Kretschmann-2016-BB
Am Samstag, den 27. Februar 2016, war der amtierende Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, im Böblinger Congress Center geladen. Dies fand im Rahmen des Wahlkampfes zur Landtagswahl (13.3.2016) statt. Eingeladen war er von der Landesvorsitzende der Grünen, Thekla Walker, sowie den Grünen in Böblingen.

Zu Anfang begrüßte Thekla Walker, Kandidatin  des Wahlkreises 5, die Besucher. Sie umriss kurz, wofür die Grünen stünden und machte auch deutlich, dass der (aller)erste grüne Ortsverein 1979 in Böblingen und Sindelfingen gegründet wurde.

Danach ging es übergangslos zur „Fragestunde“ mit Winfried Kretschmann und Thekla Walker weiter.
Winfried Kretschmann sprach nicht zu den Besuchern.

Was schade war und uns überrascht hatte, war, dass bei der „Fragestunde“ keine direkten Fragen von den Besuchern im Publikum zugelassen waren. Im Vorfeld scheint es wohl möglich gewesen zu sein, Fragen auf eine Karte zu schreiben, die laut der Moderatorin angeblich durch „Zufallsprinzip“ gezogen worden wäre. Das Ziehen der Karten und die Vor-Auswahl hatten vor der Plauderrunde stattgefunden.
Auch war seltsam, dass die Fragen der Böblinger zum Schluss dran kamen. Dabei wurden kurz drei bis vier Themen angerissen und das war’s.

Die Runde war wohl vorher besprochen und organisiert worden, sollte aber als spontan verkauft werden.

Der „grüne Landes-Opa“, wie Kretschmann auch ironisch genannt wird, ging kurz darauf ein, wie es war, als die Grünen plötzlich die Regierung in Baden-Württemberg stellten. „Wenn man in der Opposition ist, glaubt man: ‚Die Regierung tut nichts.‘“, sagte er, „doch wenn man dann selbst dran ist, sieht man, dass es nicht so schnell geht. Einmal steht europäisches Recht im Weg, ein anderes Mal gibt es dann Probleme mit unserer Verfassung, vielen Vorschriften und dergleichen.“

Es ging auch darum, wie die Grünen den ÖPNV – Öffentlicher Personen-Nah-Verkehr – neu regeln wollen. Allerdings war das Argument von Thekla Walker, man wolle 60 Prozent des Verkehrsetats in den ÖPNV stecken, sehr schwach.
Auf Telematik wurde nur kurz eingegangen. Kretschmann erzählte langatmig, aber nicht informativ, dass es „ zwischen Autos“ etc. gäbe, kam aber nicht zum Punkt.

Kurze Statements zu Volksentscheiden kamen uns eher wie auswendig gelernte Floskeln vor, die damit endeten, dass es mit dem Volksentscheid zu Stuttgart 21 eine Befriedung der Bevölkerung gegeben hätte.
Wer im Thema steckt, wird etwas anderes sagen, denn es ist immer noch wie vor fünf Jahren so, dass die Stuttgart-21-Gegner weiterhin verbal randalieren. Die Stuttgart-21-Gegner hetzen weiterhin gegen alle, die nicht ihrer Meinung sind, prügeln verbal auf diese ein und wiederholen permanent Parolen und Thesen, die schon längst mehrfach gegenbewiesen sind.
Eine Befriedung ausgehend von diesen Reihen gibt es nicht.

Es ging auch kurz um die Flüchtlingspolitik, aber mehr als Appelle, dass alle etwas leisten sollten, kamen nicht.
In Gesprächen mit Grünen während und am Rande der Veranstaltung merkte man, dass sich keiner traute, etwas gegen die „offizielle Linie“ zu sagen.
Auch die Thesen, die „Neuen“ brächten viel mit, was Deutschland gebrauchen könnte, zog nicht.
Kretschmann sagte, dass – Stichwort „Integration“ – ebenfalls viele Deutsche auch nicht in unserer Gesellschaft integriert seien, nämlich die, die Brandsätze auf Asylantenheime würfen. Dies kam nicht bzw. nur schwach an bei den Zuhörern.
Kretschmann meinte in einem Nebensatz, er möge die „Alternative für Deutschland“ nicht und log, indem er sagte, die AfD sei rechtsradikal.

