so anstarrte. Ich dachte erst, das läge an mein grelles, pinkfarbenes T‑Shirt.
Auf mein Nachhaken, ob wir uns kennen, nickte sie leicht und bestätigte auch, dass sie vor dem Besprechungsraum gestanden habe, als der Oberarzt mich denunziert hatte.
Sie habe nichts gehört und hätte nichts mitbekommen von dem, was der Oberarzt oder ich gesagt hätten.
Dann war sie wieder schnell weg.
Aber jetzt kommt’s!
Am nächsten Tag war ich beim Stellvertreter von meinem Vorgesetzten, weil ich etwas benötigte. Er wollte wissen, was denn genau passiert sei. Schließlich habe sich der Oberarzt lauthals über mich bei meinem Chef beschwert.
Ich erklärte es ihm. Dann riefen wir bei der Ärztin an, die mir die Listen gebracht hatte.
Diese versuchte sich wieder herauszureden, sie habe nichts gehört.
Dann rief ich den Denunzianten direkt an. Er lachte arrogant und meinte, eine Entschuldigung meinerseits wäre wohl angebracht. Schließlich hätte ich in vor seinem Team lächerlich gemacht.
Das Telefon hatte ich übrigens wie bei der Ärztin auf laut geschaltet, damit mein Kollege mithören konnte.
Er schüttelte den Kopf. Ich bluffte und sagte dem Oberarzt, eine Zeugin hätte ausgesagt, dass er sehr laut und aggressiv gewesen sei und diese hätte sich beschwert, weil er keine Maske getragen hätte.
Bevor er den Hörer auflegte, meinte er in lautem Tonfall, ich solle keinen Keil in sein Team treiben. Ich sollte meine Lügen zugeben.
Mein Kollege rief unseren Chef an und berichtete, was gerade passiert sei.
Dies passte ihm nicht und er ermahnte uns, die Sache zu vergessen.
Und man soll nicht meinen, unser Chef schickte mir einen Tag später eine Mail.
Er hatte mit der Ärztin gesprochen, die erst ausweichen wollte, dann aber sagte, ich wäre trotz lautem Getöse ruhig geblieben. Dann hatte er den Oberarzt angerufen und etwas klarzustellen und durfte sich dessen Hass einfangen. Der Oberarzt klatschte den Hörer auf und sagte ihn, das hätte ein Nachspiel. 

Das war eine gute Nachricht. 

Es zeigt, dass man mit Beharrlichkeit und Geradlinigkeit weiterkommt, auch wenn einem Steine in den Weg gelegt werden.

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