(Hier geht es zu „Teil 1″)

„Das Volk hat ja das menschenverachtende System unter Honecker hinfortgejagt“, sagte ich und dachte an die zig millionen armen Seelen, die gezwungen waren, in der so genannten „Deutschen Demokratischen Republik“ ihr Dasein zu fristen.

„Und dann die rechtlichen Querelen“, sagte meine Gemahlin mit düsterer Stimme, „Ich weiß jedenfalls … Wenn ich einmal vor ein Gericht gezerrt werde, schreie ich ganz laut: ‚Aua, meine Leber!‘ und will deswegen freigesprochen werden.“

Ich stimmte ihr nickend zu.

Der Trabant war aus der Modellreihe 601. Seltsam war allerdings, dass kein Insasse dort drin war. Auch das fehlende Kennzeichen machte mich stutzig.

Sabine, Edelfrau von Syntronica schaute mich an, fragte dann: „Synapsus hast Du nicht dabei…?“

„Den habe ich im Schiff“, schüttelte ich den Kopf, „Ich habe nur das Monokel mit den Laurinsichtglas dabei. Damit kann ich aber nur das Schiff sehen.“ Ich tippte mir an die Krempe des Zylinders.

„Was kann ich für Sie tun?“, sprach uns plötzlich ein Mann an, der wie ein angelsächsischer Diener – „Butler“ in der Landessprache genannt – gekleidet war, „Was kann ich für die zeitreisenden Edelleute tun?“

„Hm!“, machte ich, „Wir sehen hier kuriose Dinge, die wir nicht erklären können, doch dabei werden Sie uns kaum helfen können.“

„Ihr Wunsch ist mir Befehl, mein Herr“, erwiderte er und drehte sich den umherlaufenden Passanten zu: „Kommen Sie, kommen Sie! Hier sehen Sie etwas, was Sie noch nie sahen und was Ihnen noch lange in Erinnerung bleiben wird.“

Ein paar der leicht Ethanol vergifteten Leute blieben stehen und ließen sich in sein Kuriositätenkabinett einladen.

Ethanol oder Ⅽ2H5OH, die ewige Geisel der Menscheit!

Kopfschüttelnd gingen wir weiter, da dies nicht unser Niveau ist.

Erst dieser seltsame Zeitdämon mit der Geige, dann die Blechkarosse, dann der Butler.
Dazu kam noch, dass uns dieses Volksfest „Cannstatter Wasen“ Magendrücken verursachte.
Uns war ganz mulmig zumute.
Wir schauten uns weiter um.
„Was mir komisch vorkommt“, sagte ich, „ist das Kuriosum, dass es hier Gegenstände gibt, die nicht in diese zeit gehören. Dazu noch das Materialisieren der Blechkarosse aus dem späten 20. Jahrhundert.“
Wir flanierten, nein, wir rannten planlos über den Kramermarkt. Auch die Sprache war etwas anders als sonst, eher restringiert als elaboriert.
Meine Gemahlin schaute sich eine kleine Maschine namens „Entsafter“ an. Dies nahm im Bauch mehrere Orangen auf, um sie danach mittels anbarischer zu zerdrücken und auszuquetschen. Unten kam Saft heraus.

Dieser Apparat war noch gar nicht erfunden. Auch fanden wir auf die Schnelle nicht heraus, woher die anbarische Energie kam. Dort lagen einige glänzende, feine Kordeln herum, die jedoch nicht geknüpft schienen.
Der „Entsafter“, der aus Orangen – die man nicht auf so einem Markt feigeboten bekam – Saft machte, schien die Aufmerksamkeit vielen Marktbesucher zu erheischen.
Weswegen die Leute Pappkartons mit aufgemaltem „Entsafter“ gegen Numismata eintauschten, blieb uns auch fremd.

Fremd wie so vieles hier!

„Jederfalls sind wir nicht im 19. Jahrhundert“, sagte meine Gemahlin, „oder die zweite Variante ist, dass wir es doch sind, aber jemand hier herummanipuliert.“

Hier geht es zu Teil 4 

© Dietmar Schneidewind, Syntronica.Net


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