Dann ging es um das „Gehört-Werden“, was aber urplötzlich gar nicht mehr so offenohrig war, wie es die Grünen immer behauptet hatten. Man müsse auch mal „Kante zeigen“, sagte Kretschmann, relativierte aber wieder, nachdem er von „Durchregieren“ gesprochen hatte.
Kretschmann kam in diesem Kontext darauf zu sprechen, was er „Gesellschaft des Streits“ nannte. Eine Gesellschaft sollte dies sein, die Transparenz bei Entscheideúngen wolle und ihren Unmut oder aber aber auch Vorschläge kundtue. Denn nur mit „zivilisiertem Streit“ – also der Auseinandersetzung – könne man dies erreichen. Aber schnell kam er wieder aufs „Durchregieren“ zu sprechen, da es nicht dazu kommen dürfe, dass nur noch diskutiert würde. Die Entscheidung, ob eine Diskussion zu Ende sei, bestimmte nach Kretschmanns Worten die Regierung. 
„Gehört-Werden“ klang eher nach „Reden, solange wir wollen“.

Es ging auch um ökologische Wirtschaftskonzepte, doch dies war eher im Bereich „Utopia“ angesiedelt. Kretschmann und Walker sprachen davon, dass Ökologie und Ökonomie unter einen Hut zu bringen seien, redeten von Fortschritten im Vorzeigeland Baden-Württemberg, ließen aber konkrete Beispiele weg.
Kretschman und Walker lobten, dass im Landkreis Böblingen sehr viele IT-Unternehmen angesiedelt seien, erzählten, welche Wirkung es hätte, wenn gerade diese Firmen ökologisch agierten, kamen aber nicht darauf zu sprechen, welche tollen Innovationen davon ausgingen.

Viele der Themen, die auf „Karten“ von einigen der angeblich 800 Besucher aufgeschrieben worden waren, wurden nur bruchstückhaft beantwortet, viel Konkretes ließ und lässt auf sich warten. Kretschmann wirkte auch stellenweise sehr zerstreut, und es schien so, er wäre nicht bei der Sache.
Viele Antworten waren sehr realitätsfern.

sabine-kretsche-380
Eine kleine „Aktion“, die wir geplant hatten, gelang uns auch.
Wir trugen Pro-Stuttgart-21-T-Shirts mit der Aufschrift „Lieber unten durch als zurückgeblieben.“
„Superfliege“ schaffte es, sich von Medien wie „Energy Radio“, „ARD“, oder „Sindelfinger/Böblinger Zeitung“ u.v.m. zusammen mit Kretschmann – Stuttgart-21-Gegner – ablichten zu lassen.
Das T-Shirt ist deutlich auf den Fotos zu sehen.

Was allerdings ebenso einen negativen Geschmack hatte, war der Umgang von Sicherheitsleuten mit uns als Pressevertreter.
Uns wurde mehr oder minder „befohlen“, die Taschen sowie unsere Mäntel an der Garderobe abzugeben.
Wir gingen zurück ins Parkdeck und nahmen nur noch die Kamerautensilien, einen Schreibblock und den Presseausweis mit.
Als wir wieder hineinkamen, wurde vor uns jemand mit großer Tasche hereingelassen.
Wir ntervenierten, warum dies gehe.
„Der Mann ist von der Zeitung“, wurde uns gesagt.
Nach nochmaligem Vorzeigen des Presseausweises ruderte man plötzlich zurück und entschuldigte sich für die „forschen jungen Männer am Eingang“.


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